Auch ohne Zuschauer eine Macht: HC Thurgau gewinnt siebtes Heimspiel in Serie

Mit dem 4:0-Sieg gegen die Ticino Rockets untermauert der HC Thurgau nicht nur seine Führungsposition in der Swiss League. Er gibt auch ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Im heimischen Stadion Güttingersreuti sind die Ostschweizer in dieser Saison nach wie vor unbesiegt.

Matthias Hafen
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Der HC Thurgau gab sich in der Weinfelder Güttingersreuti auch gegen die Ticino Rockets keine Blösse.

Der HC Thurgau gab sich in der Weinfelder Güttingersreuti auch gegen die Ticino Rockets keine Blösse.

Mario Gaccioli

Das hatten wir doch schon mal. Im Heimspiel gegen die Ticino Rockets stand dem HC Thurgau am Samstagabend ein Widersacher gegenüber, der direkt aus der Coronaquarantäne in den Spielbetrieb zurückkehrte. Am 30. Oktober gegen die GCK Lions hatte das mit einer 0:3-Niederlage in Küsnacht geendet, der schwächsten Saisonleistung der Thurgauer bislang. Nun, drei Wochen später, musste wieder befürchtet werden, dass der Gegner mit viel frischeren Beinen antritt als der verletzungsgeplagte Leader der Swiss League. Gleich neun HCT-Spieler sassen als Zuschauer im Stadion, dazu waren die Stürmer Michael Loosli und Kay Schweri wieder zum NLA-Klub Rapperswil-Jona zurückgekehrt.

Doch die Ticino Rockets, die beim ersten Aufeinandertreffen Mitte Oktober in Biasca noch so heiss waren und den HC Thurgau überzeugend mit 5:2 besiegten, diese Rockets waren am Samstag nur noch ein «Rageetli» ohne Pfupf - etwa so heiss wie das gleichnamige Stängeliglacé. Die Thurgauer gingen mit ihrer disziplinierten Spielweise schon in der dritten Minute in Führung. Jan Mosimann traf herrlich in die kleine Lücke zwischen dem Lattenkreuz und der Schulter von Rockets-Goalie Viktor Östlund. Der kanadische NHL-Stürmer Brandon Hagel baute den Vorsprung in der 18. Minute auf 2:0 aus - auf herrliches Zuspiel von Landsmann Darcy Murphy. Zu keiner Zeit lief der HC Thurgau Gefahr, die Kontrolle über das Spiel zu verlieren.

Mosimanns Brummschädel bringt die Entscheidung

Im Mittelabschnitt waren die beiden Teams drauf und dran, Historisches zu schaffen: ein Drittel eines Eishockeyspiels ohne richtige Torchance. Während die Sekunden auf der Matchuhr trostlos herunterzählten, verkam die Partie zu einem Plauschmätschli. Keiner tat dem anderem mehr weh, niemand lockte jemanden aus der Reserve. Wären Emilijus Krakauskas zwei Minuten vor Drittelsende nicht die Sicherungen durchgebrannt, hätte man das Gezeigte auf dem Eis schon in der folgenden Pause wieder vergessen gehabt.

Torschütze Jan Mosimann stand gegen die Ticino Rockets gleich mehrmals im Mittelpunkt.

Torschütze Jan Mosimann stand gegen die Ticino Rockets gleich mehrmals im Mittelpunkt.

Mario Gaccioli

Doch der talentierte Litauer mit Schweizer Lizenz - einst auch beim HC Thurgau auf dem Radar - checkte Jan Mosimann gegen den Kopf und musste zu Recht für zwei plus zehn Minuten auf die Strafbank. Zum Glück für den HCT konnte Mosimann später weiterspielen. Das geschenkte Powerplay in den Schlusssekunden des Mitteldrittels nutzte Jason Fritsche im Nachsetzen zum 3:0. Damit war die Entscheidung gefallen.

Darcy Murphy setzt den Schlusspunkt

Der HC Thurgau merkte, dass er seine Ziele an diesem Abend auch mit angezogener Handbremse erreicht. Angesichts der zahlreichen Ausfälle im Kader und des gedrängten Spielplans konnte man es dem Team von Headcoach Stephan Mair nicht übel nehmen, dass es primär noch den Vorsprung verwaltete. Darcy Murphy setzte mit dem 4:0 immerhin noch einen drauf (43.).

Im Thurgauer Dörfli neben der Eishalle Güttingersreuti wurde das Spiel als Livestream übertragen und von zahlreichen Anhängern angeschaut.

Im Thurgauer Dörfli neben der Eishalle Güttingersreuti wurde das Spiel als Livestream übertragen und von zahlreichen Anhängern angeschaut.

Mario Gaccioli

Dass das zweite Aufeinandertreffen des HC Thurgau mit den Ticino Rockets so einseitig war, hatte aber nicht nur mit dem inferioren Gegner zu tun. Die Thurgauer bewiesen in dieser Coronasaison einmal mehr, dass sie Spiele, die sie früher noch erzitterten, mittlerweile souverän gewinnen. Und man kann zwar weiter auf den überraschenden Leader der Swiss League zeigen und sagen, dass die Tabelle derzeit ein verzerrtes Bild abgibt. Doch müssen die Verfolger des HCT den Rückstand von sieben Punkten und mehr erst einmal gutmachen.

Thurgau – Ticino Rockets 4:0 (2:0, 1:0, 1:0)

Güttingersreuti, Weinfelden –50 Zuschauer – SR Massy/Hendry, Micheli/Meusy.
Tore: 3. Mosimann (Soracreppa) 1:0. 18. Hagel (Murphy, Scheidegger) 2:0. 40. (39:41) Fritsche (Spannring/Ausschluss Krakauskas) 3:0. 43. Murphy (Hinterkircher, Moor) 4:0.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Krakauskas) gegen die Ticino Rockets.
Thurgau: Rüegger; Fechtig, Moor; Schmuckli, Soracreppa; Scheidegger, Schmutz; Hinterkircher, Hagel, Murphy; Rehak, Fritsche, Mosimann; Lanz, Hobi, Spannring; Bischofberger, Schnyder.
Ticino Rockets: Östlund; Fontana, Del Ponte; Wieszinski, Antonietti; Pinana, Ortenszky; Pastori; Bionda, Neuenschwander, Vedova; Schwab, Canova, Deluca; Lutz, Cajka, Krakauskas; Dufey, Kasslatter, Misani.
Bemerkungen: Thurgau ohne Michael Loosli, Schweri (beide Rapperswil-Jona/NLA), Hulak, Parati, Brändli, Rundqvist, Wildhaber, Janik Loosli, Baumann, Moser (alle verletzt) und Hollenstein (krank). Ticino Rockets ohne Hänggi, Ritzmann, Matewa, Zangger und Franzoni (alle verletzt).