Arbon
Thurgaus «Rote Laterne» schreibt statt einer schwarzer Null einen Millionengewinn

Arbon schliesst die Rechnung 2020 mit 4,77 Millionen im Plus bei einem Ertrag von 55,75 Millionen Franken. Erstmals in diesem Jahrtausend ist auch das Nettovermögen pro Einwohner positiv.

Manuel Nagel
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Stadtpräsident Dominik Diezi und der neue Finanzchef Pascal Büchler präsentieren die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Stadtpräsident Dominik Diezi und der neue Finanzchef Pascal Büchler präsentieren die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Bild: Reto Martin

Obwohl erst April und hinter der Gesichtsmaske nur erahnbar, so müssen Stadtpräsident Dominik Diezi und Arbons neuer Finanzverwalter Pascal Büchler dennoch wie Maikäfer gestrahlt haben, als sie am Dienstagvormittag die Rechnung der Stadt für das Jahr 2020 präsentiert haben. Annähernd fünf Millionen beträgt der Gewinn, womit sogar das Rekordergebnis aus dem Jahr 2018 übertroffen wurde.

Damals verbuchte die Stadt ein Plus von 4,636 Millionen Franken, nachdem man zuvor fünf Jahre lang Millionenverluste bekanntgeben musste. 2019 schrieb Arbon 4,368 Millionen Gewinn, und nun sind es 4,769 Millionen. Das «rote Arbon» kann also nicht mehr länger auf die Finanzen bezogen werden.

Pascal Büchler ist seit Januar 2021 Leiter Abteilung Finanzen der Stadt Arbon.

Pascal Büchler ist seit Januar 2021 Leiter Abteilung Finanzen der Stadt Arbon.

Bild: Reto Martin (Arbon, 20. April 2021)

Dass die Verantwortlichen beim Budget vor eineinhalb Jahren – man ging von einem Gewinn von 125'000 Franken aus– so deutlich daneben lagen, liegt vor allem an der «Sozialen Sicherheit» sowie den «Finanzen und Steuern». Sonst liegen die Prognosen für die übrigen funktionalen Bereiche mehr oder weniger im Budgetrahmen.

Positive Entwicklung bei Sozialhilfekosten hält an

Für die Sozialhilfe musste die Stadt über 2,6 Millionen weniger aufwenden als budgetiert. «Wir dachten ja, die Kosten dort nehmen eher etwas zu», sagte Stadtpräsident Diezi. Jedoch sei das Gegenteil eingetreten, und «die positive Entwicklung der letzten Jahre hielt an». Diese Kosten liessen sich aber fast nicht budgetieren, gab Diezi zu bedenken, genauso wie auch die Steuereinnahmen, die 1,85 Millionen Franken mehr als gedacht in die Stadtkasse spülten.

Grossen Anteil bei den Fiskalerträgen hatten die Grundstückgewinnsteuern mit dem Rekordergebnis von 1,38 Millionen über Budget. Stadtpräsident Dominik Diezi sagte:

Stadtpräsident Dominik Diezi präsentiert die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Stadtpräsident Dominik Diezi präsentiert die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Bild: Reto Martin (Arbon, 20. April 2021)
«Das Rekordergebnis bei den Grundstückgewinnsteuern zeigt, wie attraktiv die Stadt Arbon als Wohnstandort ist.»

«Hier wird gehandelt, gekauft und verkauft, wodurch diese Gewinne erzielt werden.» Doch der Stadtpräsident warnte auch, dass diese Einnahmen zurückgingen und sich in ganz anderen Grössenordnungen bewegten, sobald die aktuelle Baukonjunktur nicht mehr da sei.

Die Steuereinnahmen der natürlichen Personen stiegen an, «doch es gibt auch einen Wermutstropfen», sagte Dominik Diezi mit Bedauern. Laut Statistik habe ein grosser Steuerzahler, welcher der Stadt mehr als eine halbe Million einbrachte, Arbon verlassen. Doch selbst der Stadtpräsident weiss nicht, um wen es sich hierbei handelt.

Bei den juristischen Personen gab es hingegen einen deutlichen Rückgang der Steuereinnahmen. «Das haben wir aber auch so prognostiziert, weil es eine unmittelbare Folge der Steuergesetzrevision per Anfang des letzten Jahres ist», erklärte Diezi. «Das schenkt bei uns ein, weil Arbon viele Steuereinnahmen von Firmen hat.»

Fremdverschuldung beträgt nur noch 39 Millionen

Insgesamt hat Arbon also bei der Steuerkraft einen leichten Rückgang zu verzeichnen, doch das lasse sich im ganzen Kanton beobachten, sagte Finanzchef Pascal Büchler, der sein Amt zu Beginn dieses Jahres antrat.

Pascal Büchler, Leiter Abteilung Finanzen, erläutert die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Pascal Büchler, Leiter Abteilung Finanzen, erläutert die Rechnung 2020 der Stadt Arbon.

Bild: Reto Martin (Arbon, 20. April 2021)

Eine andere Statistik ist da weitaus erfreulicher, «ja geradezu historisch», sagte Dominik Diezi. Denn erstmals seit mehr als 20 Jahren weise Arbon pro Einwohner ein Nettovermögen aus – nämlich 212 Franken. Im letzten Jahr waren es noch 318 Franken Schulden, 2016 gar 2382 Franken Schulden. Dank der fünf Millionen Gewinn aus der Rechnung 2020 konnte die Stadt auch ihre Fremdverschuldung von 44 auf 39 Millionen reduzieren.

Bei so einem Ergebnis stellt sich natürlich auch die Frage nach einer Steuerfussreduktion. Stadtpräsident Dominik Diezi verspricht:

«Wir werden das im Stadtrat im Rahmen des Budgets für das kommende Jahr genau analysieren, ob wir beim Steuerfuss einen Spielraum haben.»

Es sei das erklärte Ziel des Stadtrats, «diese ‹Rote Laterne› endlich loszuwerden». Der Stadtpräsident ist sich bewusst: «Bei jeder Statistik kommen wir vor – einfach immer auf der falschen Seite als die Gemeinde mit dem höchsten Steuerfuss. Und das ist imagemässig ein Problem.»

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