Auf einmal hatte die Thurgauerin einen Ausländerausweis

Petra Gruber aus Kreuzlingen hat der Schweiz den Rücken gekehrt. Der Liebe wegen ist sie nach Konstanz gezügelt. 

Nicole D'Orazio
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Die Schweizerin Petra Gruber wohnt in Konstanz. (Bild: Nicole D'Orazio)

Die Schweizerin Petra Gruber wohnt in Konstanz. (Bild: Nicole D'Orazio)

Sie hat schon an verschiedenen Orten im Thurgau gewohnt. Dass es sie eines Tages über die Grenze nach Konstanz verschlägt, hätte Petra Gruber allerdings nicht gedacht. «Nach sechs Jahren hin und her haben mein Freund Jürgen und ich Nägel mit Köpfen gemacht und sind zusammen gezogen», erzählt die 50-Jährige.

Kennengelernt hatten sie sich an der Fasnacht. Sie war nach dem grossen Umzug schon auf dem Heimweg, als er ihr begegnete. Eine Woche später hatten sie sich wieder getroffen. «Das war wie ein Blind Date.» Und es hat gepasst.

Da er das Haus seiner Mutter übernommen und saniert hatte und in Konstanz tief verwurzelt ist, sei es für ihren Partner nicht in Frage gekommen, die Stadt zu verlassen.

«Da ich diesbezüglich offen, und schon mehrfach gezügelt bin, habe ich den Schritt gewagt. Ich brauchte aber schon etwas Überwindung.»

Nun wohnt sie im Konstanzer Stadtteil Fürstenberg.

Vor dem Ausländeramt fühlte sie sich komisch

In Erinnerung bleiben wird Petra Gruber die Anmeldung auf dem Bürgerbüro in Konstanz. «Vor dem Ausländeramt bin ich im Flur zusammen mit Syrern und anderen Flüchtlingen gesessen und musste warten. Die Deutschen, die vorbei gegangen sind, haben uns recht mürrisch angeschaut. Ich fühlte mich beobachtet und unwillkommen.» Sie habe nun einen Ausländerausweis und einen deutschen Führerschein. «Irgendwie habe ich mich noch nicht so richtig daran gewöhnt.»

Sie hätte auch unterschreiben müssen, dass sie die deutschen Gesetze verstanden habe und musste ihre Finanzen offenlegen. Wenn Schweizer nach Deutschland ziehen, brauchen sie zwar keinen gültigen Arbeits-, jedoch einen Mietvertrag. «Ich bin ein Fan des schweizerischen Rechtssystems», erzählt die frühere Gemeindeschreiberin. «In Deutschland muss ich mich erst an alles gewöhnen.» Beim ÖV fehle ihr zum Beispiel noch der Durchblick, wie das Ticketsystem funktioniere.

Bereut hat sie den Schritt über die Grenze indes nicht. Auch wenn ihre Familie und Freunde etwas entsetzt waren. «Es gefällt mir sehr gut. Konstanz ist wunderschön», schwärmt sie. Man sei schnell am See oder im Grünen, und abends sei immer was los und man könne spontan etwas unternehmen.

«Es kommt aber schon vor, dass ich als Schweizerin komisch angeschaut oder sogar angefeindet werde, wenn ich mit Jürgen in Lokale gehe, in denen nur Einheimische verkehren.»

Aber darüber sehe sie hinweg. Die Schweizer seien da ja oft nicht anders. Und ganz aufgeben muss sie ihre Heimat aber nicht. Petra Gruber hat ihr Treuhand-Büro in Kreuzlingen und ist somit täglich in der Schweiz. «Die Grenze nehme ich eigentlich gar nicht mehr wahr. Die beiden Städte gehören irgendwie zusammen, auch wenn sie gegensätzlich sind.»