Auftritt von Regierungsrat Jakob Stark in der Kapelle von Heldswil

Beim traditionellen Bettagsanlass in der Kapelle hielt Jakob Stark eine aufschlussreiche Rede. Der Thurgauer Regierungsrat aus Buhwil ging auf die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettages ein.

Monika Wick
Drucken
Teilen
Regierungsrat Jakob Stark hält in der Kapelle von Heldswil eine Rede. (Bild: Monka Wick)

Regierungsrat Jakob Stark hält in der Kapelle von Heldswil eine Rede. (Bild: Monka Wick)

«Sowohl auf den vorangehenden Vorbereitungssonntag, als auch auf den Festtag selbst, sind alle öffentlichen Lustbarkeiten, alles Fahren und Reiten von Einheimischen, ohne dringliche Not, und sonst alle mit anstössigen Geräuschen verbundenen Handlungen, so wie das Öffnen der Kramladen, ernstlich untersagt», sagte Jakob Stark.

Bettagsanlass hat bereits Tradition

Der Satz, den der Regierungsrat zitierte, stammt aus einem Dekret, das der Kleine Rat am 16. September 1832 erlassen hatte. Glücklicherweise hat die Verfügung 146 Jahre später an Bedeutung verloren. Ansonsten wäre der Anlass «Musik und Worte zum Bettag», zu dem die Gruppe «kultur.religion kapelle heldswil» am Sonntagabend zum zehnten Mal eingeladen hatte, nicht derart gut besucht gewesen.

In seiner Rede thematisierte Stark die Entstehung des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettages. «Die Wurzeln dieses Tages reichen bis ins späte Mittelalter zurück. Damals ordneten die weltlichen Obrigkeiten in Krisen- und Notsituationen kirchliche Feiern mit Busspredigten an», erklärte er. «Durch Reue, Besserung des Lebenswandels und inständiges Gebet sollte Gott dazu gebracht werden, seinen Zorn vom Volke abzuwenden», fügte Stark hinzu.

Ohne Kompromiss kein Fortschritt

Zu Beginn der Reformation wurden die Busstage in den reformierten Kantonen abgeschafft, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, vor allem wegen der Pest, aber wieder eingeführt. Auf katholischer Seite entstand erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Bedürfnis nach einer landesweiten Koordination, was vor 222 Jahren zum ersten gemeinsamen Bettag führte.

Laut Stark hätten die reformierten Orte den Bettag lieber an einem Wochentag durchgeführt, um ihm mehr Beachtung zu schenken. Die katholischen Orte wünschten sich aus dem gleichen Grund einen Sonntag, worauf die Reformierten nachgaben. «Wenn niemand nachgibt, wenn niemand einen Kompromiss macht, dann gibt es auch keinen Fortschritt», betonte Stark.

Untermalt wurde der Anlass von Brigitte Stäheli (Geige) und Elisabeth Buchmann (E-Piano). Die Beiden spielten auf ihren Instrumenten Werke von Franz Schubert und Antonín Dvořák.