Aushilfslehrer im Bischofszeller Sandbänkli

Schriftsteller Peter Stamm las anlässlich des Jubiläums von Literaria und Bibliothek aus seinem neuesten Buch.

Vroni Krucker
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«Ich kenne das Sandbänkli, da ich hier während meiner Studienzeit zwei Wochen lang als Aushilfslehrer gewirkt und gutes Geld verdient habe», sagte Peter Stamm zu den Besuchern seiner Lesung, die sich in der Aula von eben diesem Sandbänkli eingefunden haben.

Bereits 2005 hat er an der traditionellen «Dichterlesung» der Literaria teilgenommen, und nun konnte Frances Bischof den Thurgauer Autor erneut in Bischofszell begrüssen und den zahlreichen Gästen vorstellen.

Schreiben ist wie tagträumen

Als Sohn eines Buchhändlers wuchs Peter Stamm in Weinfelden auf. Die Matura legte er auf dem zweiten Bildungsweg ab. Der Abbruch des Psychologiestudiums war die bewusste Entscheidung, das Schreiben ins Zentrum seines Lebens zu stellen. Nach Aufenthalten in New York, Paris und Skandinavien liess sich der Schriftsteller 1990 in Winterthur nieder, wo er heute mit seiner Familie wohnt. Hier war er als Journalist für diverse Zeitungen tätig, unter anderen für den Nebelspalter. Sein erster Roman Agnes» erschien 1998.

«Für mich ist schreiben wie tagträumen, es macht mir einfach Freude»

sagte Peter Stamm. Für ihn ist es erfreulich, dass Menschen für seine Bücher Geld ausgeben. «In der Regel kann man nicht von der Schriftstellerei leben – ich kann es, das macht mich glücklich.»

Während einer Stunde las er aus seinem neuesten Buch «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» und nahm die Zuhörenden mit in seine Tagträume. Der Roman beginnt und endet in Weinfelden. Er begegnet einem jungen Paar. Man spricht miteinander, tauscht Gedanken aus, Erinnerungen und Gegenwart vermischen sich. Ihm zuzuhören war Genuss pur. Menschen und Gegenstände wurden vor dem geistigen Auge auf eine besondere Art lebendig.

Unerwartete Begegnung

Als Überraschung setzte sich eine ehemalige Studienkollegin zu ihm. Er freute sich über die unerwartete Begegnung, konnte sich aber nicht mehr in allem an jene Zeit erinnern. «Am Schreibtisch sitze ich meist am Morgen, wenn der Kopf noch leer ist. Die Ideen kommen, wenn ich mit offenen Sinnen durch die Welt gehe», sagte er. Und noch etwas verriet Stamm dem Publikum: «Das Ende eines Buches wird nicht geplant.»

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