Behördenwahl in Arbon: «Das ist eine Sensation»

Kein Stein bleibt auf dem anderen: Die Stimmbürger haben den Stadtrat vollkommen ausgewechselt. Nicht nur für die Amtierenden kommt das überraschend.

Tanja von Arx
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Polit-Urgestein Peter Gubser (SP) ist in der nächsten Legislatur nicht mehr teil des Stadtrats. Bild: Andrea Stalder

Polit-Urgestein Peter Gubser (SP) ist in der nächsten Legislatur nicht mehr teil des Stadtrats. Bild: Andrea Stalder

«Das ist ein krasses Resultat, mit dem ich nicht gerechnet hätte», sagt Stadtrat Konrad Brühwiler (SVP). «Ich interpretiere es als eine Abrechnung mit der alten Behörde, in die das Vertrauen fehlt.» Brühwiler ist gestern mit 1236 Stimmen nicht wiedergewählt worden, das absolute Mehr lag bei 1328. Mit dem Knatsch in der örtlichen Partei will er das aber nicht in Verbindung bringen. Stattdessen spricht der Fahrlehrer von einem Neuanfang, und zwar «zum x-ten Mal»: Die Gewählten sind in Zusammenhang mit der Behörde allesamt unbeschriebene Blätter.

Gewählt, aber als überzählig ausgeschieden

Ähnlich wie Brühwiler erging es Peter Gubser (SP), ebenfalls im Stadtrat und ein Polit-Urgestein nicht nur in Arbon. Zwar ist er mit 1386 Stimmen im Amt bestätigt worden, aber als überzählig ausgeschieden. Denn der Stadtrat umfasst lediglich fünf Sitze, von denen neben den vier Neuen einer auf den frisch gebackenen Stadtpräsidenten Dominik Diezi (CVP, siehe Text unten) fällt. «Damit habe ich nicht gerechnet», sagt Gubser auf Nachfrage. «In den vier Jahren, in denen ich im Amt war, habe ich meiner Ansicht nach einen guten Job gemacht. Dies haben mir auch andere gesagt.» Das Ergebnis interpretiere er so, dass sich die Bevölkerung offenbar eine neue Behörde wünsche.

Der Überflieger ist Schreiner Didi Feuerle, der sich 1957 Stimmen gesichert hat. Der grüne Ortspräsident spricht denn von einer Sensation – und ebenfalls von einem Neuanfang. «Nicht nur für mich, sondern auch für die Partei ist die Wahl ein Erfolg. Vor einem Jahr gab es uns in Arbon noch nicht.» Freuen tue ihn auch, dass Dominik Diezi mit einem klaren Resultat gewählt worden sei. «Ich bin zuversichtlich, dass wir gut im Team zusammenarbeiten werden.»

Hohermuth: «Mehr Junge sind zur Urne»

Auf Feuerle folgt Michael Hohermuth von der FDP mit 1950 Stimmen. Auch der Wirtschaftsingenieur zeigt sich vollkommen überrascht. «Damit, dass ich gewählt werde, habe ich schon gerechnet. Aber auch aus Rückmeldungen von meinem Umfeld ging ich davon aus, dass es eher knapp wird.» Die Tendenz sei in Arbon wohl wirklich, gleich alles auswechseln zu wollen. «Ausserdem sind diesmal mehr Junge zur Urne», sagt der selbst 34-Jährige. Neben Feuerle und Hohermuth sind neu der langjährige CVP-Parlamentarier Luzi Schmid (1790 Stimmen) und Jörg Zimmermann von der XMV (1415 Stimmen) im Rat.

Didi Feuerle kandidiert für den Arboner Stadtrat

Das Kandidatenkarussel beginnt sich zu drehen: Der Grüne Kantonsrat stellt sich am 10. Februar zur Wahl. Zwei Sitze werden im Stadtrat frei - nebst demjenigen von Stadtpräsident Andreas Balg.
Markus Schoch