Arboner Kulturort löst sich auf

Vergangenen Monat lief im Kulturcinema der letzte Film. Jetzt wird das Inventar verhökert.

Max Eichenberger
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Ein Besucher begutachtet einen hundertjährigen Dia-Projektor. (Bild: Max Eichenberger)

Ein Besucher begutachtet einen hundertjährigen Dia-Projektor. (Bild: Max Eichenberger)

Nach 17 Jahren ist in der Stadt ein Stück Kulturleben erloschen. Für die Betreiber der wehmütigere Teil eins des Abschieds, weil sie ideell stark mit ihrem Nischenkino verbunden waren. Jetzt trennen sich Claudia und Kaspar Lämmler vom Interieur, von allerlei Ausstattungsgegenständen und Utensilien – vor allem des Restaurationsbereichs. Das materielle Loslassen bereitet ihnen weniger Schmerz. Alles habe seine Zeit, und sie seien offen für Neues.

Ein Flipperkasten aus den Sixties

Im Eck des Ateliers steht an diesem Samstag ein Flipperkasten aus den Sixties. Der ist allerdings unverkäuflich. «Ein Erbstück meines Vaters», sagt Kaspar Lämmler. Ein Tischtennis- und ein massiver Billardtisch warten hingegen auf Käufer. Dazu Spielbälle und ein halbes Dutzend Coeues. An die weiss getünchte Backsteinwand angelehnt ist ein ganzes Set Gartenwerkzeug. Geschirr- und Besteckgarnituren stapeln sich auf den Tischen, diverse Glasschüsseln, Brotdosen eine Grillzange, eine klassische Raffel aus Edelstahl, ein Wallholz – fast alles, was zur beweglichen Infrastruktur einer Beiz gehört.

Auch ein edles Mikrowellengerät aus Chromstahl findet sich neben einem vorsintflutlichen schwarz-metallenen Dia-Projektor. Verwendet worden ist dieses im Geografieunterricht. Da steht ein Schirmständer neben einem Designer-Sessel. Den bildlichen Eindruck einer Brockenstube gibt an diesem Tag das Kulturcinema ab, ein Schwatz an der Theke inklusive.

Übrige Sachen werden ausgeschrieben

Ein Blick zeigt: Hier löst sich ein Ort der Kultur auf. Die grösseren Sachen, die übrig bleiben, würden ausgeschrieben, sagt Kaspar Lämmler. Finden sie keinen Käufer, werden sie mit den anderen Gegenständen dem Flohmarkt der SP-Frauen übergeben. Das technische Inventar des Kulturcinema-Betriebs, etwa die Lautsprecheranlage und die Leinwand, geht an kulturelle Vereine. Das sehen die Statuten so vor. «Aus Selbstschutz» sei er mit dem Velo gekommen, sagt ein Besucher, klemmt ein Coeue unter den Arm und packt den Rucksack ordentlich voll mit Sachen, die gerade so noch transportfähig sind.