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«Superchief 2021»: Oberthurgauer Regisseur produziert Kurzfilm im 80er-Jahre-Stil

Schräg und kitschig: So könnte man die Achtziger wohl am treffendsten beschreiben. Dies trifft auch auf den neuen Kurzfilm «Superchief 2021» zu. Regisseur Noël Koller spricht über die Entstehungsgeschichte und den Hintergrund des No-Budget-Projekts.

Luca Hochreutener
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Seit dem 5. Dezember gibt es den Kurzfilm auf Youtube zu sehen. Einige der Szenen wurden in Arbon gedreht.

Seit dem 5. Dezember gibt es den Kurzfilm auf Youtube zu sehen. Einige der Szenen wurden in Arbon gedreht.

Bild: PD

Er sei schon immer ein 80er-Jahre-Fanatiker gewesen, sagt Noël Koller. Dies fällt einem beim Angucken seines kürzlich veröffentlichten No-Budget-Kurzfilms «Superchief» sofort auf. Die Outfits der Schauspieler, die grellen Neonlichter und sogar der ikonische DeLorean, bekannt aus der Filmreihe «Zurück in die Zukunft» – alles spielt auf den 80er-Jahre-Kult an. Koller wurde vom Stil schon früh geprägt: «Ich bin Jahrgang 1995. Die meisten Filme aus meiner Kindheit kamen aus den Achtzigern», sagt er. «In den letzten Jahren wurden wieder viele Filme und Serien veröffentlicht, die in jener Zeit spielen. So fühlte ich mich bestärkt, das Projekt anzugehen.»

Noël Koller.

Noël Koller.

Bild: PD

Er habe schon lange die Vision für ein Kurzfilmprojekt gehabt, sagt der 26-Jährige. Zwei Dinge schwebten ihm dafür von Anfang an vor:

«Es sollte mit den Achtzigern zu tun haben und es soll möglichst actionreich sein.»

Die eigentliche Idee sei ihm während eines Sprachaufenthalts gekommen. «Als ich im vergangenen Jahr nach Portugal reiste, herrschte gerade der komplette Lockdown, wodurch ich in Quarantäne musste», sagt er. «So war es naheliegend, dass ich die Covid-Pandemie als Hauptthema für den Kurzfilm auswählte.»

Zu Beginn spielt der Film in der Zukunft, wo ein Grossvater seinem Enkel erzählt, wie die Menschheit die Pandemie überstanden hat. Beim Erzählen der Geschichte übertreibt er allerdings ein wenig: In einer Rückblende wird das Virus durch Coviddius dargestellt, welcher von der Hauptperson Superchief, gespielt von Koller, ausgelöscht wird. Inklusive einer Verfolgungsjagd durch Arbon.

Schaut man sich das Filmposter an, weiss man direkt, womit man es hier zu tun hat.

Schaut man sich das Filmposter an, weiss man direkt, womit man es hier zu tun hat.

Bild: PD

Der DeLorean mit der Seriennummer 49

Bei dieser Verfolgungsjagd kommt der DeLorean zum Einsatz. Auf diesen ist Koller besonders stolz. Mit der Seriennummer 49 war das Auto sogar eines der ersten, die weltweit produziert wurden. Auf die Frage, wo er ein solch seltenes Auto her hat, sagt er:

«Es war ein absoluter Glücksfall. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, ein echtes Modell zu kriegen.»

Bei der Suche im Internet sei er auf einen Schweizer DeLorean-Club gestossen. «Wir haben dann mit dem Club Kontakt aufgenommen und einen DeLorean-Besitzer aus Degersheim kennen gelernt», sagt Koller. Dieser war bereit, uns sein Auto für die Dreharbeiten auszuleihen. «Er war während des Drehs sogar selbst am Set und hat den Prozess sehr geduldig mitverfolgt», sagt Koller.

Der Kurzfilm ist mit viel, teilweise derbem Humor untermalt. «Es ist eine Parodie auf die aktuellen Situation», sagt Koller. «Für Satire und schwarzen Humor muss auch in schwereren Zeiten Platz sein.» Ihm sei aber gleichzeitig wichtig gewesen, mit der Geschichte nicht zu sehr zu provozieren.

«Der Kurzfilm soll jeder Person Spass machen, egal welche politische Einstellung sie hat.»

«Und auch wenn der Film lustig gemeint ist, wollen wir das Virus nicht verharmlosen», sagt Koller.

Während des Drehs kam auch der Green-Screen zum Einsatz.

Während des Drehs kam auch der Green-Screen zum Einsatz.

Bild: PD

Seit Sommer 2021 eigene Multimedia-Firma

Koller selbst ist von Hauptberuf Regisseur. Seit diesem Sommer führt er zusammen mit drei Kollegen die Multimedia-Firma XEEH GmbH in Arbon. Während seiner Ausbildung zum Medienjournalisten war er bereits als Freelancer tätig und hat verschiedene Projekte mitproduziert. «Das Ziel der Firma ist es, irgendwann grosse Produktionen selbst zu entwickeln und realisieren», sagt er.

Auf die Frage, ob auf seinem Youtube-Kanal in Zukunft weitere solche Kurzfilme veröffentlicht werden, antwortet Koller: «Es ist noch nichts Konkretes geplant.» Mit dem Projekt «Superchief» konnte er dafür viele Erfahrungen sammeln: «Für einen nur siebenminütigen Film war der Dreh ein riesiger Aufwand.» Acht Drehtage seien insgesamt nötig gewesen. Dazu hätten ganze 35 Personen beim Projekt mitgemacht. Er sei äusserst stolz darauf, dass es ein No-Budget-Projekt sei, sagt Koller.

Ganz ohne Geld kam der Film aber trotzdem nicht aus. Die Kosten musste Koller aus eigener Tasche bezahlen. Dazu gehörten unter anderem die Spesen für die Darsteller und die Drehgenehmigungen. «Ich will künftig aber auf jeden Fall weitere Filme drehen.» Diese sollen laut Koller aber dialoglastiger und insgesamt nicht mehr so aufwendig sein. Dafür soll mehr Wert auf das Schauspiel gelegt werden.