Noch ein Trumpf im Seilziehen um das Historische Museum des Kantons Thurgau: Das Schweizer Spielmuseum möchte in Arbon einen Zweigbetrieb eröffnen

Arbon nennt sich seit kurzem selbstbewusst Museumsstadt. Und das ist mehr als eine Worthülse. Das Angebot könnte demnächst noch grösser werden.

Markus Schoch
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Die ehemalige Webmaschinenhalle wäre als Standort für das Historische Museum und das Spielmuseum denkbar.

Die ehemalige Webmaschinenhalle wäre als Standort für das Historische Museum und das Spielmuseum denkbar.

)Bild: Max Eichenberger)

Bis jetzt ist es erst ein loser Kontakt, den die Wochenzeitung «Felix» kürzlich publik gemacht hat. Und ob daraus mehr wird, muss sich zeigen. Das Schweizer Spielmuseum mit Sitz in La Tour-de-Peilz zwischen Vevey und Montreux am Genfersee möchte mit einem Zweigbetrieb nach Arbon kommen.

Es ist der zweite Versuch, in der Deutschschweiz Fuss zu fassen. Vor vier Jahren nahmen die Verantwortlichen einen ersten Anlauf, als sie darauf hinarbeiteten, einen Teil der Exponate im Romanshorner Kornhaus zu zeigen. Doch das Projekt verlief aus verschiedenen Gründen im Sand.

Organisatorische und finanzielle Probleme in Romanshorn

Zum einen hätte das Spielmuseum immer wieder Platz machen müssen für grosse Wanderausstellungen, was mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen wäre. Und zum anderen waren die Finanzen ein Knackpunkt. Kornhaus-Besitzer Peter Schnückel sah sich ausser Stande, mindestens 2,5 Millionen in die Infrastruktur zu investieren. Gleichzeitig war die Stadt Romanshorn nicht bereit, Hunderttausende von Franken für den Umbau der Räumlichkeiten bereit zu stellen und später Betriebsbeiträge zu zahlen – egal in welcher Höhe.

Es war die Zeit, als in der Hafenstadt Sparen das dominierende Thema war. Bei Kulturveranstaltern vor Ort den Rotstift anzusetzen und gleichzeitig Geld für ein Museum aus der Westschweiz locker zu machen – das wäre in der Bevölkerung nicht gut angekommen.

Museumsleiter zeigt sich zuversichtlich

Monopoly-Tournier im Spielmuseum.

Monopoly-Tournier im Spielmuseum.

8Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

In Arbon ist die Situation nicht viel anders: Sparen ist ein Dauerthema, trotz der guten Rechnungsabschlüsse der letzten beiden Jahre. Die Schulden sind immer noch hoch, und der Steuerfuss ist es auch. Für Ulrich Schädler, den Leiter des Spielmuseums, ist diese schwierige Ausgangslage kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. «Eine Unterstützung durch die öffentliche Hand wäre natürlich wünschenswert.» Dabei denke er aber nicht an 700'000 Franken, die das Museum in La Tour-de-Peilz jährlich von der Gemeinde erhalte. Nötig wäre seiner Meinung nach nur ein Bruchteil.

«Wir würden die Ausstellungen weiter am Hauptsitz konzipieren und bräuchten vor Ort entsprechend wenig Personal.»

Denkbar seien statt direkter Subventionen durch die Stadt auch Sach- und Dienstleistungen wie günstige Mietkonditionen. Klar sei jedoch, dass sich der Betrieb mit den Eintrittsgeldern alleine nicht finanzieren lassen würde. «Wir brauchen Sponsoren. Mit einem guten und klugen Konzept lassen sie sich sicher finden», sagt Schädler.     

Diezi will Entscheid zum Historischen Museum abwarten

Stadtpräsident Dominik Diezi hat sich zwar nach eigener Aussage über die Anfrage aus der Westschweiz gefreut. Eingehend mit dem Projekt befassen will er sich aber nicht, solange unklar ist, wie es mit dem Historischen Museum weiter geht, für das der Kanton einen neuen Standort sucht. Die Arboner würden die Sammmlung oder zumindest Teile davon bekanntlich gerne an den Bodensee holen, die Frauenfelder möchten den Schatz bekanntlich um jeden Preis bei sich behalten.

Einen Grundsatzentscheid in dieser Frage will der Regierungsrat diesen Frühling fällen. In Arbon steht nebst dem Schloss auch die ehemalige Webmaschinenhalle der Firma Saurer im WerkZwei als Ausstellungsraum zur Diskussion. Sie ist mit 8000 Quadratmetern so gross, dass es Platz hätte für andere Mieter – etwa für das Spielmuseum mit Bedarf für höchstens 600 Quadratmeter.

Spielmuseum

Ausstellungen, Turniere, Workshops

Spielmuseum Das Spielmuseum ist seit 1987 im Schloss von La Tour-de-Peilz untergebracht. Im Dachgeschoss sind historische Spiele ausgestellt, das Erdgeschoss dient Veranstaltungen und ist Austragungsort diverser Spiele-Meisterschaften. Es werden auch Workshops angeboten. (mso)

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