Bachöffnung
Im Amriswiler Hegibach können Fische nun die Treppe hochspringen

Die Renaturierung von Geiss- und Hegibach bei Gizehus ist abgeschlossen, obwohl das Gelände unfertig scheint. Das stimmt jedoch nur bedingt.

Manuel Nagel
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Mehr als zwei Dutzend Interessierter nahmen am Montag einen Augenschein, wo Geiss- und Hegibach zusammenfliessen.

Mehr als zwei Dutzend Interessierter nahmen am Montag einen Augenschein, wo Geiss- und Hegibach zusammenfliessen.

Bild: Manuel Nagel

Als sich Martin Schaller von der Amriswiler Bauverwaltung letzthin mit dem Fischereiaufseher austauschte, da hatte dieser gute Neuigkeiten: «Er stellte beim Fischaufstieg eine Erfolgsquote von etwa 80 Prozent fest», sagt Schaller, der die Renaturierung von Geiss- und Hegibach begleitete und betreute. «Die neu erstellte Fischtreppe beim Hegibach funktioniert also sehr gut», lautet Schallers erstes Fazit.

Stadträtin Sandra Reinhart

Stadträtin Sandra Reinhart

Bild: PD

Doch nicht alle springen vor Freude wie die Fische den Hegibach hinauf. Es gibt Stimmen, dass die Renaturierung viel zu teuer geworden sei. «Für die enormen Kosten der ‹Anlage› wurde sehr wenig realisiert», ist etwa in einem Kommentar zu lesen. Das will die zuständige Stadträtin Sandra Reinhart so nicht stehen lassen – auch wenn sie aus der Bevölkerung hin und wieder konfrontiert werde, dass es dort so unfertig ausschaue.

Fischgängigkeit kombiniert mit Hochwasserschutz

Doch genau das sei das Ziel dieser sogenannten Ruderalfläche, erklärt Reinhart. Man wolle dort keinen Park errichten, sondern die Natur solle das Areal selbst bepflanzen. Unfertig ja, aber genauso gewollt.

Unter der Hagenwilerstrasse können nun grössere Wassermengen durchfliessen, so dass die Kantonsstrasse nicht mehr überschwemmt werden sollte.

Unter der Hagenwilerstrasse können nun grössere Wassermengen durchfliessen, so dass die Kantonsstrasse nicht mehr überschwemmt werden sollte.

Bild: Manuel Nagel

Auch dass wenig realisiert worden sei, stimme nicht, betont die Stadträtin der Grünen. Dieses Projekt der Renaturierung und der Fischgängigkeit habe man auch noch mit der fälligen Sanierung der alten Brücke sowie dem Hochwasserschutz bei der Hagenwilerstrasse an diesem Ort kombiniert.

Martin Schaller von der Bauverwaltung begleitete die Bachöffnung.

Martin Schaller von der Bauverwaltung begleitete die Bachöffnung.

Bild: PD

Die grosse Überschwemmung vor fünf Jahren habe dann auch dieses ganze Projekt angestossen, erzählt Martin Schaller. Er weiss auch über die Kosten Bescheid. Mit rund 550'000 Franken sei gerechnet worden, «aber aktuell liegen wir rund einen Zehntel unter Budget». Die finanzielle Hauptlast trage jedoch nicht die Stadt Amriswil. Bund und Kanton würden jeweils Beiträge in der Grössenordnung von 60 Prozent sprechen, doch weil das Projekt so gelungen sei, erhalte man hier sogar 80 Prozent der Kosten.

Pro Natura als Landbesitzerin bezahlt gleich viel wie die Stadt

Für die Stadt Amriswil werden unter dem Strich letztlich noch rund 70'000 Franken fällig. Denselben Betrag steuert auch Pro Natura bei. Die Organisation lud mit den Grünen zur Besichtigung des Geländes.

Pro Natura ist auch Besitzerin dieser zwei Parzellen am Geiss- und Hegibach. Diese erhielt sie von einem Privaten, der in Amriswil aufgewachsen war und den Boden geerbt hatte. Dieser erkundigte sich bei Pro Natura, wie man das landwirtschaftliche Land aufwerten könne. Das Resultat der Bachöffnung ist nun sichtbar und schon bald sollten sich dort Amphibien, Vögel und viele andere Tiere niederlassen.

Zwei junge Frauen präsidieren Grüne

Bevor die Grünen Amriswil am Montagabend zur Infoveranstaltung über die «Renaturierung Hegibach» luden, hielten sie ihre Jahresversammlung im Werkhof ab. Dort liess sich die Partei von Werkhofleiter Philipp Huber über den Zustand des Werkhofs informieren. Auch die Grünen sehen Handlungsbedarf und stimmen dem Kreditbegehren von 6,35 Millionen Franken einstimmig zu. Insbesondere begrüssen sie beim Neubau die Minergie-Bauweise.

Für Sandra Reinhart war es die letzte Versammlung als Parteipräsidentin, denn als Stadt- sowie Kantonsrätin – und dort Fraktionsvorsitzende – wollte sie ihr Amt abgeben. Doch dieses bleibt in der Familie – zumindest halb. Tochter Simone Reinhart und Priska Steiger übernehmen das Präsidium der Amriswiler Grünen zu zweit. (man)


Simone Reinhart folgt auf ihre Mutter, Stadträtin Sandra Reinhart, als Präsidentin der Grünen Amriswil.

Simone Reinhart folgt auf ihre Mutter, Stadträtin Sandra Reinhart, als Präsidentin der Grünen Amriswil.

Bild: Manuel Nagel