Interview
Die Romanshorner wollen nichts mehr wissen von Stadtentwicklung: Die Stadt stellt trotzdem wieder einen Stadtplaner an

Es gehe nicht ohne, sagt Stadtpräsident Roger Martin. In der Vergangenheit seien Fehler gemacht worden, weil das nötige Know-how im Gemeindehaus gefehlt habe.

Interview: Markus Schoch
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Stadtpräsident Roger Martin ist überzeugt, dass die Stadt mit einer internen Lösung besser fährt als mit einer externen.. .

Stadtpräsident Roger Martin ist überzeugt, dass die Stadt mit einer internen Lösung besser fährt als mit einer externen.. .

(Bild: Reto Martin)

Die Romanshorner haben genug von der Stadtentwicklung. Der Stadtrat hat darum praktisch alle Projekte auf Eis gelegt. Jetzt stellt die Stadt am 1. März wieder einen Stadtplaner an. Warum?

Roger Martin: Wir sind jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr im Amt und immer wieder mit raumplanerischen Fragestellungen konfrontiert, beispielsweise im Zusammenhang mit einigen grösseren Bauprojekten oder bei der Entwicklung des Hafenareals. Wir könnten uns das nötige Fachwissen extern teuer einkaufen, haben uns aber für eine interne Lösung entschieden. Wir sind überzeugt, dass wir damit besser fahren.

Inwiefern?

In der Vergangenheit, und damit meine ich ausdrücklich nicht die letzten acht Jahre unter meinem Vorgänger, sind in Romanshorn immer wieder Gebäude abgerissen worden, die man besser stehen gelassen hätte. Damit hat die Stadt Charme und Substanz verloren. Diese Fehler wollen wir nicht wiederholen. Die Anstellung eines Stadtplaners ist eine gute Investition in eine bodenständige und nachhaltige Entwicklung von Romanshorn. Suboptimale Lösungen im Städtebau können einem teuer zu stehen kommen. Die Rechnung wird einem aber meist erst später präsentiert, wenn es schon viel zu spät ist.

Wird Ronnie Ambauen genau das Gleiche machen wie seine Vorgängerin Nina Stieger?

Im Prinzip schon. Wir wollen auf dem eingeschlagenen Weg weiter gehen, was bedeutet, in funktionalen Räumen zu denken. Es geht jetzt aber vermehrt auch darum, an konkreten Fragestellungen zu arbeiten, die Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen und schliesslich in die Realisierung von Projekten zu gehen. Im Bereich des Verkehrs etwa braucht es gute und saubere Lösungen, die tragfähig sind.

Der neue Stadtplaner wird nach einer Einarbeitungsphase ein 80 Prozent-Pensum haben. Das sind doppelt so viele Stellenprozente, wie sie Nina Stieger zuletzt hatte. Gibt es noch so viel zu tun in Romanshorn?

Gut die Hälfte seiner Arbeitszeit soll für die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau eingesetzt werden. Ich bin sicher, Ronnie Ambauen wird auch in Romanshorn selber nicht unterbeschäftigt sein, wenn ich an die diversen Gestaltungspläne oder die Entwicklung des Hafenareals denke.

Wie sieht es mit der Ortsplanungs-Revision aus?

Das ist ein sehr aufwendiges Projekt. Wir sind aber zuversichtlich, sie noch in diesem Jahr abzuschliessen. Es ist von den Vorgängern im Amt bereits sehr viel Vorarbeit geleistet worden.

Wofür braucht ihn die Regionalplanungsgruppe ?

Es gibt viele Aufgaben, die alle Städte und Gemeinden gleichermassen betreffen. Der Kanton verlangt von den Regionen beispielsweise eine regionale Raumentwicklung. Dies vor allem auch im Zusammenhang mit den geplanten Arbeitszonen, wo mehrere Tausend neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Ich habe den Vorsitz der entsprechenden Fachgruppe. So wird es möglich sein, Synergien zu nutzen. Die Details der Zusammenarbeit mit den übrigen Gemeinden im Oberthurgau beziehungsweise das Pflichtenheft sind aber noch nicht fixiert.

Wie viele Bewerbungen hatten Sie für den Job des Stadtplaners?

Rund zehn Stück. Wir haben uns auch für Ronnie Ambauen entschieden, weil er extrem gut ins Team passt. Er kann gut auf Menschen zugehen und ihre Bedürfnisse abholen. Seine Fähigkeiten decken sich optimal mit unserem Anforderungsprofil.