Arbon soll wieder Arbor felix werden

Die lose Gruppierung «Arbons Grüne Lunge» will mehr Natur in die Stadt bringen. Unter anderem möchte sie 100 neue Bäume pflanzen. Ein Anfang ist gemacht.

Markus Schoch
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So wie im Schwimmbad soll es auch an anderen Orten der Stadt wieder Bäume geben.

So wie im Schwimmbad soll es auch an anderen Orten der Stadt wieder Bäume geben.

Das Ziel ist ambitiös. Aber genau das, was Experten fordern. Weil heisse Sommer wie der letzte voraussichtlich keine Ausnahme bleiben, sondern eher die Regel werden, müssen sich Städte Strategien überlegen, wie sie der Hitze und Trockenheit begegnen.

«Grundsätzlich braucht es mehr Freiräume mit Grünflächen, Schattenplätzen und frei zugänglichen Wasserelementen», schreibt Roland Hohmann vom Bundesamt für Umwelt in der neuesten Ausgabe des Magazines «Die Umwelt». Im Schatten von Bäumen sei es um bis zu 7 Grad kälter als in der Umgebung.

Sion macht es vor

Laurenz Winkler. (Bild: Markus Schoch)

Laurenz Winkler. (Bild: Markus Schoch)

Bäume seien aber nicht nur die Antwort auf die Folgen des Klimawandels, sondern würden gleichzeitig dessen Ursache bekämpfen, indem sie das Treibhausgas Kohlendioxid binden, sagt Laurenz Winkler, der mit Erica Willi zur Kerngruppe von «Arbons Grüner Lunge» gehört. Und schliesslich: Wo Bäume wachsen, ist der Boden nicht versiegelt, sodass Regenwasser versickern kann. Aus all diesen Gründen habe beispielsweise Sion den geteerten Place du Midi aufgerissen und begrünt, sagt Winkler.

In Arbon gehe die Entwicklung in die andere Richtung, bedauert Willi.

«Es sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele Bäume gefällt worden, weil sie Bauprojekten im Wege standen oder den Verkehr behinderten.»

«Das muss sich ändern», fordert Winkler. Es brauche wieder ein Bewusstsein dafür, dass Bäume Lebewesen seien und darüber hinaus wichtiger Lebensraum für Vögel und andere Tiere. «Arbon soll wieder zu Arbor felix werden, der Stadt vieler glücklicher Bäume», sagt Willi.

Initiative soll von der Bevölkerung ausgehen

Schaffen will die Gruppierung den Sprung vorwärts in die Vergangenheit mit der Bevölkerung. Die Initianten suchen Personen, die das Projekt (finanziell) unterstützen, sich dafür engagieren, einen Baum pflanzen beziehungsweise spenden oder zumindest einen geeigneten Platz kennen. Melden können sich auch Männer, Frauen oder Jugendliche, die sich als Gotte oder Götti um einen Baum in der Umgebung kümmern wollen.

Erica Willi. (Bild: PD)

Erica Willi. (Bild: PD)

«Bei der ganzen Aktion ist das Wohlwollen der Stadtverwaltung, der Stadtgärtnerei und der Stadtpolitik wesentlich», sagt Willi. In jedem Fall brauche es enge und verbindliche Absprachen mit den Betroffenen. Leicht werde es nicht, sind sich Willi und Winkler bewusst. Als grösste Herausforderung sehen sie, geeignete Standorte zu finden, wo sich ein Baum entwickeln und entfalten kann. Ein Anfang ist gemacht: Diesen Frühling haben die beiden in einem Privatgarten eine Berner Rose und eine Wildbirne gepflanzt.  

Tag der offenen Gärten und essbare Stadt

Ein weiterer Projekte von «Arbons Grüner Lunge» ist der Tag der offenen Gärten am 16. Juni, an dem die Bevölkerung Gelegenheit hat, an 23 Orten hinter den Zaun zu blicken. Das dritte Projekt läuft unter dem Titel «Essbare Stadt» und betrifft die Metzgergasse, wo eine Gruppe bereits im zweiten Jahr Säcke mit Erde aufgestellt hat, in der Kräuter und Gemüse wachsen. Die Bevölkerung kann sich bedienen.

Kontaktpersonen für das Projekt «100 neue Bäume» sind Erica Willi (071 446 67 21) und Laurenz Winkler (071 446 54 82)

100 neue Bäume für die Stadt Arbon

Eine neue Bewegung will mehr Natur in die Stadt bringen. Die lose Gruppe hat im letzten Jahr mit Pflanzsäcken in der Metzgergasse bereits ein erstes Projekt umgesetzt. Ein nächstes ist bereits geplant.
Markus Schoch