Begleiten löst Betreuen ab

Die Stiftung Mansio in Münsterlingen befindet sich im Umbruch. Die neue Führungscrew will die selbstbestimmte Lebensgestaltung ihrer Klienten fördern. Der Trend geht zu mehr externen Plätzen.

Martina Eggenberger Lenz
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Stiftungspräsident Martin Gisler und Geschäftsleiter Marcel Heuberger im Verkaufsladen der Stiftung Mansio in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. (Bild: Reto Martin)

Stiftungspräsident Martin Gisler und Geschäftsleiter Marcel Heuberger im Verkaufsladen der Stiftung Mansio in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. (Bild: Reto Martin)

Ihre Geschichte reicht bereits ein Vierteljahrhundert zurück. Jetzt bereitet sich die Stiftung Mansio auf die Zukunft vor. Vor einem Jahr hat der neue Geschäftsleiter Marcel Heuberger seine Arbeit aufgenommen. Gleichzeitig hat Stiftungsrat Martin Gisler das Präsidium übernommen. Mit den neuen Köpfen ist ein Paradigmenwechsel eingeleitet worden.

Das Zauberwort heisst Inklusion und meint eine unmittelbare Zugehörigkeit aller Menschen zur Gesellschaft. Es gehe darum, die Selbständigkeit der Menschen zu fördern, sie mehr zu begleiten als wie früher zu betreuen, sagt Marcel Heuberger. Es erklärt sich von selbst, dass die Hospitalisierung, beziehungsweise Isolation der Klienten, mit diesem Ziel schwer vereinbar ist. Wenn sie auf dem Klinik-Areal wohnen und arbeiten, kommen sie mit der Aussenwelt zu wenig in Berührung.

Viele Wohngemeinschaften draussen in der Stadt

Mansio hat vor mehr als zehn Jahren angefangen, externe Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Dieses Angebot soll von heute 40 auf 65 Plätze erhöht werden. Die Stiftung mietet hierfür in Kreuzlingen und Bürglen Wohnungen an. Die Klienten leben in kleinen Wohngemeinschaften selbständig, werden dabei aber unterstützt durch Basisstationen vor Ort, ähnlich wie bei der Spitex. «Vom Prinzip her machen wir nichts anderes, als wir schon immer gemacht haben. Wir gehen nur raus in die Bevölkerung», betont der Geschäftsleiter.

Ein Teil der Klienten werde aber auch in Zukunft auf dem Klinik-Areal verbleiben. Heuberger erwähnt das Betagtenhaus, Menschen mit einer Mehrfachbeeinträchtigung und Menschen in Krisen. Es werde keiner gezwungen, auswärts zu wohnen. Die Durchlässigkeit der einzelnen Wohngruppen soll steigen, ein Hin-und-her-Wechseln vereinfacht werden. «Der Durchlauf ist heute viel höher als früher, insbesondere bei den psychischen Erkrankungen.» Das sei so, weil die Klienten weniger lang in der psychiatrischen Klinik verweilen würden. Die Klinik ist stets froh, wenn die Mansio sie aufnehmen kann.

Ein Teil der Werkstatt zieht ins Zecchinel-Areal

Wenn in Zukunft das Wohnen vermehrt im Dorf und in der Stadt stattfindet, ist die logische Folge, dass auch die Mansio-Arbeitsplätze die Umgebung wechseln. Bereits heute gibt es in Kreuzlingen ein offenes Atelier an der Hauptstrasse. Wie Marcel Heuberger sagt, soll 2019 ein zweites eröffnet werden. Martin Gisler erzählt, dass zudem Mitte des nächsten Jahres der Industriebereich der Werkstatt im Zecchinel-Zentrum in Tägerwilen in Betrieb genommen wird. «Auch hier geht es darum, dass die Leute einen Arbeitsweg bekommen, sich in einer normalen Umgebung bewegen. Wir wollen weg von der Stigmatisierung.»

Die neue Struktur der Mansio ist themenspezifisch. Es wird nicht mehr zwischen den Abteilungen Schilfluggä, Wellenspiel und Werkstatt unterschieden. «Es gibt jetzt eine einheitliche Strategie für die ganze Stiftung», sagt Gisler. Für das Wohnen gibt es ein gemeinsames Dach unter einer Führung. «Natürlich ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, die Wohnheime zusammen zu führen. Aber unsere Fachpersonen sind qualifiziert. Sie können das.» Und die Bewohner würden frühzeitig mit Veränderungen konfrontiert, damit sie sich vorbereiten könnten, betont Heuberger.

Abteilungsleiter tragen die Veränderung mit

Gemeinsam statt separiert betrachtet werden auch die Arbeitsformen. Die Ateliers sind nicht mehr den Wohngruppen zugeordnet wie früher. Sie bilden mit den Werkstätten auf dem Areal eine Einheit. «Auch das dient der Durchlässigkeit», sagt der Geschäftsleiter. «Wir rücken alle noch näher zusammen, bündlen unsere Ressourcen und nutzen Synergien. Die Betreuungsqualität soll für den einzelnen Klienten dadurch noch besser werden und wir können uns als Stiftung weiter entwickeln», fasst Heuberger zusammen. Der Geschäftsleiter ist froh darüber, dass die Neustrukturierung mit den bisherigen Führungskräften gelungen ist. Sie würden alle die Veränderungen mittragen.

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