Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HCT-Verteidiger Seiler kaut Bienen

Wenn am Mittwoch um 19.45 Uhr der HC Thurgau zum zweiten Playoff-Tanz in der Ajoie aufgefordert wird, setzt es für Simon Seiler blaue Flecken ab. Der 22-jährige Verteidiger wirft sich in die Schüsse wie Chuck Norris.
Matthias Hafen
Simon Seiler steht bis mindestens 2020 beim HC Thurgau unter Vertrag. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 26. Oktober 2018)

Simon Seiler steht bis mindestens 2020 beim HC Thurgau unter Vertrag. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 26. Oktober 2018)

Er benutzt Tabasco als Augentropfen und er rasiert sich nicht, sondern schärft seine Klinge am Bart. Die Sprüche über Schauspieler Chuck Norris sind legendär. Es gibt keinen tafferen Typen als den Actionhelden, Kampfkünstler und Filmgegner von Bruce Lee aus den 70er- und 80er-Jahren. Manchmal, da bekommt man im Playoff-Viertelfinal zwischen dem HC Thurgau und dem HC Ajoie das Gefühl, eben dieser Chuck Norris stehe beim HCT mit der Nummer 5 auf dem Eis. So furchtlos, wie sich der Spieler in die gegnerischen Schüsse wirft, kann es eigentlich nur Norris sein.

Doch der vermeintliche Actionheld vergangener Tage heisst Seiler, Simon Seiler. 22-jährig, mitten im Leben und aus Frauenfeld. Anders als Chuck Norris, kann der Verteidiger des HC Thurgau ein «Happy Meal» zwar nicht zum Weinen bringen. Doch wenn es darum geht, dem Gegner in die Augen zu schauen, dann nimmt es Seiler mit jedem auf.

Eine feste Grösse im Powerplay

1:1 steht es in der Playoff-Serie zwischen Ajoie und Thurgau. Dass die sechstplatzierten Ostschweizer im Best of 7 gegen den Qualifikationszweiten so gut mithalten können, ist auch ihrer sattelfesten Verteidigung zu verdanken. In dieser wuchs Seiler innert zwei Saisons zu einem Pfeiler heran, wurde so stark, dass er mittlerweile oft im Powerplay eingesetzt wird. Manche glauben schon, dass auch er Bienen kaut, wenn er Honig essen will.

Dabei musste Seiler nach seinem Wechsel von den GCK Lions zum HC Thurgau im Sommer 2017 zuerst das Siegen lernen. «Ich musste lernen, dass es wichtig ist, zu gewinnen», sagt Seiler. Im Farmteam der ZSC Lions habe man wenig darauf gegeben, ob die Mannschaft das Playoff erreicht oder nicht. «Und wenn man es nicht erreichte, konnte man bei den Elitejunioren Playoff spielen – kam dabei erst noch meistens bis in den Final.» Doch beim HC Thurgau wehte bezüglich der sportlichen Erwartungen ein anderer Wind. «Hier werden dir Fehler weniger verziehen. Damit musste ich als junger Spieler erst einmal fertig werden.»

Seiler hatte 2008 seinen Stammverein EHC Frauenfeld Richtung Pikes Oberthurgau verlassen und wechselte 2012 in die Organisation der ZSC Lions. «Natürlich hatte ich den Traum, in der Nationalliga A zu spielen», sagt der ehemalige Schüler der Nationalen Elitesportschule Thurgau (NET). Spätestens bei den Elitejunioren sei für ihn aber absehbar gewesen, dass ihm diesbezüglich Spieler wie Roger Karrer oder Phil Baltisberger, die heute bei den ZSC Lions spielen, vor der Sonne standen. So führte Seilers Weg zurück in den Thurgau. «Deswegen stecke ich den Kopf nicht in den Sand», sagt er. «Man kann auch in der Swiss League eine gute Karriere machen.» In seinem ersten Jahr beim HCT habe er jedoch erst mal unten durch müssen, sagt der junge Verteidiger. Doch es spricht für ihn, dass er die Chance nutzte, als sie kam.

Seiler hält den Kopf hin, wenn es nötig ist

Von den Coaches Stephan Mair und Beni Winkler mit immer mehr Vertrauen ausgestattet, entwickelte sich Seiler in dieser Saison zu einem der wichtigsten Defensivspieler des Teams. Er schmeisst sich nicht nur in die Schüsse, er hält auch in Zweikämpfen sein Gesicht hin, wenn es vonnöten ist. Im gewonnenen Playoff-Heimspiel gegen Ajoie musste Seiler in den Schlussminuten blutend auf der Spielerbank genäht werden.

Sein Motto ist simpel, aber nicht einfach. «Jeder Schuss, der nicht aufs Tor kommt, geht auch nicht rein», sagt Seiler. Doch er kann dem HCT auch mit anderen Fähigkeiten helfen. «Bezüglich meiner eigenen Schüsse habe ich noch Potenzial», sagt der Student der Rechtwissenschaft an der Fernuniversität Schweiz selbstkritisch. Allerdings machte er diesbezüglich ebenfalls Fortschritte. Und auch wenn Seiler noch Zahnseide benutzt und keine Velokette wie Chuck Norris: Beim besonnenen Frauenfelder ist wenigstens alles wahr.

Assistenzcoach Beni Winkler: «Wir müssen ihn manchmal bremsen»

Einen Grossteil seines Karrieresprungs verdankt Simon Seiler den beiden Trainern des HC Thurgau, wie der 22-jährige Verteidiger sagt. «Headcoach Stephan Mair ist sehr fordernd. Das spornt mich an», so Seiler. «Er kann auch laut und direkt sein.» Als junger Spieler sei der Umgang damit nicht immer einfach gewesen. «Aber du erhältst eine faire Chance bei ihm. Das schätze ich.» Viel gelernt habe er auch von Assistenzcoach Benjamin Winkler. «Seine Erfahrungen, die er als Verteidiger gemacht hat, sind sehr wertvoll für mich», sagt Seiler.

Winkler gibt das Kompliment an seinen Spieler zurück. «Simon Seiler ist wohl das Beispiel mit der besten Entwicklung in unserer Mannschaft in dieser Saison», sagt der 42-Jährige. «Und das ist sehr positiv für uns.» Vergangene Saison, in seinem ersten Jahr beim HCT, habe sich Seiler noch für eine durchschnittliche Eiszeit von fünf bis zehn Minuten aufgedrängt. «In diesem Winter gehört er zu unseren Verteidigern, die regelmässig auf zwanzig Minuten pro Spiel kommen.»

Dass Simon Seiler viele Schüsse blockt, ist auch den Beobachtern auf der Trainerbank nicht entgangen. Seiler sei einer, den man eher bremsen müsse anstatt antreiben. «Manchmal sage ich zu ihm, dass er nicht in jeden Puck hechten muss», so Winkler. «Schliesslich haben wir auch noch einen Goalie zwischen den Pfosten.» Zudem erhöhten gefährlich abgelenkte Schüsse das Risiko auf einen Gegentreffer. «Trotzdem sind wir froh, dass wir so einen Spieler haben.»

Wer viel ackert, dem passiert auch viel. So wurde Verteidiger Seiler alleine in dieser Saison mehrmals über die Bande hinweg auf die Spielerbank gecheckt. «Das passiert, weil er beim Check des Gegners aufspringt», sagt Assistenzcoach Winkler amüsiert. Amüsiert deshalb, weil Seilers Aktionen beliebt sind für die «Bloopers», also Missgeschicke auf Video, die die Trainer für ruhigere, gelöste Momente innerhalb der Mannschaft zusammenschneiden. Sie werden etwa in Nationalmannschaftspausen gezeigt und fördern auf lustige Art den Zusammenhalt.

Winkler betrachtet Verteidiger Seiler aber primär aus einem ernsthaften Winkel. «In Sachen Spiel ohne Puck hat er einen Riesenschritt gemacht», sagt der Assistenzcoach. «Er ist nahe beim Gegenspieler und hat auch gemerkt, dass er seinen Körper zum Checken einsetzen kann.» Zudem sei er in den Jahren beim HCT merklich stärker geworden. «Seiler hält auch so manchen Check aus.» (mat)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.