Bald keine Asylsuchenden mehr in Sulgen

Seit rund dreieinhalb Jahren sind in der Anlage für Luftschutztruppen an der Auholzstrasse Asylsuchende untergebracht. Mitte März endet dieses Kapitel. Die Unterkunft wird in Zukunft wieder der Schweizer Armee zur Verfügung stehen.

Hannelore Bruderer
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Roger Boxler, Verantwortlicher für die Asylregion Ostschweiz, im Gespräch mit Deutschlehrerin Ursel Rutz. (Bild: Hannelore Bruderer)

Roger Boxler, Verantwortlicher für die Asylregion Ostschweiz, im Gespräch mit Deutschlehrerin Ursel Rutz. (Bild: Hannelore Bruderer)

Im Sommer 2015 strömten Tausende von Flüchtlingen nach Europa. Die Belegungskapazität des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) Kreuzlingen war ausgeschöpft. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) musste nach einer temporären Lösung suchen und fand sie in Sulgen.

Gemeindepräsident Andreas Opprecht ging am Montagabend im kleinen Auholzsaal auf diese turbulente Zeit ein. Vom ersten Kontakt zwischen Gemeinderat und SEM vergingen nur gut sechs Wochen, bis die ersten Asylbewerber in die Anlage für Luftschutztruppen einziehen konnten.

Anfängliche Skepsis in der Bevölkerung

In dieser kurzen Zeit wurden Konzepte für Unterbringung und Sicherheit erarbeitet, bauliche Anpassungen in der Anlage getätigt und viele Gespräche mit Anwohnern und Organisationen geführt.

Eine Informationsveranstaltung wurde anberaumt, die viele Einwohner anzog, denn nicht alle waren mit dem Entscheid der Behörde glücklich. Es gab aber auch jene, die sich aktiv einsetzten, damit die Anlage betrieben werden konnte und die Flüchtlinge während ihrer Registrierung gut untergebracht waren.

Gravierende Zwischenfälle blieben aus

An diese Helfer richtete Opprecht seinen Dank. 44 Personen waren der Einladung des Gemeinderats und des SEM gefolgt, darunter Vertreter des EVZ Kreuzlingen, der Gemeinde und des Werkhofs, der Feuerwehr, der Polizei, der Sicherheitsdienste Securitas und Protecta sowie der Kirchgemeinden.

«Sie haben geholfen, dass in Sulgen in eine Asylunterkunft ohne grössere Vorkommnisse betrieben werden konnte. Dafür dankt ihnen der Gemeinderat», sagte Opprecht.

Diesem Dank schloss sich Roger Boxler an. Er ist beim SEM verantwortlich für die Asylregion Ostschweiz. «In der damaligen Notsituation waren wir froh, dass der Gemeinderat Sulgen rasch auf unsere Anfrage reagiert hat. Die Zusammenarbeit war von gegenseitigem Respekt geprägt.»

Freude, aber auch Frust erlebt

Voller Wärme sprach Ursel Rutz über ihre Erlebnisse mit den Asylsuchenden. Sie hatte mit freiwilligen Helfern den Deutschunterricht organisiert.

«Wir haben viel gelacht, aber auch geweint. Es gab Momente der Ohnmacht, Wut und Frust über Ungerechtigkeiten und Bürokratie. Viele dieser Menschen habe ich in mein Herz geschlossen. Für diese Erfahrung bin ich dankbar. Sie hat mich zu einem anderen Menschen gemacht», sagte Rutz.