«Plan B»: Zehn Kunstschaffende ergänzen die Werkschau Thurgau der kantonalen Kulturstiftung mit einer eigenen Ausstellung in Romanshorn

In der Überbauung Witenzelg sind digitale Lichtmalereien, Holzskulpturen, gravourartige Illustrationen und Bilder zu sehen.

Dieter Langhart
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Thomas Stadler, Markus Reich und Thomas Reck (v.l.) in der Ausstellung «Plan B».(Bild: Dieter Langhart)

Thomas Stadler, Markus Reich und Thomas Reck (v.l.) in der Ausstellung «Plan B».(Bild: Dieter Langhart)

Was tun Künstler, die nicht in die Ränge für die Werkschau Thurgau gekommen sind oder die sich gar nicht erst beworben haben? Sie machen nicht die Faust im Sack, sondern sie holen ihre Kunstwerke aus dem Sack und hängen und stellen sie als «Plan B» in leeren Räumen auf. Nicht als Protest – als Ergänzung zur Werkschau, die die Thurgauer Kulturstiftung alle drei Jahre durchführt.

Deren Beauftragte Gioia Dal Molin findet «Plan B» eine gute Sache, eine «tolle Initiative». Die Initianten nennen sie einen «inspirierenden Stop-Over zwischen den Ausstellungsorten Kunstraum Kreuzlingen und Kunsthalle Arbon».

Thomas Reck sagt: «Nicht A sagen, sondern B sagen.» Er ist einer der zehn Künstler, die bei «Plan B» mitmachen. Er hat auch den Flyer gestaltet und lässt einen venezianischen Gondoliere über den Romanshorner Hafen rudern statt über den überschwemmten Markusplatz. In der Ausstellung zeigt er Scanogramme – digitale Lichtmalerei als abstrahierende Verfremdung von dreidimensionalen Objekten.

Grosses Interesse

Der Romanshorner Thomas Reck hat mich mit dem Velo am Bahnhof abgeholt, und in der Witenzelg gesellen sich zwei Künstlerkollegen hinzu: Thomas Stadler aus Sommeri und Markus Reich. Im angeregten Gespräch loten wir Kunst und Markt, Absichten und Techniken aus. Reich hatte die Idee zur Ausstellung «Plan B» und fand rasch neun weitere Kunstschaffende.

Die meisten der zehn Aussteller haben sich die Werkschau angesehen, die sich auf vier Standorte im Thurgau verteilt. Sie waren umso mehr erfreut, dass rund hundert Besucher zur Eröffnung von «Plan B» gekommen sind – und dass es an jedem Ausstellungstag durchschnittlich an die fünfzig sind. «Gespräche sind willkommen», sagen die drei stellvertretend für die zehn (siehe Kasten), die sich in die Präsenzzeiten teilen, die Auskunft geben und den Dialog mit Kunstinteressierten suchen.

Holzskulpturen als roter Faden durch «Plan B»

Vier Räume und deren Wände bespielen sie. Thomas Stadler ist der einzige, der in allen vertreten ist – denn seine Kunst steht auf dem Boden: Skulpturen aus Eiche, Kirsche, Ulme und aus der Zeder, die er erst vor einem Jahr für sich entdeckt hat – als gefälltes Holz in einem Garten in Romanshorn. «Zedernholz ist schwierig zu bearbeiten, weil es sehr viel Harz enthält und die Werkzeuge verklebt», sagt der Bildhauer, der vor vierzig Jahren in Linz seinen Magister gemacht hat. Er kippt eine der Skulpturen – und flugs erhält sie eine völlig andere Gestalt und Wirkung. «Mir ist der Leerraum wichtig – ihn modelliere ich gewissermassen», sagt Stadler. Und fügt hinzu:

«Zweifel und Unsicherheit sind stets präsent.»

Markus Reich beschränkt sich auf drei zart komponierte Exponate. Zwei wirken wie winzige Spielplätze: Kleinszenerien mit Flechtenstücken, die er aus der Dachrinne geklaubt hat. Mit den kleinen Welt-Wegweisern setzt er sich mit der Umwelt auseinander und ehrt den Botaniker William Nylander, der im 19. Jahrhundert als einer der ersten erkannte, wie sensibel Flechten auf die Luftqualität reagieren.

Zehn Temperamente ­ergänzen einander

Das Trio führt mich weiter zur abstrakten Malerei von Bernhard Schiesser (Bischofszell) und Stefan Rutishauser (Frauenfeld). Beide erweisen Italien ihre Reverenz und haben dennoch einen andern Atem. Konkreter, aber ebenso in sich ruhend sind die «Spiegelbilder» von Mark J. Huber (Frauenfeld). Poetischer und ungerahmt gibt sich die kleinformatige Serie «Macchia» der Romanshornerin Catherine Zundel – ein grossformatiges Hauptbild hält alles zusammen.

Dem Menschen widmen sich Martin Bührer (Märwil) mit mehrteiligen gravourartigen Illustrationen auf dunklem Grund und Giancarlo Bolzan (Kreuzlingen) mit «Wut», «Amok» oder «Gewalt». Fazit? Zehn verschiedene Temperamente bilden «Plan B», die Schau lohnt sich.

Wer, wo wann?

Zehn Thurgauer Kunstpositionen in vier Räumen der Überbauung Witenzelg in Romanshorn: Giancarlo Bolzan, Martin Bührer, Mark J. Huber, Thomas Reck, Markus Reich, Stefan Rutishauser, Bernhard Schiesser, Thomas Stadler, Eva Stucki, Catherine Zundel. (dl) Hinweis Sa/So 16./17./23./24.11., 14–17 Uhr oder nach Vereinbarung über 043 433 05 40, kunstdienstag@bluewin.ch. Reckholdernstr. 13. plan-be.info