Beatrice und Hans Bär aus Rothenhausen lebten 30 Jahre in Thailand und leisteten im Urwald Entwicklungshilfe

Sie brachten Zahnpasta und Medikamente in den Urwald. Auch das Lesen lernte das Bergvolk im Norden Thailands von Beatrice und Hans Bär. Nach 30 Jahren im Ausland sind die beiden wieder zurück im Thurgau.

Yvonne Aldrovandi
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Beatrice und Hans Bär in Karen-Kleidern mit Büchern, die Hans Bär geschrieben hat.

Beatrice und Hans Bär in Karen-Kleidern mit Büchern, die Hans Bär geschrieben hat.

Bild: Yvonne Aldrovandi (Rothenhausen, 16. November, 2020)

«Wir sind dankbar für all die unvergesslichen Erlebnisse und Erfahrungen. Wenn wir das Rad der Zeit zurückdrehen könnten, würden wir uns wieder für diesen Weg entscheiden.» Beatrice und Hans Bär aus Rothenhausen sind sich einig; die 30 Jahre als Entwicklungshelfer in Thailand möchten sie nicht missen. Im Juli sind sie in den Thurgau zurückgekehrt.

Für Hans Bär, der in Opfershofen aufwuchs, war schon immer klar, dass er im Ausland arbeiten möchte, um Menschen den christlichen Glauben weiterzugeben. Ausserdem hätten ihn die verschiedenen Weltreligionen interessiert, sagt der 66-Jährige über die Beweggründe für die Auswanderung.

Mit seiner Frau Beatrice und den beiden Kindern ist Hans Bär 1982 nach Thailand ausgewandert. In Bangkok und in Chiang Mai haben Bärs die thailändische Sprache und Kultur gelernt. Während dieser Zeit hat Hans Bär auch Buddhismus studiert. Auf Anfrage der Überseeische Missions-Gemeinschaft (ÜMG) sind Bärs dann nach Nordthailand in den Urwald zu den Karen gezogen, um dort Entwicklungshilfe zu leisten.

Sie lebten im Urwald bei einem Bergvolk

Die Karen sind die grösste Gruppe der Bergvölker in Thailand. «Dort haben wir mit verschiedenen Menschen aus rund 40 Dörfern zusammengearbeitet», erzählt Hans Bär. Eine Vielzahl dieser Leute sei durch den Animismus geprägt gewesen. So glaubten sie beispielsweise, dass alle Gegenstände und Lebewesen von Geistern beeinflusst sind und die Geisterwelt im Leben der Menschen und in der Welt aktiv ist.

«Unsere Hauptaufgabe bestand darin, die Bibel und die Gute Nachricht von Jesus Christus bekanntzumachen.» Die Familie Bär wohnte in einem Stelzenhaus aus Holz. Der Grossteil der Häuser bestand dazumal allerdings aus Bambus, weil die Karen Angst vor Geistern hatten. Sie glaubten, dass die Geister in Bambushäusern besser von drinnen nach draussen können. Heute gibt es nur noch wenige Bambushäuser, die meisten Häuser sind aus Holz oder Stein.

Hilfe beim Aufbau von Schülerheimen

Das Ehepaar Bär hat den Karen das Lesen beigebracht, damit diese auch die Bibel selber lesen können. Zudem hat es die Einheimischen angeleitet, christliche Gemeinden zu führen. Die Karen seien stets offen für Neues.

Da Beatrice Bär ausgebildete Krankenschwester ist und oftmals zu den Patienten nach Hause oder zum Krankenhaus fahren musste, hatte die Familie einen eigenes Auto. Ansonsten verkehrten kaum Autos auf den schlechten Lehmstrassen. Das Ehepaar Bär hat nebst Medikamenten auch Kerosin und Batterien für Lampen, Hacken für die Bearbeitung der Felder sowie Zahnpasta verkauft – Alltagsgegenstände, welche die Karen ansonsten oft überteuert von aussen einkaufen mussten.

Bärs haben im Weiteren beim Aufbau von drei Schülerheimen mitgeholfen und bei der Installation von sanitären Anlagen angeleitet. «Dabei haben auch wir von den Einheimischen viel gelernt. Beispielsweise reinigt das Papain aus der Papayafrucht den Magen-Darm-Trakt und kann als Wund- und Desinfektionsmittel eingesetzt werden», erklärt Beatrice Bär.

Die zwei jüngsten Kinder von Bärs wurden in Chiang Mai geboren. Die sechsköpfige Familie Bär übersiedelte später in ein grösseres Dorf, und die Kinder gingen in Singapur in die Schweizer Schule.

Abschiedsfest für das Ehepaar

Hans Bär hat drei Bücher geschrieben: Heilsgeschichtlicher Bibelunterricht, über Träume der Karen sowie über die Kultur dieser Völkergruppe. Der Grund für ihre Rückkehr in die Schweiz im vergangenen Sommer sei ihre Pensionierung gewesen – zurück zu ihren Wurzeln – zurück zu ihren Kindern und Grosskindern, die inzwischen alle wieder hier leben.

Im Juni haben die Karen noch ein grosses Abschiedsfest für Beatrice und Hans Bär organisiert. «Es war für uns ein bewegender Moment, Abschied von all diesen uns lieb gewordenen Menschen zu nehmen.»

Obwohl bei den Karen in Nordthailand die Corona-Hygiene-Massnahmen nur wenig bekannt sind, gibt es dort keine Infizierte. «Vermutlich liegt es daran, dass sich die Leute meist draussen aufhalten und die Regierung frühzeitig das Land nach aussen abgeriegelt hat», meint Beatrice Bär.

Diesen Sonntag, 9.50 Uhr und 16.00 Uhr, berichten Bärs aus ihre Zeit in Nordthailand in der Evangelischen Gemeinde Berg-Kehlhof. Eine Anmeldung ist coronabedingt erforderlich. www.eg-kehlhof.ch