Arbon
«Das sind coole Dinger»: Wie eine Gruppe innovativer Leute zwei ausrangierte Busse vom Schrottplatz holt, um daraus eine Strandbar zu machen

5000 Franken haben die fünf Ostschweizer für die schrottreifen Saurer Postautos hingeblättert. Nun bauen sie daraus ein temporäres Lokal, welches sie direkt neben dem Saurer Museum in Arbon betreiben wollen. Mit im Team ist auch ein Stadtrat.

Annina Flaig
Drucken
Teilen
Die Saurer Busse aus den 70er-Jahren bilden das Herzstück der geplanten Strandbar in Arbon am See.

Die Saurer Busse aus den 70er-Jahren bilden das Herzstück der geplanten Strandbar in Arbon am See.

Bild: PD

Die beiden Postautos waren schrottreif. Sie standen auf dem Platz des Recyclingcenters Moser in Altstätten, als Astrid Dörig an einem Sonntag an ihnen vorbei fuhr. «Coole Dinger», hat sie sich gedacht. Am Montag ging sie auf den Schrottplatz und fing an zu verhandeln. Für 5'000 Franken hat sie die beiden Saurer Fahrzeuge mit Baujahr 1972 und 73 schliesslich freigekauft. Jetzt wird ihnen neues Leben eingehaucht.

Astrid Dörig, Mitglied im Projektteam «Saurer Garten»

Astrid Dörig, Mitglied im Projektteam «Saurer Garten»

Bild: PD

Denn die «Coolen Dinger» sollen bald auf dem Kiesplatz vor dem Saurer Museum stehen und das Herzstück einer innovativen neuen Strandbar bilden. «Saurer Garten» nennt sich die geplante vorübergehende gastronomische Nutzung. Das Baugesuch liegt seit Freitag öffentlich auf.

Stadtrat Michael Hohermuth gehört zu den Initianten

Hinter der Idee stehen nebst der Altstätterin Astrid Dörig, welche im Rheintal bis vor einem Jahr das Kultlokal «Breite» erfolgreich betrieben hat, vier weitere Leute im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Einige von ihnen gehören auch zu den Strippenziehern des Heizwerkfestivals. Es sind Tim Hasler aus Roggwil, Alexandre Hoenner aus Arbon, Christian Böni aus St.Gallen sowie der Arboner FDP-Stadtrat Michael Hohermuth. Dieser sagt:

Michael Hohermuth, Stadtrat Arbon

Michael Hohermuth, Stadtrat Arbon

Bild: PD
«Ich mag innovative und kultige Bars und Festivals.»

Der 36-Jährige hat sich kurz überlegt, ob er sich aufgrund seines Amtes als Stadtrat aus dem Projektteam zurückziehen soll. Dann aber sagte er sich: «Ich mische hier schon länger mit, und es gehört zu mir.» Darum bleibe er dabei. Wenn das Baugesuch oder anderes im Stadtrat beurteilt werde, trete er selbstverständlich in den Ausstand.

Geplant ist ein stimmungsvoller Treffpunkt für rund 40 Gäste im Freien. Wenn es regnet, soll man in einem der beiden Fahrzeuge Unterschlupf finden können. Im zweiten Bus soll später ein Kiosk eröffnet werden. Weiter sollen sich abwechselnd sogenannte «Foodtrucks» mit leckeren Speisen das Angebot bereichern. Ziel ist es laut Dörig, im Sommer loslegen zu können.

Auf dem Kiesplatz vor dem Saurer Museum rechts soll das geplante temporäre Lokal «Saurer Garten» zu stehen kommen.

Auf dem Kiesplatz vor dem Saurer Museum rechts soll das geplante temporäre Lokal «Saurer Garten» zu stehen kommen.

Donato Caspari

Die ZIK Immo AG fungiert laut Teilhaber Konradin Fischer quasi als Schirmherrin. Sie ist es, die das Baugesuch eingereicht hat. Das Land vor dem Saurer Museum gehört der Stadt.

ZIK Immo AG versucht erfolglos, die Wunderbar zu schliessen

Das Lokal ist ein Ersatz für die geplante «Saurer Kantine», ein Restaurant im Foyer des Saurer Museums. Das Baugesuch hierfür hatte die ZIK Immo AG zusammen mit dem Abbruchgesuch für die «Wunderbar» Ende Januar 2020 eingereicht. Es hätte der Ersatz für die «Wunderbar» werden sollen. Die Eröffnung war ursprünglich für Winter 2020 geplant. Das Projekt konnte bis jetzt jedoch nicht bewilligt werden. Konradin Fischer sagt:

Konradin Fischer, Teilhaber der ZIK Immo AG.

Konradin Fischer, Teilhaber der ZIK Immo AG.

Donato Caspari
«Wir können das Restaurant nicht bauen, weil es immer noch durch Einsprachen blockiert ist.»

Die «Wunderbar» hat seit gestern - nach den neuesten Covid-Bestimmungen des Bundes - zumindest die Terrasse wieder geöffnet. Sehr zum Unmut von Konradin Fischer. Er sagt nur:

«Wir sind auf juristischem Weg daran, dem Ganzen ein Ende zu setzen.»

Bisher hat das nicht funktioniert. Der Fall zieht sich seit Monaten dahin und beschäftigt unterdessen offenbar verschiedene Gerichte, vom Bezirksgericht über das Obergericht bis hin zum Bundesgericht. Siegmanns Anwalt, Christian Bütikofer, sagte Mitte Februar gegenüber dieser Zeitung, dass Siegmann weiter wirten könne, so lange die Verfahren am Laufen seien.

Museum freut sich auf die Postautos

Beim Saurer Museum ist man vom Projekt Saurer Garten begeistert. Ruedi Baer, Leiter des Saurer Museums, hofft, dass dadurch noch mehr Museumsbesucher angelockt werden. Er sagt:

Ruedi Baer, Leiter des Saurer-Museums in Arbon.

Ruedi Baer, Leiter des Saurer-Museums in Arbon.

Reto Martin
«Wir freuen uns riesig, wenn es hier etwas Lässiges gibt.»

Über zu wenig Besucher könne man sich zwar nicht beklagen. Wir haben seit April wieder täglich 50 Gäste, sagt er freudig. Davon könnte wiederum das geplante neue Lokal profitieren.