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Im Thurgau eine Plage: Die marmorierte Baumwanze soll man einfrieren

Der Schädling hinterlässt nicht nur bei den Landwirten Schäden, sondern auch in privaten Gärten. Eine Expertin rät, die Käfer schonend zu töten - im Gefrierer.
Sabrina Bächi
Schäden an einer Birne, verursache durch die marmorierte Baumwanze. (Bild: Mario Testa)

Schäden an einer Birne, verursache durch die marmorierte Baumwanze. (Bild: Mario Testa)

Im Thurgau grassiert die Baumwanzenplage: 10 Prozent Ernteausfall bei den Birnen (unsere Zeitung berichtete) und bei der Apfelernte werden hohe Ausfälle befürchtet.

Doch auch wer einen Gemüsegarten hat, die Fenster putzt oder seine Hausfassade genau betrachtet, macht Bekanntschaft mit der marmorierten Baumwanze. Im Gemüsegarten fühlt sich der Stinkkäfer unter Peperoni, Auberginen und Gurken ebenso wohl wie in den Plantagen.

Im Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg forscht Anja Ackermann seit rund zwei Jahren zur eingeschleppten marmorierten Baumwanze. «Wegen eines auffällig hohen Befalls oder Schäden melden sich nicht nur Landwirte, sondern auch andere Personen, die einen Garten haben oder eine hohe Anzahl der Tiere im Haus entdecken», sagt Obstbauberaterin Ackermann. Am Gemüse werden die Schäden wie bei Birnen durch Dellen sichtbar.

«Das Gemüse wirkt wie ausgesogen und ist verfärbt»

Derzeit sind die Wanzen besonders gut sichtbar. Nicht nur wegen der Ernteschäden, sondern weil sie sich im Herbst ein warmes Plätzchen für die Überwinterung suchen.

«Sie sind sehr clever und finden in den kleinsten Ritzen Unterschlupf.»

Wer marmorierte Baumwanzen findet, soll sie einsammeln und in einem Sack einen Tag lang in den Gefrierfach legen. «Das ist die humanste Art sie zu töten. Sicher besser, als sie zu ertränken.»

Denn die Ausrottung der invasiven Stinkkäferart ist oberstes Ziel der Forschung. Ackermann hofft,dass sich die Samurai-Wespe, der einzige Nützling, welcher der Wanze den Garaus machen könnte, weiter verbreitet.

Gemäss neuster Forschungsberichte sei die ebenfalls aus Asien eingeschleppte Samurai-Wespe dieses Jahr erstmals nördlich der Alpen in Basel, Zürich und im Aargau gesichtet worden.

«Ich hoffe auf eine schnelle Ausbreitung des Nützlings, alles andere hilft nicht und die Schäden könnten jedes Jahr grösser werden»

– denn die Wanzen sind praktisch immun gegen Spritzmittel. Sogar die Larven seien dagegen äusserst robust, das haben Untersuchungen des BBZ ergeben.

Hinzu kommt: die marmorierte Baumwanze ist vermehrungsfreudig. Ein Weibchen lege nämlich bis zu 28 Eier. Das ist viel im Vergleich etwa zur heimischen, ebenfalls schädlichen, rotbeinigen Wanze, die nur 14 Eier lege.

«Die asiatische Baumwanze hat einen unglaublich hohen Vermehrungsrate»

Deshalb habe man bereits im Jahr 2018 für dieses Jahr eine hohe Anzahl der Schädlinge erwartet. Auch Ackermann drängt daher auf eine schnelle Lösung des Problems. Wenn sich die Samurai-Wespe nicht genügend schnell vermehrt, werden die Schäden exponentiell steigen, vermutet die Expertin. Für die Thurgauer Landwirtschaft wäre das fatal.

Vom blinden Passagier zum Schädling

Tim Haye, Insektenkundler am international tätigen Forschungsinstitut Cabi Europe Switzerland in Delémont, hat die Marmorierte Baumwanze intensiv erforscht. Dank seiner Arbeit weiss man, dass die Baumwanze aus China ihren Schweizer Eroberungsfeldzug von Zürich aus gestartet hat – vom Chinagarten aus. Dort mussten 1998 Dachziegel ersetzt werden. Vermutlich in den Kisten dieser Ziegel kamen die ersten Baumwanzen als blinde Passagiere nach Europa. 2004 fotografierte eine Privatperson in Zürich, ungefähr einen Kilometer vom Chinagarten entfernt, die ersten asiatischen Stinkkäfer. Es ist der älteste bekannte Nachweis für die Baumwanze und somit wahrscheinlicher Ausgangspunkt für ihre Verbreitung in Europa. (sba)

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