Eine Bushaltestelle für fast 300'000 Franken: Arboner Stadtrat verärgert Einwohner mit Bauvorhaben

Eine Bushaltestelle soll um ungefähr 100 Meter verlegt werden. Die Kosten von fast 300'000 Franken sorgen für Empörung in der Bevölkerung.

Pascal Moser
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Die Bushaltestelle Alpenblick soll verschoben und neu ausgestattet werden (Bild: Pascal Moser)

Die Bushaltestelle Alpenblick soll verschoben und neu ausgestattet werden (Bild: Pascal Moser)

Es war eine kurze Meldung des Stadtrates, die zu langen Diskussionen in den sozialen Medien Anlass gibt. «Der neue Stadtrat soll diesen Quatsch streichen, sonst seid ihr in Kürze auch wieder weg», schreibt jemand auf Facebook. Von Geldverschwendung und einem «Kasperliverein» ist die Rede. Für Unverständnis sorgt die Ankündigung auch bei den beiden CVP-Parlamentariern Reto Neuber und Lukas Auer, die der Sache nachgehen wollen.

Der Stadtrat hat in den amtlichen Mitteilungen von letzter Woche bekannt gegeben, dass er einen Kredit in Höhe von 295'000 Franken für die Verschiebung der Bushaltestelle Alpenblick (stadtauswärts) bewilligt hat. Sie soll gegenüber der Haltestelle in der Gegenrichtung (stadteinwärts) zu liegen kommen. Gleichzeitig sollen auch der Belag und die Pflästerung bei den Haltestellen saniert werden. Zudem ist vorgesehen, die Fussgängerquerungen durch zwei Schutzinseln zu verbessern und die Bushaltestellen behindertengerecht zu gestalten.

Feuertaufe für den neuen Stadtrat

Die Kritik an den Plänen kommt nicht von ungefähr. Die Stadt hat zwar im letzten Jahr einen Rekordgewinn von 4,6 Millionen Franken geschrieben. Sie ist aber immer noch mit über 50 Millionen Franken verschuldet und hat den höchsten Steuerfuss im Kanton Thurgau. Sparen ist darum ein Dauerthema.

Vor diesem Hintergrund appelliert jemand auf Facebook an den neuen Stadtrat, der seine Arbeit am 1. Juni aufgenommen hat, die Sache nochmals zu überdenken beziehungsweis den Entscheid alten Behörde rückgängig zu machen. «Jetzt kann der neue Stadtrat beweisen, ob er wirklich besser ist»

Tatsächlich ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Der Beschluss sei noch nicht definitiv, sagt Stadtpräsident Dominik Diezi. Die erste Sitzung des Stadtrats in der neuen Zusammensetzung wird kommenden Dienstag stattfinden. Dann wird die Behörde unter anderem auch darüber diskutieren, ob die Gelder für die neue Haltestelle tatsächlich frei gegeben werden sollen, stellt Diezi in Aussicht. Fabienne Egloff, Stadtplanerin von Arbon, verteidigt das Vorhaben.

«Der Nutzen der Verschiebung liegt darin, dass aussteigende Fussgänger dank den Inseln besser geschützt werden, wenn sie hinter dem Bus über die Strasse gehen.»

Der Kanton beteiligt sich im Falle eines Bauprojektes an den Kosten für die Strassensanierungen, die neuen Fussgängerquerungen und Anpassungen. Die Ausstattungen der Bushaltestellen und des Wartehauses mit zusätzlichem Velounterstand wären jedoch alleine durch die Stadt zu finanzieren.