Arboner Verein erreicht Ziel, verfehlt aber die Visionen

Der Verein Haus Max Burkhardt macht weiter Nischenkultur im Sonnenblumenhaus. Ein Verkauf durch die Stadt ist abgewendet. Weil der ganze Stadtrat ausgewechselt wird, muss eine Leistungsvereinbarung warten.

Max Eichenberger
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Das Haus "Zur Sonnenblume" von Max Burkardt in Arbon. (Bild: Reto Martin)

Das Haus "Zur Sonnenblume" von Max Burkardt in Arbon. (Bild: Reto Martin)

Präsidentin Ruth Erat vergleicht die Arbeit für das Haus Max Burkhardt mit einer Fahrt auf Hoher See. «Auf einem Schiff, wo man kaum weiss, woher der Sturm droht und was er im Gefolge führt.» Nach langem Hin und Her ist klar: Der Verein ist mit seinem Konzept gescheitert, die Jugendstilvilla als Haus lebendiger Kultur in eine Stiftung zu überführen und den Betrieb über Kleinwohnbauten am Rand des Grundstücks querzusubventionieren. Sie bleibt der Stadt. Diese wollte die Liegenschaft, die ihr von den Erben Burkhardt vermacht worden war, veräussern. Dieser geplante Verkauf ist nach längerer Odyssee mit manchen Kurswechseln vom Tisch.

Das politische Verdikt hat das Stadtparlament gesprochen – als dritter Player neben dem Stadtrat und dem Verein, die um die Zukunft der Künstlervilla gerungen und sich mitunter schwergetan haben. Es sei «anstrengend, ernüchternd, bisweilen gar deprimierend» gewesen, resümiert Ruth Erat an der Hauptversammlung am Freitag. Und doch: Der abgewendete Verkauf durch die Stadt bedeutet, dass der Verein sein ursprünglich gestecktes Hauptziel erreicht hat: «Das ist uns gelungen», relativiert Dominik Diezi.

Dominik Diezi will keinen Interessenkonflikt aufkommen lassen

Diezi selber, der als Jurist das Konstrukt mit den Verträgen massgeblich vorbereitet hat, hat sich nach seiner Wahl zum Stadtpräsidenten jetzt vom Vorstandsamt entbunden. Dies in Absprache mit dem Verein, um mögliche Interessenkonflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen. Diesem werde er aber auch in seiner neuen Funktion «verbunden bleiben», sagt Diezi, der im Juni ins Stadthaus einziehen wird. Er nehme positive Erfahrungen aus den Diskussionen um das Burkhardt-Haus mit, die modellhaft sein könnten für Arbon: «Erst waren sie kontrovers, dann wurde es konstruktiver, und am Schluss haben sich fast alle zusammengerauft, um einen mehrheitsfähigen Kompromiss zu schliessen.»

Inzwischen hat die Stadt eine Mieterin für die Wohnung im Obergeschoss gefunden. Anfang April ist sie eingezogen. Die übrigen Räume kann der Verein weiter für kulturelle Veranstaltungen nutzen. In seinem Sinne könne so das wertvolle kulturelle Baudenkmal als bespieltes Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit nähergebracht werden «und wir ihm so Resonanzmöglichkeiten geben», betont Ruth Erat. Allerdings sei dafür noch eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt als Eigentümerin auszuhandeln, mahnt Kurt Sonderegger an.

Weil es im Stadtrat im Vorsommer zu einem Stabwechsel kommen wird, muss diese vorerst warten. Der bis anhin zuständige Ressortchef habe gesagt, es wäre besser, wenn sich die Behörde in der neuen Zusammensetzung damit befasse. Insofern geht die Hängepartie weiter, bis definitiv geklärt ist, welche Räume der Verein wann nutzen kann. Allenfalls teilweise im Wechsel mit Dritten. «Was mit der Projektidee ‹Ferien im Baudenkmal› läuft, weiss ich nicht», deutet Sonderegger an.

Der Vorstand mit Ruth Erat als Präsidentin sowie Pablo Erat, Bernard Miserez und Kurt Sonderegger wurde bestätigt. Der künftige Stadtpräsident Dominik Diezi ist ausgeschieden. (Bild: Max Eichenberger)

Der Vorstand mit Ruth Erat als Präsidentin sowie Pablo Erat, Bernard Miserez und Kurt Sonderegger wurde bestätigt. Der künftige Stadtpräsident Dominik Diezi ist ausgeschieden. (Bild: Max Eichenberger)

Sicher ist für Ruth Erat: Nischenkultur im Kleinformat soll das Sonnenblumenhaus weiter beleben; Kultur, die nicht eingekauft, sondern die hier geschaffen und im kleinen Kreis abseits des Mainstreams vermittelt wird. Buchvernissage, Schreibwerkstatt, Literaturtage, Ausstellungen und anderes mehr etwa sind im neuen Jahresprogramm bereits fixiert. Besonders wird auch der Bezug zum Fotografen und Gesamtkünstler Max Burkhardt wachgehalten.

Doch noch eine Stiftung

Der politische Kompromiss-Entscheid des Arboner Parlamentes hat letztlich eine Anpassung der Statuten zur Folge. Das nicht mehrheitsfähige Konzept mit den kleinen Wohnhäusern wird gestrichen.
Der Hauptzweck aber bleibt, das Sonnenblumenhaus als Gesamtheit der Öffentlichkeit zu erhalten. Er wird gar auf das Gesamtwerk Burkhardts erweitert. Dafür soll nun doch eine Stiftung gegründet werden, die fachgerecht diese Aufgabe wahrnehmen könne. Zudem stiegen so die Chancen, besser an Gelder für Einzelprojekte, zum Beispiel vom Kanton, heranzukommen. (me)