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Badi-Mord von Tägerwilen: Gericht spricht Angeklagten des Mordes schuldig

Das Bezirksgericht Kreuzlingen hegt keinen Zweifel daran, dass ein 62-jähriger Konstanzer seine Geliebte ermordet hat. Es verurteilte ihn zu lebenslanger Freiheitsstrafe und Verwahrung.
Ida Sandl
Der genaue Tathergang am Seerheinbad in Tägerwilen wird gemäss Richterin wohl nie restlos aufgeklärt. War aber klar ist: Der Angeklagte brauchte nicht länger als 20 Minuten, um die Frau zu töten. (Bild: Donato Caspari)

Der genaue Tathergang am Seerheinbad in Tägerwilen wird gemäss Richterin wohl nie restlos aufgeklärt. War aber klar ist: Der Angeklagte brauchte nicht länger als 20 Minuten, um die Frau zu töten. (Bild: Donato Caspari)

Sie hing an ihm, hätte sich ein Kind gewünscht. Er brauchte sie für Sex und ab und zu, damit sie seine Rechnungen bezahlt. «Mehr als mögen war nicht drin», sagt die Präsidentin des Bezirksgerichts Kreuzlingen am Mittwoch bei der Bekanntgabe des Urteils.

Die Richter verurteilten den 62-jährigen Konstanzer wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe plus Verwahrung. Sie folgten damit den Anträgen des Staatsanwaltes.

Die Tat hatte er monatelang geplant

Da der Beschuldigte sein anfängliches Geständnis widerrufen hat, wurde ein reiner Indizienprozess geführt. An dessen Ende steht für die Richter aber ohne Zweifel fest, dass der Mann seine 38-jährige Geliebte getötet hat. Der genaue Tathergang werde wohl nie restlos geklärt werden.

Die Frau ist am Abend des Pfingstsamstags 2016 in der Tägerwiler Seerheinbadi mit einem stumpfen Gegenstand, wohl einem Stein, getötet worden. Der Beschuldigte habe seine Freundin «schamlos ausgenutzt und zum Schluss erschlagen und im Wasser liegen gelassen», sagt die Gerichtspräsidentin.

Ihr Tod hätte ihm ein finanziell sorgenfreies Leben sichern sollen. Etwa zehn Monate vor der Tat hat er eine Risiko-Lebensversicherung über eine halbe Million Euro auf sie abgeschlossen. Ausserdem sei sie ihm lästig gewesen, da er auf Teneriffa eine Lebensgefährtin hatte. Der Verteidiger hatte am Tag zuvor Freispruch beantragt. Sein Mandant könne vom zeitlichen Ablauf her die Tat nicht begangen haben.

Das Gericht ist anderer Ansicht. Es stützt sich dabei auf Handy- und Videodaten und wertet diese stärker als die Aussagen der Zeugen, die mehrfach korrigiert worden seien. Demnach hatte der Beschuldigte genug Zeit für die Tötung seiner Geliebten.

«Er brauchte dazu nicht länger als 20 Minuten.»

Der Mann sei auch körperlich in der Lage gewesen, den toten Körper ans Ufer zu schleppen. Geht es nach den Kreuzlinger Richtern, dürfte der Beschuldigte sein restliches Leben in Haft verbringen. Zusätzlich zur lebenslangen Freiheitsstrafe haben sie eine Verwahrung angeordnet. Dabei stützt sich das Gericht auf das psychiatrische Gutachten, das dem Beschuldigten «eine kaltblütige, manipulative Persönlichkeit» attestiert. Er sei ein Mensch, der seine eigenen Bedürfnisse über Normen, Regeln und die Bedürfnisse anderer stellt.

Der Gutachter kommt zum Schluss, dass auch im Alter «eine massive Rückfallgefahr» bestehe. Da der Beschuldigte nicht psychisch krank sei, könne eine Therapie bei ihm nicht viel bewirken.

Gefährlich für die Gesellschaft

Lebenslängliche Freiheitsstrafe bedeute «ein Leben lang», erklärt die Gerichtspräsidentin. Sie sei für Täter gedacht, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte hat zehn Tage Zeit, um Berufung anzumelden. Ob er dies machen werde, konnte sein Verteidiger nach der Urteilverkündung noch nicht sagen.

Ordentliche Verwahrung

Der Beschuldigte ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und einer Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB verurteilt worden. Sie wird auch «ordentliche Verwahrung» genannt. Die Verwahrung wird nach der abgesessenen Haftstrafe vollzogen. Der Täter kann bedingt frühzeitig aus der Verwahrung entlassen werden, wenn zu erwarten ist, dass er sich in Freiheit bewähren wird. Die erste Beurteilung erfolgt nach einer Probezeit von zwei bis fünf Jahren. (red)

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