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Auf dem Weg nach Tokio (5): Stefan Bissegger – die Bahnrad-WM in Berlin war hoffentlich nur ein Etappenziel

Vor den Olympischen Spielen in Tokio berichten Ostschweizer Spitzensportlerinnen und Spitzensportler für tagblatt.ch regelmässig über ihre Vorbereitungen für den Grossanlass im Sommer. Der 21-jährige Thurgauer Radprofi Stefan Bissegger ist Stammfahrer im erfolgreichen Schweizer Bahnvierer.

Daniel Good
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Stefan Bissegger (links) an der Spitze des Schweizer Bahnnationalmannschaft.

Stefan Bissegger (links) an der Spitze des Schweizer Bahnnationalmannschaft.

Keystone

An der Bahnrad-WM haben wir mit dem Vierer endlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft. Die Erleichterung war gross. Aber ich hatte eigentlich keine Zweifel. Jedes Rennen muss zuerst jedoch gefahren werden. Passieren kann immer etwas – wir sind mit unseren Velos mit Tempi von über 70 Stundenkilometern unterwegs.

Nichts zu feiern

Aber zu feiern gab es nichts für uns. Wir wurden in Berlin zwar Sechste, aber wir hatten uns mehr vorgestellt. Wir gewannen in dieser Saison immerhin ein Weltcup-Rennen in einer Weltklassezeit von unter 3:50 Minuten. Es fehlte uns überall ein bisschen. Wir hatten Mühe mit der Technik, nicht jeder war an der WM zu 100 Prozent fit. Das summiert sich in der Endabrechnung.

Die Erwartungen in der Öffentlichkeit waren natürlich höher. Der Bahnvierer war stärker ein Thema als sonst. Aber es zeigte sich einmal mehr, dass WM und Weltcup zwei verschiedene paar Schuhe sind. An einer WM sind alle auf ihrem besten Niveau – ausser wir Schweizer in der vergangenen Woche.

Pflicht erfüllt, Kür in Tokio

Aber immerhin haben wir die Pflicht erfüllt, die Kür soll noch folgen. So gesehen, war Berlin hoffentlich bloss ein Etappenziel auf dem Weg nach Tokio. Auch die Zeit ist an der WM bescheiden ausgefallen. Es gilt nun, im Hinblick auf die Olympischen Spiele unsere Fahrten zu analysieren und die Defizite auszumerzen.

Vielleicht war es sogar gut, dass wir in Berlin nicht das erhoffte Spitzenresultat erbrachten. Aus Fehlern lernt man, sagt man doch so schön. Zwischen Platz drei und acht ist für uns an den Olympischen Spielen alles offen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir in der Lage sind, in Tokio aufs Podest zu fahren. Dann können wir feiern.

Betroffen von einer Teamauflösung

Die Bahnsaison ist zu Ende. Nun geht es auf die Strassen. Es heisst jetzt wieder: Trainieren, trainieren, trainieren. In drei Wochen steht für mich schon wieder das erste Strassenrennen auf dem Programm.

Eigentlich stand ich für die erste Saisonhälfte bei Monti unter Vertrag. Aber das Nachwuchsteam des erfolgreichen Elite-Rennstalls Deceuninck-Quick-Step wurde aufgelöst. Deshalb bin ich auf der Strasse mit der Schweizer Nationalmannschaft unterwegs.

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