Auffrischung
Stadler-Rail-Lehrlinge digitalisieren historisches Rollmaterial

Der Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn erweitert seinen Fuhrpark mit dem überholten «Bodan-Passagierwagen». Dank einem grosszügigen Sponsoring kann der Wagen nun auch für Hitzetage tauglich gemacht werden.

Monika Wick
Merken
Drucken
Teilen
Vereinsmitglieder restaurieren den Bodan-Passagierwagen in ihrem Depot in Romanshorn.

Vereinsmitglieder restaurieren den Bodan-Passagierwagen in ihrem Depot in Romanshorn.

Bild: PD

Der Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn (VHMThB) freut sich über einen Neuzugang in seiner Sammlung. «Wir haben vor zwei Jahren von der Schweizerischen Südostbahn (SOB) zu einem symbolischen Preis den mittlerweile historischen Reisezugwagen Bodan übernehmen können», erklärt Andreas Kurmann, der dem Verein vor zwei Jahren beigetreten ist. «Der 1. Klasse-Reisezugwagen verfügt über grosse Panorama-Fenster», fügt der Bussnanger hinzu.

Andreas Kurmann.

Andreas Kurmann.

Bild: PD

Die Fenster lassen sich aber nicht öffnen und verwandeln den Passagierraum mangels einer Klimaanlage im Sommer in einen fahrenden Backofen, sodass historische Fahrten in Zeiten der Klimaerwärmung einem Saunagang gleichkämen. Eine professionelle Klimatisierung hätte die Kasse des Vereins gesprengt. «Deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir die Spezialfahrzeug-Abteilung der Stadler Bussnang AG für ein Sponsoring in Form eines Klima-Retrofits gewinnen konnten», sagt Andreas Kurmann, der das Projekt leitet.

Geschichte trifft auf Digitalisierung

Das Sponsoring beinhaltet die Ingenieurleistung sowie die benötigten Apparaturen. Zwei Lehrlinge der Stadler Rail wählten das Projekt zudem für ihre zur Lehrabschlussprüfung gehörenden individuellen praktischen Arbeit (IPA). Unter dem Motto «Historic meets digitalisation» digitalisieren die beiden in einem ersten Schritt die mechanischen und elektrischen Anlagen, um im Anschluss in gleicher Weise die Klimaanlage planen zu können, wie Kurmann erklärt:

«Es war uns ein besonderes Anliegen, dass die Arbeit von Lehrlingen übernommen wird. So erhalten sie einen Einblick in die damalige Handwerkskunst und können ihre Kompetenzen in Maschinenbau vertiefen.»

Im Projekt ist zudem ersichtlich, welche Fortschritte der Eisenbahnbau in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat. «Der ‹Bodan› ist einer der ersten Wagen, die bei Stadler unter der Geschäftsleitung von Peter Spuhler gebaut wurden.»

Asbestsanierung in Deutschland

Aktuell befindet sich der «Bodan» in Deutschland, wo eine professionelle Asbestsanierung durchgeführt werden muss. In den ersten zwei Mai-Wochen werden unter der Federführung von weiteren Lehrlingen der Stadler Rail die notwendigen Arbeiten ausgeführt.

Dank der neuen elektrischen Anschlüsse kann der VHMThB danach auch sein Gastro-Angebot ausbauen. Die Mitglieder des Vereins sind sehr stolz auf ihre Züge und hoffen, sie bald wieder präsentieren zu können. «Da wir kein öffentlicher Verkehrsbetrieb sind, mussten wir coronabedingt auf viele Fahrten verzichten, was ein grosses Loch in die Vereinskasse gerissen hat», sagt Kurmann. Sofern es die Corona-Auflagen es zulassen, kann der VHMThB der Bevölkerung pünktlich zum Start der Sommersaison am 25. April den überholten Personenwagen anbieten.

Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn

18 Jahre Einsatz für altes Rollmaterial

Im Januar 2003 gründeten vier Idealisten aus Weinfelden, Märstetten und Bussnang den Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn, kurz VHMThB. Ziel des Vereins war es, die historischen Fahrzeuge der ehemaligen Mittel-Thurgau-Bahn zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute verfügt der Verein über sechs Lokomotiven, etliche Personen- und Dienstwagen sowie Gepäckwagen, welche für spezielle Events oder gesellschaftliche Anlässe gebucht werden können.