Aurelio Wettstein plant Bilderausstellung in Bischofszell

Vor seiner ersten Ausstellung in seinem Wohnort äussert sich der Kunstmaler zum Kunstbegriff.

Georg Stelzner
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Aurelio Wettstein vor dem Bild «Vamos», das den Betrachter ermuntern soll, sich vor Veränderungen nicht zu fürchten.

Aurelio Wettstein vor dem Bild «Vamos», das den Betrachter ermuntern soll, sich vor Veränderungen nicht zu fürchten.

Andrea Stalder

Wo fängt Kunst an und wo hört sie auf?Hat jemand die Kunst erfunden oder vielleicht nur deren Begriff? Solche und ähnliche Fragen treiben Aurelio Wettstein um.

Bevölkerung für Kunst sensibilisieren

Freimütig verrät er den Grund für sein Grübeln: «Alles, was ich über Kunst gelesen habe, gibt mir kein schlüssiges Bild über den Begriff und den Sinn.» Also habe er für sich eine eigene Interpretation geformt, basierend auf drei Fragen: Macht Kunst Sinn? Wo sind die Grenzen der Kunst? Gibt es gute und schlechte Kunst?

Dass Wettsteins Suche nach Antworten gerade jetzt an Intensität gewinnt, ist kein Zufall. Der Bischofszeller Kunstmaler fiebert seiner ersten Ausstellung in der Rosenstadt entgegen und deshalb ist es ihm ein besonderes Anliegen, die Bevölkerung für Kunst zu sensibilisieren.

Die Anziehungskraft der alten Bruggmühle

Die Anziehungskraft der alten Bruggmühle Wettstein mag keine Galerien. Schon immer suchte er für seine alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellungen spezielle Orte.

Für die Premiere in Bischofszell ist er am Ufer der Sitter fündig geworden: Das alte, industriegeschichtlich interessante Gebäude der Bruggmühle übt eine grosse Faszination auf ihn aus. Es befindet sich auf jenem Areal, auf dem ein neues Quartier entstehen soll.

Seine dortige Ausstellung mit dem Titel G.7+ («Gedanken eines 70-Jährigen plus») betrachtet Wettstein gewissermassen als Kunst-Startschuss. Er wolle zeigen, wie seine Kunst entsteht und was sie bewirkt – erlebbar werden solle sie an der Vernissage.

Möglichkeiten für eigene Interpretation

«Kunst ist für mich Ausdruck des Denkens der Kunstschaffenden», sagt Wettstein und beantwortet damit die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Kunst führe den Betrachter in andere Welten, in Gebiete, die noch niemals gedacht wurden. Kunst kennt nach Wettsteins Meinung auch keine Grenzen. Sie lasse dem Betrachter alle Möglichkeiten für eine eigene Interpretation.

Mit Skepsis begegnet Wettstein Leuten und Institutionen, die glauben, zwischen «guter» und «schlechter» Kunst unterscheiden zu können. Darin artikulierten sich nur ökonomische Zusammenhänge und die Wiedergabe des eigenen Denkens, ist er überzeugt.

Man könne zwar lernen, Kunst zu verstehen und zu interpretieren, räumt Wettstein ein, doch könne letztlich kein Kunstexperte den Betrachter davon abhalten, eine eigene Meinung zu haben.

Ausstellung in der Bruggmühle Bischofszell: 9. bis 16. Mai 2020.