Aufruhr in Arbon: Mehr als 100 Personen machen eine Einsprache gegen die geplante 5G-Antenne

«Sunrise »will in Arbon die bereits bestehende Antenne an der Sonnenhügelstrasse auf die 5G-Technologie aufrüsten. Die Aufregung in der Bevölkerung ist gross. 

Sheila Eggmann
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Bei der Sonnenhügelstrasse steht bereits eine Antenne. Jetzt soll sie aufgerüstet werden. (Bild: Max Eichenberger)

Bei der Sonnenhügelstrasse steht bereits eine Antenne. Jetzt soll sie aufgerüstet werden. (Bild: Max Eichenberger)

So emotional war es bisher noch nirgends. In Arbon liegt das Baugesuch für eine 5G-Antenne auf. Es sorgte in den sozialen Medien  für reichlich Kommentare. Dabei ist es gar nicht die erste geplante Antenne mit der neuen Technologie. Im Thurgau gibt es bisher 33 bewilligte oder zumindest als bewilligungsfähig eingestufte 5G-Anlagen. Davon musste allerdings bei 27 gar keine Bewilligung eingeholt werden, da sie als Bagatelländerungen galten. Bei den Übrigen gab es kaum Aufruhr.

Über 100 Personen sind dagegen

In Arbon will nun auch «Sunrise Communications» die bereits bestehende Antenne bei der Sonnenhügelstrasse aufrüsten. Bis vorgestern konnte dagegen Einsprache gemacht werden. Was die Einwohner auch taten. «Ich habe viele kennengelernt, die eine Einsprache gemacht haben», sagt Diem Ly aus Arbon. Sie selbst habe in der direkten Umgebung der möglichen 5G-Antenne 110 Unterschriften gesammelt und der Stadt eingereicht. Thomas Steccanella, Mediensprecher der Stadt, bestätigt den Erhalt von Einsprachen. Wie viele es genau sind, könne er aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Ly rechnet ihrer Einsprache keine grossen Chancen ein. «Aber vielleicht können wir den Bau ein wenig verzögern», sagt sie. Innerhalb Arbon teilen nicht alle ihre Meinung zu 5G. In über 160 Kommentaren in der Facebookgruppe «Du bisch vo Arbon wenn...» wurde rege über das Thema diskutiert. Die Befürworter der Antenne schreiben:

«Sehe nur Vorteile, deshalb klares Ja!»

Ein Anderer ist sich sicher: «Wenn 5G nicht kommt, wird die Strahlenbelastung massiv steigen. Ich glaube, dass die 5G-Gegner hier kontraproduktiv arbeiten.» Ein Dritter schreibt: «So eine Panikmache deswegen ist ja lächerlich.»

Die Gegner wiederum argumentieren:

«Danach ist das Geheule gross - wenn man merkt, dass es doch nicht so gesund ist.»

Eine Person fragt in die Runde: «Reicht denn 4G nicht? Muss es immer mehr sein? Bis alles zerstört und tot ist?» Ein weiterer Nutzer zieht ein Fazit: «Man kann sich auflehnen, aber der Gegenwind ist gross — sie wollen das und wahrscheinlich machen sie es dann einfach.»

«Verstoss gegen übergeordnetes Recht»

Auch auf Kantonsebene ist die 5G-Technologie ein Thema. Die Thurgauer Regierung erhielt zwei kritische Anfragen aus dem Grossen Rat. Eine von Karin Bétrisey aus Kesswil (Grüne) und eine von Jürg Wiesli aus Dozwil (SVP). Beide wollten unter anderem den 5G-Ausbau per Vollzugsmoratorium stoppen. Dies, bis wissenschaftliche Studien bestätigen könnten, dass 5G Mensch und Tier zweifelsfrei kein Schaden zuführe.

Die Regierung lehnte die Forderungen ab. Ein Moratorium «würde eindeutig gegen übergeordnetes Recht verstossen.» Das hätten die Bundesämter für Umwelt und Kommunikation betont, nachdem in einzelnen Regionen ein Marschhalt gefordert wurde. Ausserdem teile der Regierungsrat die Einschätzung des Bundesrates, dass für die Digitalisierung der Gesellschaft und Wirtschaft leistungsfähige Mobilfunknetze nach dem 5G-Standard nötig seien.

Die fünfte Generation

5G ist der Name eines Standards für mobiles Internet und Mobiltelefonie. Ausgeschrieben steht der Begriff für die «fünfte Generation». 5G soll vor allem die Datenkommunikation stark beschleunigen. Die Einführung von 5G hat auch die Kontroverse um die gesundheitliche Gefahr durch Mobilfunkstrahlung wiederbelebt. Mit wissenschaftlichen Methoden kann derzeit weder eine Unschädlichkeit der 5G-Strahlung noch das Gegenteil bewiesen werden. (shi)