Auf vier Rädern im Einsatz für das Wohl der Tiere

Sandra Wyss betreibt in Bürglen die wohl einzige mobile Tierarztpraxis im Kanton Thurgau. Zudem engagiert sie sich im Tierschutz und erklärt, wie sich Finder von zugelaufenen und aufgefundenen Tieren zu verhalten haben.

Monika Wick
Merken
Drucken
Teilen
Sandra Wyss mit ihren beiden Katzen Shelly und Ami.

Sandra Wyss mit ihren beiden Katzen Shelly und Ami.

Bild: Monika Wick

«Es gibt kein Gesetz, das verbietet, Futter vor die Tür zu stellen», sagt Sandra Wyss. «Wer sich aber dazu entschliesst, fremde Katzen zu füttern, übernimmt automatisch die Verantwortung für das Tier. Nur Futter rauszustellen, genügt nicht», stellt die Tierärztin, die in Bürglen wohl die einzige mobile Tierarztpraxis des Kantons betreibt, klar. Vor allem bei Katzen, die einen Besitzer haben, ruft Sandra Wyss dazu auf, das Füttern zu unterlassen.

«Das Weglocken von Katzen von ihrem Zuhause ist ganz klar verboten», erklärt sie. Katzenbesitzern, die bemerken, dass ihre Katze auswärts gefüttert wird, legt Sandra Wyss ans Herz, offen auf die Personen zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Das Füttern fremder Vierbeiner beinhaltet nicht nur die Gefahr einer Entfremdung.

«Sollte eine Katze durch eine Krankheit auf ein spezielles Futter angewiesen sein, könnte sich eine Fütterung lebensbedrohlich auswirken.»

Ihre mobile Tierarztpraxis hat Sandra Wyss vor rund zwei Jahren gegründet. «Sie rentiert noch nicht, aber ich mache es aus Berufung», sagt die 51-jährige, die nach ­ihrem Veterinärstudium über 20 Jahre in verschiedenen Gemischt- und Kleintierpraxen in den Kantonen Freiburg und Thurgau gearbeitet hat. Mit der Gründung ihrer eigenen Praxis wollte Sandra Wyss den Tieren und somit auch deren Besitzern eine möglichst stressfreie Behandlung im eigenen Refugium ermöglichen.

Tierschutz aus Leidenschaft

Neben ihrem Beruf engagiert sich Sandra Wyss, die selber drei Katzen und ein Pferd besitzt, im Tierschutz und kastriert beispielsweise streunende Katzen. Auch Katzenbesitzern legt die Tierärztin ans Herz, ihre Vierbeiner, vor allem diejenigen, die Freigang geniessen, kastrieren, chippen und impfen zu lassen. «Das vermeidet viel Leid. In der Schweiz sterben Tausende Katzen, weil sie nicht gewollt sind oder an Krankheiten wie Leukose, FIV oder Katzenseuche zugrunde gehen», gibt sie zu bedenken.

Ein Chip ist hilfreich bei der Suche nach entlaufenen Tieren. Findet eine Person in der Schweiz ein Tier, das sich niemandem im Umfeld zuweisen lässt, untersteht diese einer gesetzlichen Meldepflicht.

«Wer dies unterlässt, macht sich strafbar.»

Kantonale Meldestelle ist in erster Linie die Kantonspolizei. Zudem gibt es die Schweizerische Tiermeldezentrale, wo die Tiere registriert werden können. Laut Sandra Wyss ist der Finder bis zum Auffinden des Besitzers verpflichtet, sich angemessen um das Findeltier zu kümmern.

Mögliche Kosten für die Finder

Das bedeutet aber nicht, dass der Finder das Tier bei sich zu Hause aufnehmen muss, sondern lediglich, dass er für eine geeignete Unterkunft sorgen muss. Die Kosten für die Unterbringung und Versorgung des Tieres gehen zu Lasten des Eigentümers. Kann dieser nicht ermittelt werden, bleibt der Finder oder das Tierheim, dass das Findeltier aufgenommen hat, auf den Kosten sitzen. Trotzdem fordert Sandra Wyss die Menschen dazu auf, nicht wegzusehen und herrenlosen Tieren zu helfen. «Es gibt oftmals einen Weg, damit der Finder die Kosten nicht übernehmen muss», erklärt sie.

Sollte sich zwei Monate ab Fundmeldung kein Besitzer melden, kann der Finder, sofern er das denn möchte, Besitzansprüche anmelden.
«Die Meldepflicht besteht auch für tote Tiere», erklärt Sandra Wyss. Sie empfiehlt danach, das erlegene Tier zu fotografieren und bei einer Kadaversammelstelle zu platzieren. In der Regel verfügen diese über spezielle Ablagestellen für unidentifizierte Haustiere.

Meldepflicht

Die Tiermeldezentrale organisiert die Suche

Für aufgefundene oder zugelaufene Tiere, deren Besitzer nicht ausfindig gemacht werden können, besteht laut Zivilgesetzgebung eine Meldepflicht. Meldungen nehmen die Kantonspolizei Thurgau unter Tel. 058 345 28 28 oder die Schweizerische Tiermeldezentrale unter www.stmz.ch entgegen. Die Meldepflicht besteht sowohl für lebende als auch für tote Tiere.