Arbon
Klangkünstler Stefan Philippi ist enttäuscht: Wegen der Zertifikatspflicht muss er sein neustes Projekt nach monatelanger Vorbereitungszeit kurz vor Eröffnung absagen

Stefan Philippi zieht die Reissleine für sein Kunstprojekt «Märchen und Stöckelschuhe». Die Kontrolle der Covid-Zertifikate ist eine zu hohe Hürde. 26 Kunstschaffende haben nun das Nachsehen.

Max Eichenberger
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Der Arboner Klangkünstler Stefan Philippi vor seinem Ohrenkino in der Altstadt.

Der Arboner Klangkünstler Stefan Philippi vor seinem Ohrenkino in der Altstadt.

Bild: Max Eichenberger

Monatelang hat Stefan Philippi sein neues Kunstprojekt vorbereitet. Noch im Frühsommer war er davon ausgegangen, dass er die Veranstaltung «Märchen und Stöckelschuhe» durchführen können wird. Doch nun zieht der Initiator kurz vor der Eröffnung die Reissleine.

Die Coronamassnahmen, durch den Bundesrat letzte Woche verschärft, stoppen ihn unverhofft. Mit ihm auch 26 Künstlerinnen und Künstler sowie weitere Mitwirkende des spartenübergreifenden Kulturevents, dessen Eröffnung am kommenden Samstag geplant gewesen war. Bis zum 10. Oktober hätte sich das Publikum mit einem Mix aus Musik und Klang, Tanz und Akrobatik, Literatur und Objektkunst auseinandersetzen dürfen.

Eine überdimensionierte Schuhschachtel als Hingucker

Jetzt kommt ziemlich abrupt die Absage: «Die Zertifikatskontrolle können wir nicht stemmen. Wir bringen die Leute dafür nicht zusammen», sagt der enttäuschte Vater des visuellen und akustischen Erlebnisprojektes mit einem breiten Themenspektrum rund um sein Ohrenkino in der südlichen Arboner Altstadt. Abgesehen davon, dass bei einem derart gestörten Kommen und Gehen der Besucher mit dem Störfaktor auch der Reiz der einzelnen Vorstellungen verloren ginge.

Der entscheidende Absagegrund liegt im dezentralen Konzept mit drei geschlossenen Räumen, die bei beschränktem Zugang hätten bespielt werden sollen: dem Ohrenkino selber, dem Kappeli, und einer überdimensionierten Schuhschachtel aus Holz, die auf der Quaiwiese beim Waschplatz hätte errichtet werden sollen. Hier liesse sich die Kontrolle nicht überall gewährleisten, muss Philippi einräumen:

«Der Aufwand ist zu gross, die personellen Ressourcen sind nicht da.»

Nicht tangiert wären die Stationen mit Installationen entlang des Weges, der die drei Indoor-Veranstaltungsorte verbindet: bei der Schmiedgasse und der Weitegasse.

Ein sieben Meter grosser Stöckelschuh aus Spanplatten, der sich um die Eingangstüre des Kappeli schmiegt, ein überdimensionierter hölzerner Tetrapack und die acht mal vier Meter grosse Schuhschachtel am See, dessen Deckel die Plattform für Musik- und Tanzperformances gegeben hätte, wären für sich schon Blickfänge gewesen. Die nötigen Bewilligungen lagen vor. Jetzt wird der Aufbau gestoppt.

«Für Auge, Ohr und Hirn hätte der Event vielerlei Sinnesanregungen geboten.»

Ein Déjà-vu für Stefan Philippi. Coronabedingt ist bereits die Eröffnung des Ohrenkinos, das der Klangkünstler in eineinhalbjähriger Aufbauarbeit bei der ehemaligen Saurer-Waschanlage oberhalb der «Wunderbar» aufgebaut hatte, letzten September eher leise vonstattengegangen. «Das künstlerisch breit angelegte Projekt «Märchen und Stöckelschuhe» hätte darum auch das Ohrenkino bekannter machen sollen», erhoffte sich Philippi so etwas wie eine zweite Zündung.

Investition nicht für die Katz

Klein bei gibt er trotz der momentanen Enttäuschung nicht: «Wir werden das Projekt voraussichtlich zwischen Ostern und Pfingsten im nächsten Jahr nachholen.» Einen Zweck hat es bereits jetzt erfüllt: Arboner Künstler und Kulturschaffende für eine gemeinsame Sache zu begeistern und zusammenzubringen.

«Mir ist es ein Anliegen, mit anderen Menschen, die künstlerisch in verschiedenen Bereichen tätig sind, etwas Kreatives auf die Beine zu stellen und das breite Spektrum sichtbar zu machen. Das Potenzial in Arbon ist nämlich beachtlich», findet Stefan Philippi. Der ganze Entstehungsprozess sei auch diesmal wieder spannend gewesen. «Am liebsten sind mir die Geschichten die während der ganzen Entwicklungsphase passieren. Die sind sehr fruchtbar.»

Darum sei nicht verloren, was die Beteiligten an Aufwand, Zeit und Herzblut investiert haben. Philippis Fokus richtet sich jetzt auf das nächste Jahr.