Bauern schaffen mehr Raum für Hase & Co.

Pro Natura arbeitet mit Bauern zusammen, um mehr Lebensraum für Wildtiere zu schaffen. Ihre Population ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken.

Mario Testa
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Tim Schoch, Kathrin Wittgen, Tobias Roth und Toni Kappeler in Wigoltingen.Auf diesem Feld entsteht dank zweier Buntbrachen Lebensraum für Tiere.

Tim Schoch, Kathrin Wittgen, Tobias Roth und Toni Kappeler in Wigoltingen.
Auf diesem Feld entsteht dank zweier Buntbrachen Lebensraum für Tiere.

(Bild: Mario Testa)

Das grosse Feld neben der Autobahn bei Wigoltingen ist für viele Tiere uninteressant. Die Grasfläche bietet ihnen weder Schutz noch Futter. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. «Ich werde zwei jeweils sechs Meter breite Streifen Buntbrachen ansähen», sagt Bauer Tobias Roth. «Sie dienen den Tieren künftig als Verbindung zur Hecke, die entlang des Autobahnzauns wächst.» Diese beiden Buntbrachen bleiben dann für mindestens fünf Jahre stehen, sagt der Biobauer.

«Für mich ist es wichtig, dass es kein Mehraufwand bei der Bewirtschaftung bedeutet. Und das ist hier der Fall»

Die Buntbrachen sind eine Möglichkeit, den Wildtieren wieder mehr Lebensraum zu geben, in dem sie Futter und Schutz finden. Dank vieler solcher Gebiete in allen 13 teilnehmenden Kantonen soll auch die Vernetzung der Lebensräume der Tiere verbessert werden.

Zehnjähriges Projekt

«Die Biodiversität im Kulturland steht unter enormem Druck», sagt Projektleiterin Kathrin Wittgen. «Der damit verbundene drastische Rückgang vieler Tiere, insbesondere der Insekten, ist alarmierend.» Mit der Aktion «Hase & Co.» will Pro Natura Gegensteuer geben. Vor einem Jahr wurde sie gestartet, es ist Halbzeit in der zweijährigen Pilotphase, auf die zwei vierjährige Umsetzungsphasen folgen. Insgesamt dauert die Aktion also zehn Jahre.

Feldhase, Wisel, Amphibien. Sie alle sollen profitieren von der Aktion «Hase & Co.» - auch dank den Mischungen regionalen Saatguts.

Feldhase, Wisel, Amphibien. Sie alle sollen profitieren von der Aktion «Hase & Co.» - auch dank den Mischungen regionalen Saatguts.

(Bild: Mario Testa)

Toni Kappeler freut sich sehr über Bauern, die bereit sind, mitzuwirken. «Das ist auch das Tolle am Projekt, wir machen es zusammen mit den Bauern. Es hat nichts Konfrontatives», sagt der Präsident von Pro Natura Thurgau. «In den vergangenen 30 Jahren ist die Population der Hasen im Grünland massiv zurückgegangen – auch bei vielen anderen Tieren.»

«Deshalb ist diese Aktion nicht ‹nice to have›, sondern sehr nötig.»

Mit zwei Hauptstossrichtungen soll die Biodiversität mit dieser Aktion gefördert werden.
● Dank regionalem Saatgut bleibt die genetische Vielfalt erhalten. Dazu arbeitet Pro Natura mit der IG Regiosaat zusammen und unterstützt die Bauern finanziell, wenn sie solches, leicht teureres Saatgut kaufen.
● Mit ökologischen Strukturen wie Stein- oder Asthaufen, Tümpeln oder Trockenmauern werden mehr Lebensräume und Rückzugsorte für verschiedene Tierarten geschaffen.

Veranstaltungen zur Aktion «Hase & Co.»

Exkursionen und Spurensuche 2020

Im Rahmen der Aktion «Hase & Co.» führt Pro Natura im kommenden Jahr drei Veranstaltungen durch.
Im Winter sollen Passanten Hasenspuren im Schnee fotografieren und unter thurgau.wildenachbarn.ch einreichen.
Am 18. April findet eine Kulturlandexkursion zu Buntbrachen im Kanton Schaffhausen statt.
Und am 17. Mai folgt eine Kulturlandexkursion zu Insekten im Landwirtschaftsland im Kanton Zürich.