Auszeichnung
Weinfelden ist die dritte Energiestadt mit Gold-Label im Thurgau

Die Stadt unternimmt grosse Anstrengungen, um haushälterisch mit Energie umzugehen und möglichst nachhaltig Energie zu produzieren und einzukaufen. Auch Private wie Lidl Schweiz tragen dazu bei.

Mario Testa
Drucken
Teilen
Bei der Zertifikatsübergabe auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums in Weinfelden: Regierungspräsident Walter Schönholzer, Stadtrat Thomas Bornhauser, Energiestadt-Berater Christian Leuenberger und Lidl-Schweiz-CEO Torsten Friedrich.

Bei der Zertifikatsübergabe auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums in Weinfelden: Regierungspräsident Walter Schönholzer, Stadtrat Thomas Bornhauser, Energiestadt-Berater Christian Leuenberger und Lidl-Schweiz-CEO Torsten Friedrich.

Bild: Andrea Stalder

Die grösste Fotovoltaikanlage im Thurgau liegt auf Weinfelder Gebiet. Lidl Schweiz hat auf dem Dach ihres Verteilzentrums in den vergangenen Wochen eine neue Anlage installiert. Sie ist über 20'000 Quadratmeter gross und produziert vier Gigawattstunden Strom im Jahr – genug, um etwa 1500 Haushalte oder acht Grossverbraucher mit Strom zu versorgen.

Der Weinfelder Stadtrat Thomas Bornhauser.

Der Weinfelder Stadtrat Thomas Bornhauser.

Bild: Andrea Stalder

Die Stadt Weinfelden nutzte am Donnerstag die Gelegenheit, gleichzeitig mit der Einweihung der Lidl-Fotovoltaikanlage die Zertifizierung als Energiestadt mit dem Gold-Label zu feiern. «Seit zwölf Jahren sind wir Energiestadt, nun sind wir eine von dreien im Thurgau mit dem Gold-Label», sagt Stadtrat Thomas Bornhauser bei der Zertifikatsübernahme auf dem Dach des Verteilzentrums.

«Das Label hat über die Zeit auch zu einem Umdenken in der Verwaltung und bei uns im Stadtrat geführt.»

Die Stadt unternehme viel im Bereich des Energiesparens, führt Bornhauser weiter aus. «Wir bieten auf unseren Gebäuden Platz für Fotovoltaikanlagen, haben nun auch E-Tankstellen installiert und fördern auch mit den Technischen Betrieben erneuerbare Energien auf vielfältige Weise.» Das Gold-Label sei aber nicht nur ein Verdienst der Stadt, auch Privathaushalte und Betriebe leisteten ihren Beitrag dazu.

Gratulationen von der Regierung

Walter Schönholzer überbringt anlässlich der Zertifizierung die Gratulationen der Regierung. «Weinfelden zeigt eindrücklich, wie ernst es der Stadt ist, vorwärtszumachen», sagt der Regierungspräsident. «Mit den beiden anderen Gold-Energiestädten Frauenfeld und Egnach nimmt die Stadt eine Vorreiterrolle ein.»

Regierungspräsident Walter Schönholzer.

Regierungspräsident Walter Schönholzer.

Bild: Andrea Stalder

Die Stadt Weinfelden sei sehr engagiert, die kantonalen Bemühungen im Bereich Energie zu unterstützen und zu ergänzen. So gelte in Weinfelden seit 15 Jahren bei allen Gestaltungsplänen der Minergie-Standard, im neuen Energierichtplan schlage die Stadt gerade zu einem Paradigmenwechsel ein, da sie fossile Energieträger wie Gas künftig durch Fernwärmenetze und erneuerbare Energien ersetzen wolle.

«Auch das Förderreglement von Weinfelden ist vorbildlich. Hier wird nicht nur geredet, sondern es wird gehandelt.»

Engagements von Städten wie Weinfelden seien sehr wichtig, findet Walter Schönholzer. Denn die Ist-Situation im Energiemarkt in der Schweiz sei nicht sehr gut. «Unsere Gesellschaft ist noch viel zu stark von fossilen Energien aus dem Ausland abhängig.» Ein Wandel hin zu erneuerbaren Energien sei daher sehr wichtig – und er könne auch zu einem Technologieschub und neuen Arbeitsplätzen führen.

«Nachhaltige Energie kostet zwar etwas, aber nichts tun wird noch viel teurer.»
Die Solaranlage auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums ist mit über 20'000 Quadratmetern etwa so gross wie drei Fussballfelder.

Die Solaranlage auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums ist mit über 20'000 Quadratmetern etwa so gross wie drei Fussballfelder.

Bild: Mario Testa

Solarstrom von 50 Filialen

Lidl-Schweiz-CEO Torsten Friedrich betont anlässlich der Inbetriebnahme der neuen PV-Anlage auf dem Verteilzentrum: «Die Stadt Weinfelden und Lidl Schweiz wachsen. Wachsen ja, aber bitte nachhaltig. Das haben wir auch in unserer Unternehmensstruktur festgehalten.» Der Discounter hat bereits 50 seiner Filialen in der Schweiz mit Fotovoltaikanlagen bestückt, 2025 sollen es schon 100 sein. Dazu kommt nun auch jene auf dem Verteilzentrum.

«Wir produzieren mit dieser Anlage genug Energie für all unsere Anlagen hier in Weinfelden. Den Rest speisen wir ins Stromnetz ein.»
Torsten Friedrich, CEO Lidl Schweiz.

Torsten Friedrich, CEO Lidl Schweiz.

Bild: Andrea Stalder

Warum die Fotovoltaikanlage erst zehn Jahre nach dem Bau des Verteilzentrums realisiert wurde, beantwortet Friedrich folgendermassen: «Wir installieren solche Anlagen sukzessive überall auf unseren Gebäuden. Aber natürlich muss es auch wirtschaftlich sein. Das geht nicht immer gleich von Anfang an.» Deshalb sei auch der Platz auf dem Verteilzentrum noch nicht bis auf den letzten Quadratmeter ausgenützt. Ein wenig Erweiterungspotenzial gebe es also noch – auch auf dem Neubau nebenan.

Privates Engagement fliesst ins Energiestadt-Label ein

78 Prozent für Weinfelden

Das Energiestadt-Label Gold an die Stadt Weinfelden überreicht hat Christian Leuenberger. Er sagt, vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien sei Weinfelden sehr stark unterwegs. «Die Technischen Betriebe speisen zehn Prozent Biogas ins Gasnetz ein, das ist, schweizweit gesehen, Spitzenklasse. Dazu werden alle öffentlichen Gebäude bereits im Minergie-P-Standard gebaut und mit dem starken Förderprogramm und über 100 Energieberatungen ist sie sehr gut dabei», sagt der Energiestadt-Berater. Die 56 Massnahmen auf dem Energiestadt-Katalog erfülle Weinfelden zu 78 Prozent, deshalb gibt es nun das Gold-Label. Leuenberger hofft auch, dass Weinfelden so weitermacht, denn es gibt auch schon Städte wie Bern mit über 87 Prozent. In die Bewertungen fliessen zu zwei Dritteln die Anstrengungen der Stadt selbst und zu einem Drittel jene von Privaten und Firmen mit ein. (mte)

Aktuelle Nachrichten