Arbon
«Seezauber» in einer transparenten Kuppel und ein Container-Dorf auf dem Hafendamm wie in Zürich: Die Stadt ermöglicht neue gastronomische Angebote am See

An fünf Standorten zwischen Fliegerdenkmal und Hotel Metropol können sich Einheimische und Auswärtige künftig direkt am Wasser verpflegen und vergnügen. Bereits in diesem Sommer sollen die ersten Restaurant- und Standbetreiber los legen.

Markus Schoch
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Begehrter Standort: Für den Hafendamm gingen die meisten Bewerbungen von Gastronomen ein.

Begehrter Standort: Für den Hafendamm gingen die meisten Bewerbungen von Gastronomen ein.

Bild: Manuel Nagel

Die Stadt hatte die Qual der Wahl. 40 Gesuche waren auf die Ausschreibung im letzten November bei ihr eingegangen. «Wir sind überrascht, wie viele sehr gute und spannende Projekte entwickelt worden sind», sagt Markus Rosenberger, Leiter Freizeit/Sport/Liegenschaften bei der Stadt Arbon. Mittlerweile hat der Stadtrat auf Empfehlung einer Jury und in Absprache mit dem Kanton entschieden, welche fünf Interessenten ihre Geschäftsidee am See realisieren dürfen. Ihr Vertrag läuft über vier Jahre.

Markus Rosenberger, Leiter Freizeit/Sport/Liegenschaften bei der Stadt Arbon.

Markus Rosenberger, Leiter Freizeit/Sport/Liegenschaften bei der Stadt Arbon.

Bild: Samuel Gafafer

Denn die Belebung der Promenade mit neuen Angeboten ist nur eine Übergangslösung, bis ein sogenannter Masterplan für die Entwicklung des gesamten Uferbereichs vorliegt. Die Erfahrungen mit der Zwischennutzung an den diversen Standorten sollen in dieses Gesamtkonzept einfliessen. Und der Stadt Anhaltspunkte geben, was funktioniert und was nicht. Konkret gibt sie folgenden Unternehmen eine Chance:

Hafendamm: Container-Dorf wie in Zürich

  • Auf der Wiese an der Spitze des Hafendamms soll auf einer Fläche von 750 Quadratmetern das Container-Dorf «Pier-Treff» entstehen, das sich vom Konzept her an «Frau Gerolds Garten» in der Stadt Zürich anlehnt. Geplant ist eine Mischung aus Streetfood-Festival, Strandbar, mediterranem Restaurant und Hafencafé. Die Idee entwickelt haben Ronny Spitzli, Unternehmer aus St.Gallen, Nico Razzino, Gastronom aus St.Gallen, und Evelyne Jung, die Präsidentin von Arbon Tourismus. Denn vorgesehen ist auch ein Infopoint für Touristen. Das Gelände befindet sich unmittelbar neben der Anlegestelle für die Ausflugsschiffe.
Visualisierung des Container-Dorfes mit Infopoint.

Visualisierung des Container-Dorfes mit Infopoint.

Bild: PD

Aussichtsplatz: «Seezauber»

  • Beim Fliegerdenkmal ist der zweitgrösste Standort mit einer Fläche von 360 Quadratmetern. Dort soll es unter dem Titel «Seezauber» Eventgastronomie in einer transparenten Kuppel geben. Allerdings nur im Winterhalbjahr von Oktober bis März, weshalb für den Aussichtsplatz auch mit Abstand am wenigsten Bewerbungen eingegangen sind. Als Betreiber tritt Daniel Schwarz aus Arbon mit seiner SchwarzWyss GmbH auf. Er will vor allem auch Firmen und Vereine ansprechen und sich ihnen für Anlässe in spezieller Umgebung anbieten.

Adolph-Saurer-Quai Höhe Jakob-Züllig-Park: «Seeliebi 9320»

  • Die kleine Wiese südöstlich von Jakob-Züllig-Park und Adolph-Saurer-Quai darf Desirée Fatzer nutzen, die in Arbon und Egnach aufgewachsen ist und aktuell als Sales Managerin in einem Hotel im Appenzellerland arbeitet. Sie hat die Jury mit ihrem Konzept «Seeliebi 9320» überzeugt. Dabei handelt es sich um einen kleinen Pop-up-Imbiss mit gesunder Verpflegung wie Toasts, Risotto oder Früchten und Beeren. Die 29-Jährige will aber auch Informationen zu Umweltschutz und Food-Waste an die Frau und den Mann bringen.
Desirée Fatzer will bei den Gästen mit gesunder Verpflegung punkten.

Desirée Fatzer will bei den Gästen mit gesunder Verpflegung punkten.

Bild: PD

Wetterstation: Kaffee und mehr

  • Bei der Wetterstation gibt es «Coffee to go by latteart.ch» von Micha Schranz. Der Barista ist seit über 20 Jahren in der Gastronomie in verschiedenen Positionen tätig. Aktuell führt er mit Seraina Christina Bichsel das Café 2 in Arbon. In Steinach hat er zudem im letzten Dezember die «Genuss Garage» eröffnet. Am See wird er den Gästen in seinem Trailer verschiedene heisse Getränke und Drinks ausschenken, so wie zuletzt am Hafen in Romanshorn.
Micha Schranz wird mit einem Trailer präsent sein.

Micha Schranz wird mit einem Trailer präsent sein.

Bild: PD

Hotel Metropol: Food-Moduling im weissen Chalet

  • Auf der seeseitigen Wiesenfläche vor dem Parkplatz neben dem Hotel Metropol werfen Pius Angehrn und Orlando Rohner von der Bilchener GmbH in Amriswil ihren Anker aus. Die beiden sind als Organisatoren der Siebenschläferparty oder als Betreiber einer mobilen Bar bekannt. In Arbon wollen sie ein weisses Chalet mit Terrasse im maritimen Ambiente aufbauen. Ihr Konzept ist Food-Moduling. Der Clou dabei: Der Gast kann sich sein Menu selber zusammenstellen. 
So oder ähnlich wollen Pius Angehrn und Orlando Rohner in Arbon bauen.

So oder ähnlich wollen Pius Angehrn und Orlando Rohner in Arbon bauen.

Bild: PD

Im Idealfall sind die ersten bereits im Sommer parat

«Wichtig war uns ein breiter Angebotsmix», sagt Rosenberger. Oberstes Ziel sei, der Bevölkerung und den rund 400'000 Velotouristen jährlich einen Mehrwert zu bieten, ohne die Nerven der Anwohner zu strapazieren. Rosenberger sagt:

«Wir wollten keine Party-Meile schaffen.»

Die genauen Öffnungszeiten der jeweiligen Angebote seien noch nicht festgelegt. «Diese und andere Fragen werden wir in den nächsten Tagen mit den Gastronomen besprechen.» Diese wüssten auch erst seit Anfang Woche von ihrem Glück.

Klar ist schon jetzt, dass alle eine Baubewilligung brauchen werden. Vorgesehen ist, dass die Unterlagen für alle fünf Standorte gleichzeitig aufgelegt werden, sagt Rosenberger. Im Idealfall können die ersten bereits im Sommer los legen. Der Zeitplan ist ehrgeizig. Aber Rosenberger ist zuversichtlich, dass es klappen könnte. Die Bevölkerung freue sich auf die Belebung des Seeufers.

«Wir hatten viele positive Rückmeldungen auf die Ausschreibung des Testbetriebs.»

Unter Umständen kehrt sogar vorübergehend wieder Leben ins «Metropol» zurück, womit es dann sogar sechs neue Gastrobetreiber auf der Flaniermeile geben könnte. Die Betreiber des «Presswerkes» haben die Erlaubnis der HRS, die Terrasse des Hotels zu nutzen.

Da es gegenwärtig nicht möglich ist, die fünf Konzepte im Rahmen einer Infoveranstaltung vorzustellen, findet sich auf www.arbon.ch der Link zu einer Videopräsentation.