Arbon hebt Zebrastreifen auf

Und zwar in Tempo-30-Zonen. Gleichzeitig wird eine Forderung nach griffigen Geschwindigkeitskontrollen laut.

Max Eichenberger
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Wird aufgehoben: Fussgängerstreifen auf der Hauptstrasse beim Lindenhof/Römerhof. (Bild: Max Eichenberger)

Wird aufgehoben: Fussgängerstreifen auf der Hauptstrasse beim Lindenhof/Römerhof. (Bild: Max Eichenberger)

Der grosse Wurf wird es nicht werden, was im November auf Verkehrsflächen der Altstadt umgesetzt wird, dämpft Stadtpräsident Dominik Diezi Erwartungen. Vor einem Jahr hat das in zäher Arbeit aufgespurte Projekt «Aufwertung der Altstadt» beim Stimmvolk keine Gnade gefunden. Es scheiterte als Kompromisspaket im Widerstreit verschiedener Interessen. Den einen erschien es zu halbherzig, andern ging es zu weit. Zudem spielten die Kosten eine Rolle, obschon die Stadt von Agglomerationsgeldern profitiert hätte.

Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon. (Bild: Reto Martin)

Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon. (Bild: Reto Martin)

Beim Status quo soll es allerdings nicht langfristig bleiben, will sich der neue Stadtrat bald einmal um die Pendenz kümmern. «Wir wollen den Faden einer Aufwertung der Altstadt wieder aufnehmen und wenn es möglich ist eine neue Verkehrsreglung im Sinne eines Kompromisses finden, mit der alle einigermassen leben können», kündigte Diezi an einer Informationsveransaltung zu Tempo-30-Fragen an. Das Gespräch mit dem Kanton, der ein wichtiges Wörtchen mitrede, sei aufgegleist. Dabei versuche man, «auch kreative Ideen aufzunehmen, die wir bis jetzt vielleicht noch nicht auf dem Radar hatten».

«Vortritt geregelt, Sicherheit nicht»

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Vorerst ist die Stadt gehalten umzusetzen, was schon seit längerer Zeit beschlossen und rechtskräftg ist: Das sind Verkehrsmassnahmen in Tempo-30-Zonen der Altstadt und im Bereich des Quartiers Bergli Süd. Primär geht es um die Aufhebung von Fussgängerstreifen. Diese würden lediglich den Vortritt regeln, was aber nicht gleichzeitig bedeute, dass sie auch sicher seien, zieht Rainer Heeb von der Abteilung Tiefbau entsprechendes Datenmaterial der Beratungstelle für Unfallverhütung heran. Selbst im Bereich von Schulhäusern oder Heimen, wo Fussgängestreifen – allerdings nur als Ausnahmeregelung - möglich wären.

Die Stadt sieht konsequenterweise davon ab und entfernt gelbe Zebrastreifen, wo sie noch bestehen und die Verkehrsfrequenzen mässig sind. So entfalle auch der Zwang, Fussgängerstreifen innerhalb von fünfzig Metern zu benützen, um die Strasse zu queren. Heeb zufolge werden die Übergänge beim Kindergarten Brühlstrasse, beim Rebenschulhaus 4, an der Rebenstrasse bei der Alterssiedlung, bei der Hauptstrasse (Römerhof/Denner) und bei der katholischen Kirche St. Martin aufgehoben. Mitunter seien die Sichtverhältnisse ein Problem oder die mangelnde Beleuchtung.

«Beim tieferen Geschwindigkeitsniveau und reduziertem Verkehrsaufkommen in Dreissiger Zonen ist man in der Lage, überall die Strasse zu überqueren, zumal Fussgänger gerne den kürzesten Weg benützen»,

sagt Verkehrsplaner Patrick Brunschwiler.

Durch Poller eingeengt

Wo jetzt Fussgängerstreifen aufgehoben werden, würden Fahrbahnübergänge durch Poller oder andere Massnahmen eingeengt. Das soll zudem eine Reduktion der Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs bewirken, sagt Planer Rinaldo Deganello. Doch zwingend seien aber auch polizeiliche Kontrollen in Tempo-30-Zonen nötig, die es heute nicht gebe, so die unüberhörbare Forderung aus dem Publikum. Überwiegend werde deutlich zu schnell gefahren. Zudem wälze sich heute noch zuviel quartierfremder Verkehr durch die Stadt. Stadtpräsident Dominik Diezi verspricht, mit der Polizei hier zu liefern zu wollen. Dass minimalistische Pfosten und Schotter keine Gestaltungsvision sind, wurde in der Diskussion deutlich. Gemäss DBU-Generalsekretär Marco Sacchetti würden die Massnahmen in einem Jahr überprüft: «Da können sich durchaus noch Anpassungen ergeben.»