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Auf dem Weg nach Tokio (2): Stefan Bissegger - mit mehr als 70 Stundenkilometern in den Velo-Olymp

Vor den Olympischen Spielen in Tokio berichten Ostschweizer Spitzensportlerinnen und Spitzensportler für tagblatt.ch regelmässig über ihre Vorbereitungen für den Grossanlass im Sommer. Der 21-jährige Thurgauer Radprofi Stefan Bissegger ist Stammfahrer im erfolgreichen Schweizer Bahnvierer.

Daniel Good
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Stefan Bissegger ist auch auf der Strasse erfolgreich: An der U23-WM in Nordengland gewann er Ende September die Silbermedaille.

Stefan Bissegger ist auch auf der Strasse erfolgreich: An der U23-WM in Nordengland gewann er Ende September die Silbermedaille.

Manu Fernandez, AP


Ich habe auf dem Velo ein nahezu perfektes Jahr mit einer WM-Medaille und einem Weltcupsieg hinter mir. Das ist schön, aber davon kann ich mir nichts kaufen. Für mich als Spitzenathlet zählen nur die Gegenwart und die Zukunft.

Wieder ein Jahr mit vielen Herausforderungen

Nach einer harten Saison gönnte ich mir zehn Tage Pause. Aber schon am
23. Dezember begann das Training wieder. Ich verbrachte während der Weihnachtstage viele Stunden auf dem Velo. Nicht zu schnell, denn zunächst geht es darum, sich die notwendigen Grundlagen für 2020 anzueignen. Denn es wartet wieder ein Jahr mit vielen Herausforderungen auf mich.

Der Bahnvierer ist noch nicht qualifiziert für die Olympischen Spiele in Tokio. Wir sind aber auf einem sehr guten Weg. Ende Februar wollen wir an der WM in Berlin den Sack zumachen.

Wer sich qualifiziert, hat Medaillenchancen

Bloss acht Teams sind in der Mannschaftsverfolgung über vier Kilometer in Tokio startberechtigt. Das macht es schwierig, die Selektion zu schaffen. Aber wer dieses Zwischenziel erreicht, hat wohl auch reelle Medaillenchancen. Deshalb bin ich umso motivierter.

Nach und nach steigerte ich die Trainingsintensität. Ich war an diesem Montag schon in der spanischen Sonne in Calpe, wo jedes Jahr viele Profimannschaften unterwegs sind. Morgen machen wir uns mit der Bahnnationalmannschaft nach Mallorca auf, um weiter zu trainieren. Mit der «Mallorca Challenge» kommt es auch zum ersten Strassenrennen, das über vier Tage führt.

Der Schweizer Rekord hätte 2016 zum Olympiasieg gereicht

Mit dem Bahnvierer sind wir nach der Beschleunigungsphase mit jeweils rund 70 Stundenkilometern unterwegs. Im Dezember fuhren wir Schweizer im Weltcup zum ersten Mal unter 3:50 Minuten. Das hätte 2016 zum Olympiasieg gereicht. Jetzt sind wir noch nicht einmal qualifiziert! Es gab einen grossen Leistungssprung in den vergangenen Jahren.

Auch in der Einzelverfolgung. Bis 2008 war diese Disziplin olympisch. Damals siegte Bradley Wiggins, der 2012 auch die Tour de France gewann. Ich war in der Einzelverfolgung über drei Kilometer 2016 Junioren-Weltmeister. Im Final stellte ich einen Weltrekord auf. Aber wie gesagt: Das alles zählt jetzt nichts mehr.