Aus der NHL-Bubble zum HC Thurgau? Woran der Wechsel von Chicagos Brandon Hagel nach Weinfelden noch scheitern könnte

Der HC Thurgau hat kurz vor dem Saisonstart das NHL-Talent Brandon Hagel an der Angel. Die Chicago Blackhawks wollen den 22-jährigen kanadischen Stürmer bis zum Saisonstart in Nordamerika gerne in der Swiss League parkieren. Doch noch gibt es Hürden.

Matthias Hafen
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Bester Torschütze der Rockford IceHogs: Brandon Hagel spielte im vergangenen Winter sehr erfolgreich in der AHL.

Bester Torschütze der Rockford IceHogs: Brandon Hagel spielte im vergangenen Winter sehr erfolgreich in der AHL.

Bild: Minas Panagiotakis/Getty

Spätestens seit Mittwochmorgen ist der HC Thurgau in der ganzen NHL bekannt. In einem Tweet vermeldeten die Chicago Blackhawks, der Stanley Cup Champion von 2015, dass sie ihr Talent Brandon Hagel an den Swiss-League-Klub aus Weinfelden ausleihen.

Für die Thurgauer ist das eigentlich eine frohe Botschaft. Damit wäre kurzfristig Ersatz für den verletzten Derek Hulak (Hirnerschütterung) gefunden – und was für einer! Hagel absolvierte in der vergangenen Saison zwar sein erstes und bisher einziges NHL-Spiel. Doch eine Liga tiefer war er für die Rockford IceHogs, Chicagos AHL-Farmteam, bester Torschütze, Most Valuable Player und Rookie of the Year. 2018/19 gelangen dem heute 22-jährigen kanadischen Stürmer in 70 Partien in der Western Hockey League 108 Skorerpunkte für Red Deer. Es verwundert deshalb nicht, dass Hagel in den vergangenen Wochen auch zur NHL-Bubble gehört hat, in der abgeschirmt von der Aussenwelt die Saison 2019/20 zu Ende gespielt wurde. Zu Spieleinsätzen ist der künftige Thurgauer dort jedoch nicht gekommen.

Versicherungskosten sind ein Knackpunkt

Der HC Thurgau hätte den Wechsel jedoch lieber erst kommuniziert, wenn alles geregelt gewesen wäre. Denn während sich der HCT und die Chicago Blackhawks über die Lohnkosten einig sind (gehen voll zu Lasten des NHL-Klubs), ist mit dem Spieler und dessen Agenten noch einiges zu klären. Etwa, wer die hohen Versicherungskosten Hagels übernimmt. Die Auslagen für Hagels Flug, Wohnung und Auto liessen sich grösstenteils mit den Versicherungsleistungen aus Derek Hulaks Verletzung kompensieren. Trotzdem wäre es möglich, dass der HC Thurgau am Ende abwinkt, wenn er zu viel Geld für den Spieler ausgeben müsste. Bei den Ostschweizern ist man jedoch zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird.

Trainer Stephan Mair betonte, dass man den Spieler nicht aktiv gesucht habe, sondern er von einer Trainer-Bekanntschaft bei den Blackhawks angeboten worden sei. Dies, weil NHL und AHL nicht vor dem 1.Dezember in die neue Saison starten und Chicago seinen jungen Spielern unbedingt Eiszeit geben will. Und Thurgaus Sportchef Gody Kellenberger fügt an:

«Hagel kommt eigentlich gratis zu uns.»

Die ersten Saisonspiele in der Swiss League wird das NHL-Talent auf jeden Fall verpassen, weil im Moment noch die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für den Kanadier fehlen. Hat er die einmal, dürfte Hagel zirka drei Monate bei Thurgau bleiben, sofern ihn Chicago nicht zurückruft. Sollte in dieser Zeit Derek Hulak von seiner Verletzung zurückkehren, will der HC Thurgau die Lage neu beurteilen – vielleicht auch zusammen mit dem NLA-Partnerteam Rapperswil-Jona.