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«Meine Flausen sind mir immer verziehen worden»: Arboner Stadtoriginal hört nach 36 Jahren auf

Mit Stumpen im Mundwinkel, Schalk in den Augen und Besen in der Hand war der Werkhofmitarbeiter Harry Altherr stadtbekannt. Nun geht das Stadtoriginal mit 63 in Pension.
Max Eichenberger
Zum letzten Mal schultert Harry Altherr Besen und Schaufel ins Magazin. (Bild: Max Eichenberger)

Zum letzten Mal schultert Harry Altherr Besen und Schaufel ins Magazin. (Bild: Max Eichenberger)

Im orangen Arbeitsgwändli, seinem knappen Strickkäppi und dem obligaten Stumpen im Mundwinkel setzte er während 36 Jahren einen Farbtupfer im öffentlichen Stadtbild. Auch der schelmenhafte Gesichtsausdruck war typisch für Harry Altherr, wenn er in Arbon sauber machte und in den Grünanlagen nachputzte. Meist mit einem verschmitzten Lächeln auf den Stockzähnen und die Selbstzufriedenheit in Person, der niemand etwas anhaben kann.

Am Donnerstag war für den «Häädener», der seit einem halben Jahrhundert in der Stadt zu Hause ist, kein gewöhnlicher Feierabend. Der Werkhofmitarbeiter, den man sich auch in einer Nebenrolle auf der Komikerbühne gut vorstellen könnte, versorgte zum letzten Mal sein «Geschirr» im Magazin an der Salwiesenstrasse. Als Dienstältester im Werkhof tritt er in Pension. Mit 63. Mit den Kollegen und Vorgesetzten, die auf ihn warten, gibt es eine Bierrunde zum Abschied. Die Kluft hängt er definitiv an den Nagel.

«Meine Flausen sind mir immer verziehen worden»

Manche Arboner werden sein angedeutetes fröhliches Grinsen, das Harry Altherr bei jedem Wetter auftrug, vermissen. Für sie war er einfach der Harry. «Ich habe die Leute immer freundlich gegrüsst», erzählt der Neupensionär mit dem listigen Blick aus seinen grau-blauen Augen, der in der Stadtgärtnerei angefangen hat und danach in Alfons Giovanolis Fussstapfen getreten ist. In jungen Jahren arbeitete er unter Jakob Züllig bei der «alten» Arbonia. Stadtgärtner Paul Hungerbühler sei über lange Zeit sein Chef gewesen. Ein guter. Er habe es immer gut gehabt.

«Meine Flausen sind mir immer verziehen worden», lacht Stumpen-Harry – und schweigt auf die Frage nach einigen Müsterli hin eisern. Und wenn er mal «einen Blödsinn gemacht» habe, dann sei er auch dazu gestanden. Er sei halt ein wenig ein Unikum – Altherr sieht sich selber so. Einer, der nicht aufs Maul gefallen ist. Mit Sprüchen hat er nie gegeizt.

«Ich trage alles in meinem Herzen.»

Die Wischmaschine hat zwar einen Teil der Arbeit abgenommen. Aber die Ränder, Ecken und unzugänglichen Orte blieben sein Terrain.

Gang der Jahreszeiten bestimmte die Arbeit mit

«Vor allem die ältere Garde schätzt, wenn es sauber in der Stadt ist und die Anlagen gepflegt sind.» Das habe ihm die Bestätigung gegeben, dass sein Job sinnvoll gewesen sei. Der Gang der Jahreszeiten hat diesen wesentlich mitbestimmt: «So habe ich im Herbst, wenn die Blätter gefallen sind, ‘gelaubt’, im Winter Schnee geschippt.» Langweilig werde es ihm in der Pension kaum, meint Harry Altherr – und fügt spitzbübsch an:

«Ich fühle mich immer noch jung!»

Doch erst will er sich etwas Ruhe gönnen. Reisen hätten ihm früher die Welt erschlossen; das brauche er jetzt nicht mehr. Vielleicht wird er auch in Zukunft noch ab und zu den Besen schwingen: «Ich habe jedenfalls schon Jobangebote bekommen», schmunzelt er. En verra! Nein, langweilig wird es Harry Altherr kaum werden.

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