Auf Heroin zugeschlagen: Ein Beschuldigter ist nicht vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen erschienen

Ein 35-Jähriger hätte sich am Dienstag wegen 25 Delikten vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen verantworten sollen. Er kam nicht.

Rahel Haag
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Das Bezirksgericht Kreuzlingen. (Bild: Donato Caspari)

Das Bezirksgericht Kreuzlingen. (Bild: Donato Caspari)

Es ist 8.15 Uhr, Beginn der Verhandlung. Eigentlich. Doch der Beschuldigte ist noch nicht eingetroffen. Die Anwesenden müssen warten. «Der kommt bestimmt nicht mehr», sagt eine Privatklägerin mehr zu sich selber. Sie wird recht behalten.

Dem 35-jährigen Angeklagten werden 25 Delikte zur Last gelegt, die er zwischen Juli 2016 und Juni 2018 begangen haben soll. Unter anderem mehrfaches Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, eventual vorsätzliche versuchte schwere Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte.

Mitarbeiterin der Sozialen Dienste stellt Kontakt her

Nach der obligaten Respektzeit, die dem Mann eingeräumt worden war, äussert sich dessen Verteidiger im Gerichtssaal zur Abwesenheit. Er habe vergangene Woche versucht, mit seinem Mandanten Kontakt aufzunehmen. Eine aktuelle Telefonnummer habe er nicht gehabt.

So habe er mit einer Mitarbeiterin der Sozialen Dienste am Wohnort seines Mandanten gesprochen, die mit ihm in Kontakt stehe. «Sie hat mich informiert, als mein Mandant bei ihr war», sagt der Verteidiger. Auf diese Weise sei es zu einem kurzen Treffen gekommen.

«Er hat keinen guten Eindruck gemacht.»

Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte in der Vergangenheit, unter anderem gemeinsam mit seiner damaligen Freundin, Heroin konsumiert haben soll. Im Juli 2017 soll es im Rausch zu einem Streit zwischen den beiden gekommen sein, in dessen Folge der Angeklagte seine Freundin mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll.

Eine aktuelle Behandlung hat der Angeklagte laut Aussage seines Verteidigers abgebrochen. Dieser sagt:

«Seither leidet er – gemäss eigenen Angaben – unter Entzugserscheinungen wie epileptischen Anfällen.»

Dreimal sass der Beschuldigte bereits für insgesamt zehn Tage in Untersuchungshaft. Dies war auch im Juni 2017 der Fall. Damals sass er zwei Tage in einer Arrestzelle der Stadtpolizei Winterthur. In dieser Zeit soll er einen Polizisten zuerst mit einer nassen Hose, die er zu einer Art Peitsche gedreht hatte, mehrfach gegen den Kopf geschlagen und mit den Worten «Hurensohn» und «Wichser» beschimpft haben.

Anschliessend soll er die Toilette in der Arrestzelle mit einer Wolldecke verstopft und, indem er mehrmals die Spülung betätigte, die Zelle überschwemmt haben.

Bezirksgericht hatte eine Verschiebung abgelehnt

Den Antrag des Verteidigers auf Verschiebung der Verhandlung vom Dienstag hatte das Bezirksgericht Kreuzlingen vorgängig abgelehnt. «Hierfür hätten medizinische Belege eingereicht werden müssen», sagt der Vorsitzende Richter. Er hält zudem fest, dass der Beschuldigte der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben sei.

«Ich gehe davon aus, dass ihm der Termin bekannt war und die Verhandlung für ihn gesundheitlich zumutbar gewesen wäre.»

Für die Vergehen des Angeklagten fordert die Staatsanwaltschaft eine zu vollziehende Freiheitsstrafe von 42 Monaten sowie eine Busse von 1600 Franken. Zudem soll er den insgesamt zwölf Privatklägern eine jeweils angemessene Entschädigung respektive Genugtuung ausrichten.

Das Bezirksgericht Kreuzlingen wird nun einen neuen Termin für die Verhandlung festlegen.

«Es wäre wertvoll, wenn der Angeklagte an dieser teilnehmen würde»

sagt der Vorsitzende Richter zum Verteidiger. Sollte der Angeklagte der Verhandlung erneut fernbleiben, käme es zu einer Verhandlung in Abwesenheit. Bis zum rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.