Aufwind für Weinfelder Gegener des Thurkorrektur-Projekts

Der vorläufige Stopp für das Hochwasser-Schutzprojekt bietet Chancen für eine Neubeurteilung und Redimensionierung des Projekts. Dieser Meinung sind Bauern, deren Äcker im betroffenen Gebiet liegen.

Mario Testa
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Hans Eschenmoser, Jörg Bornhauser und Jörg Rechsteiner freuen sich über den Marschhalt beim Thurkorrektur-Projekt. (Bild: Mario Testa)

Hans Eschenmoser, Jörg Bornhauser und Jörg Rechsteiner freuen sich über den Marschhalt beim Thurkorrektur-Projekt. (Bild: Mario Testa)

«Dieser Entscheid ist erfreulich. Er gibt uns Zeit und neue Möglichkeiten, zu intervenieren», sagt Jörg Bornhauser. Der Bauer vom Erlenhof ist einer jener 14 Personen, die Einsprache gegen das Hochwasserschutzprojekt Weinfelden-Bürglen erhoben haben und nun vom Verwaltungsgericht Rückenwind erhalten, wie unsere Zeitung gestern berichtete. Das Gericht hat die Einsprachen gut geheissen und verlangt, dass die betroffenen Gemeinden zuerst den Gewässerraum verbindlich festlegen, bevor das Projekt weitergeführt werden kann.

«Wir sind uns auch bewusst, dass das Projekt trotz des Gerichtsentscheids nicht gestorben ist. Aber zumindest verzögern wird es die ganze Sache sicher.»

Nebst Bornhauser gehört auch Hans Eschenmoser zu den Einsprechern. Nicht als Gemeinderat – die Weinfelder Exekutive unterstützt das Hochwasserschutzprojekt – aber als Privatmann und betroffener Bauer ist er gegen die geplanten Massnahmen.

«Mit dem vorgelegten Projekt gingen fast 20 Hektaren bestes Ackerland verloren und würden in Ökoflächen umgewandelt. Dafür ist das flache, bestens bewirtschaftbare Land hinter dem Damm einfach viel zu wertvoll», sagt Eschenmoser. Das Opfer sei für die Landwirtschaft einfach zu hoch.

«Wir haben ja einen Damm, der sorgt für den Hochwasserschutz – alles andere in diesem Projekt ist Ökologie.»

Die möglichen Schäden von 370 Millionen Franken für Weinfelden bei einem Jahrhunderthochwasser bezeichnet Eschenmoser als Angstmacherei. «Mich regt das auf, dass man mit der Angst der Leute spielt – und wir Bauern, die uns dagegen wehren, stehen als Deppen da, denen die eigene Scholle wichtiger ist, als der Hochwasserschutz.»

Teures Projekt ist erst der Anfang

Jörg Rechsteiner, Koordinater bei der IG Thur, die sich gegen das geplanten Megaprojekt engagiert, kritisiert vor allem dessen Kosten. «Da will man 30 Millionen ausgeben für eine Strecke von gerade mal drei Kilometern. Und das ist ja nur eine Etappe, Thuraufwärts und -abwärts sollen später weitere Projekte noch folgen», sagt er.

Mit der IG Thur habe man eine Alternative ausgearbeitet, die für einen Bruchteil der Kosten ebenfalls eine deutliche Aufwertung der Ökologie bringe und mit der gleichzeitigen Sanierung des Damms, gut vor Hochwassern der Thur Schutz bieten könne. «Das grosse Problem für Weinfelden bei Starkregen ist nicht die Thur, sondern es sind Oberflächengewässer und Bäche am Ottenberg – und auf die geht das Projekt gar nicht ein.»

Forderung nach erneuten Gesprächen

Alle drei Bauern wünschen sich, dass das Verwaltungsgerichtsurteil dazu führt, dass nochmals alle Betroffenen zusammensitzen und das Projekt überdenken: Kanton, Gemeinden und Grundeigentümer sowie Vertreter der Bauern, des Naturschutzes und der Sportfischer. «Das jetzige Projekt ist übertriebener Gehorsam des Kantons gegenüber dem Bund, ein Diktat. Dabei müsste man einen Konsens finden», sagt Jörg Bornhauser.

Wichtig ist ihm wie auch Hans Eschenmoser vor allem, dass nicht das ganze Landwirtschafsland zwischen Damm und Thur, der sogenannte Exerzierplatz, dem Projekt geopfert wird. «Sonst landet all der gute Humus zum Schluss über den Rhein in Holland und den Bauern hier bleibt nichts», sagt Eschenmoser.

Podium der IG Thur

Am Mittwoch, 20. Februar, findet im «Thurgauerhof»-Saal ein Podiumsgespräch zu den Themen Thur, Hochwasserschutz, Kosten und Renaturierung statt. Die Veranstalter der IG Thur haben dazu Vertreter des Kantons und der Gemeinden sowie der Bauern, Naturschützer und Fischer eingeladen. Der öffentliche Anlass beginnt um 19 Uhr. (mte) 

REGION: Hoher Preis für wenig Schutz

Die geplante Thurkorrektur zwischen Bürglen und Weinfelden stösst auf Kritik. Landwirtschaftsvertreter befürchten einen Kulturlandverlust, und sie wehren sich gegen die hohen Kosten. Zudem fordern sie ein gemeinsames Vorgehen aller beteiligten Kantone.
Mario Testa