Dicke Luft in Güttingen: Anonymes Flugblatt prangert Gestank in der Gemeinde an

Ein anonymes Flugblatt sorgt für Unruhe. Einmal mehr geht es um Geruchsimmissionen, die von einigen wahrgenommen werden. Die Gemeinde sieht keinen Anlass zur Besorgnis.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Vorderseite des verteilten Flugblattes. (Bild: PD)

Die Vorderseite des verteilten Flugblattes. (Bild: PD)

Ein penetranter, synthetischer Geruch sei es. Er verursache bei einigen Anwohnern Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Augenreizungen. So steht es auf dem Flugblatt, das am Freitag im Dorf gestreut wurde – anonym. Der Flyer fordert die Einwohner von Güttingen dazu auf, Protokoll über Geruchswahrnehmungen zu führen.

Mit den gesammelten Informationen wollen die Verfasser «weitere Schritte bei der Gemeinde und dem Thurgauer Amt für Umwelt einleiten». Es wird auch auf eine Homepage verwiesen (www.­gesundeluft-guettingen.com).

Das Thema ist nicht neu. Bereits an der Gemeindeversammlung im Juni 2017 klagten Einwohner über Geruchsbelästigung. Man könne nachts die Fenster nicht offen haben, sonst müsse man husten, hiess es. Als möglicher Verursacher der Immissionen wurde damals die Firma Bruag ins Spiel gebracht. Sie produziert Cellon-Fassaden an der Bahnhofstrasse, mitten im Dorf.

Alle Messungen lagen innerhalb der Toleranz

Gemeindepräsident Urs Rutishauser betont, man habe das Thema ernst genommen. Die Immissionen des Unternehmens würden normalerweise alle drei Jahre kontrolliert. Wegen der Bedenken habe es im September und Oktober 2017 zwei ausserordentliche Messungen gegeben.

Das Resultat, über das man die Interessierten im November 2017 vor Ort informiert habe, sei eindeutig:

«Alles innerhalb der Toleranz. Nur in einem Punkt lag man ganz knapp drüber.»

Die Analyse habe klar aufgezeigt, dass «nichts Giftiges oder Gesundheitsgefährdendes» in die Luft gelange.

Die Rückseite des Flugblattes. Die Güttinger sollen aufschreiben, wann sie Gerüche wahrnehmen. (Bild: PD)

Die Rückseite des Flugblattes. Die Güttinger sollen aufschreiben, wann sie Gerüche wahrnehmen. (Bild: PD)

Klar sei die Situation mit dem Industriebetrieb im Dorfzentrum «unglücklich», meint der Gemeindepräsident. Nur sei die besagte Firma nun schon seit zehn Jahren an diesem Standort. Klagen gebe es allerdings erst seit zwei Jahren. Diese gehen also zeitlich einher mit dem Bezug von vier neuen Mehrfamilienhäusern hinter dem Bruag-Areal.

Der Kamin wurde um einen Meter erhöht

Der Geschäftsführer der Bruag, Markus Brühwiler, betont auf Anfrage, dass sein Unternehmen die Gesetze einhalte und zudem äusserst kooperativ sei. Man sei in ständigem Kontakt mit dem Amt für Umwelt. So habe man zum Beispiel bereits den Kamin um einen Meter erhöht, damit die Abluft besser gestreut werde.

Brühwiler erklärt, die letzten Messungen hätten ergeben, dass man bei einem Prozent der Produktion einen Grenzwert leicht überschreite.

«An diesem Problem arbeiten wir. Bis Sommer werden wir unseren Vorschlag zur Verbesserung beim Amt für Umwelt einreichen.»

Brühwiler legt Wert auf die Feststellung, dass es nicht erwiesen sei, dass die Immissionen von seinem Betrieb stammen. Selber habe er noch nie «öppis gschmöckt». Aber die Bruag AG werde nun für alles verantwortlich gemacht, wenn es irgendwo stinke. Zum Beispiel habe er zum Zeitpunkt des Lastwagenbrandes in Scherzingen letzten November zwei Telefonate erhalten. «Es ist schon schade, wenn sich gewisse Leute da reinsteigern», erklärt der Firmenchef abschliessend.

Das Amt für Umwelt hat Kontakt mit allen Parteien

Das kantonale Amt für Umwelt kennt den Fall in Güttingen. Man sei in Kontakt mit allen Parteien, sagt Martin Zeltner, Leiter der Abteilung Luftreinhaltung. Es hätten Messungen gemäss des Turnus der Luftreinhalteverordnung (LRV) sattgefunden. Aufgrund von Geruchsbeschwerden sei eine Messung vorgezogen worden, sagt er. Mehr kann er dazu nicht sagen, da es sich um einen laufenden Prozess handelt.

Allgemein besagt die LRV, dass Feuerungen alle zwei Jahre, sonstige industrielle Anlagen alle drei Jahre kontrolliert werden. Gehen Geruchsbeschwerden ein, eruiert das Amt für Umwelt die Quelle. Falls dies möglich ist, werden Messungen durchgeführt, um eine Übermässigkeit festzustellen.

Wird eine solche festgestellt, werden verschärfte Massnahmen angeordnet, da die vorsorglichen Emissionsbegrenzungen nicht genügen. Das Amt greift auf die «Empfehlung zur Beurteilung von Gerüchen» des Bundesamtes für Umwelt zurück. (ndo)

GÜTTINGEN: Den Einwohnern stinkt’s

An der Gemeindeversammlung beschwerten sich einige Stimmbürger über Geruchsemissionen der Firma Bruag. Sie klagten über Beschwerden der Atemwege.
Barbara Hettich