«Auf dem Buckel der Mieter»: Weshalb der Streit um ein Haus ohne Fassade in Romanshorn nach einem Brand jetzt eskaliert

Dreissig Feuerwehrleute im Einsatz, mehrere zehntausend Franken Schaden: Das ist die Bilanz eines Brandes in Romanshorn. Das Feuer brach bei einer Liegenschaft aus, um die seit Monaten ein Streit tobt. Jetzt, nach dem Brand, verschärft der Projektverantwortliche seine Kritik am Romanshorner Stadtrat.

Tanja von Arx
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Ein Teil des Gebäudes ist nach dem unschönen Vorkommnis abgesperrt.

Ein Teil des Gebäudes ist nach dem unschönen Vorkommnis abgesperrt.

Reto Martin

«Wir sind knapp an der Katastrophe vorbei», sagt Marc Pfister, Projektverantwortlicher der Raiffeisen Pensionskasse Genossenschaft. Und zwar in Zusammenhang mit dem Brand am Wohn- und Geschäftshaus an der Mittleren Gasse in Romanshorn: In der Nacht auf Sonntag geriet die Fassade im Erdgeschoss in Brand, rund dreissig Feuerwehrleute mussten ausrücken, um ihn zu löschen. Die Kantonspolizei Thurgau ermittelt und geht derweil von einem Sachschaden in Höhe von mehreren zehntausend Franken aus. Der Verdacht: Brandstiftung.

So zeigt die Kantonspolizei Thurgau den Brand.

So zeigt die Kantonspolizei Thurgau den Brand.

Kapo TG

«Da lief es einem schon eiskalt den Rücken hinunter», sagt Pfister. Denn: Alle Wohnungen seien bezogen, alle Gewerbeflächen vermietet. «Die Verwaltung war kurz danach vor Ort, auch Versicherung, Beamte, Behörden.» Betroffen seien die Nasszellen des Migrolino. «Ein älterer Bewohner ist mit dem Schrecken davongekommen.»

Man wollte Vandalismus verhindern

Eigentlich hätte es gar nicht zu so einem Brand kommen sollen. Allerdings: An der Gebäudefassade fehlt, wie auch am benachbarten Haus, die Aussenverkleidung. Dies vor dem Hintergrund eines mittlerweile längeren Disputs zwischen Stadt und Raiffeisen. Bis zum 31. März lag zwar eine ergänzende, provisorische Baubewilligung vor, die immerhin eine Verkleidung des Sockelgeschosses vorsah. Pfister: «Um auch genau das zu verhindern: Sachbeschädigung und Vandalismus.» Der Raiffeisen-Projektverantwortliche verweist allerdings darauf, dass das Zeitfenster für eine Realisierung äusserst beschränkt gewesen sei.

Die Bewohner sind laut Pfister verunsichert. «Zu Recht.» Sie hätten das Gefühl, dass ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei. «Wir werden alles unternehmen zu ihrem Schutz. Wir haben bislang alles Mögliche getan.»

Philipp Gemperle, Stadtrat mit Ressort Ortsplanung und Baurecht.

Philipp Gemperle, Stadtrat mit Ressort Ortsplanung und Baurecht.

PD

Damit meint der Projektverantwortliche vor allem eines: endlich eine «Lösung in der Fassadensache» zu finden. «Leider mussten unsere Juristen mittlerweile mehrere Rekurse gegen die Stadt einleiten.» In Absprache mit seinem Anwalt will sich Pfister nicht zu den laufenden Verfahren äussern. Bei der Pensionskasse sei einem denn mehr als sauer aufgestossen, dass der zuständige Stadtrat Philipp Gemperle im Vorfeld öffentlich gesagt hatte, die Fassade wäre gemäss Gestaltungsplan nicht zulässig. «Das zeigt, dass der Stadtrat in der Angelegenheit nicht objektiv war.» Und:

«Was uns als Pensionskasse Raiffeisen stört, ist, dass dies alles auf dem Buckel unserer Mieter ausgetragen werden muss.»

Pfister resümiert: «Die Sache ist tragisch, die Haltung der Stadt nicht haltbar und nicht nachvollziehbar.» So etwas sei ihm in seiner ganzen Karriere noch nie passiert.

Die Stadt äussert sich nicht

Die Stadt möchte sich derweil nicht genauer zu den Vorkommnissen äussern. Der Kommunikationsverantwortliche Rolf Müller teilt auf Anfrage mit: «Da der Rekurs im Rahmen des laufenden Verfahrens beim kantonalen Departement für Bau und Umwelt hängig ist, sind keine Auskünfte möglich.» Und: «Bedauerlicherweise verunmöglicht die Pandemielage bis auf Weiteres auch einen Augenschein vor Ort, wie das in Rekursverfahren üblich ist.»