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«Es ist so schade, auch wegen der Tierli»: Die SBB schneiden mitten im Sommer Schilf und bringen eine Anwohnerin zum Verzweifeln

Die Bundesbahnen haben in den letzten Tagen einen 200 Meter langen Schilfgürtel in einem Wassergraben bei der Haltestelle Seemoosriet mähen lassen. Remy Heckly bittet die Verantwortlichen seit Jahren vergeblich um mehr Rücksicht auf die Natur. Bitter für sie: Ein paar Meter entfernt wächst das Röhricht weiter am Bahnbord. Trotzdem gibt es Grund zur Freude für Heckly.

Markus Schoch
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Der Wassergraben bei der SBB-Haltestelle Seemoosriet: Der Schilf ist weg.

Der Wassergraben bei der SBB-Haltestelle Seemoosriet: Der Schilf ist weg.

Bild: Markus Schoch

Es ist schon wieder passiert. Vor ein paar Tagen haben Mitarbeiter eines Forstunternehmens das Bahnbord im Bereich der SBB-Haltestelle Seemoosriet gemäht und dabei auch das Schilf nicht verschont, das dort auf der ganzen Länge des Perrons wächst. So als hätte Remy Heckly sie beziehungsweise deren Auftraggeber nie darum gebeten, Mitten im Sommer die Finger vom Röhricht zu lassen.

Tatsächlich versucht Heckly seit langem, die Verantwortlichen dazu zu bringen, den rund 200 Meter langen Gürtel im Wassergraben am Fuss des Bahnbords während der Vegetationsperiode stehen zu lassen. Bis jetzt allerdings ohne Erfolg. Und dabei hatte ihr der zuständige Sachbearbeiter schon vor drei Jahren versprochen, sich um die Sache zu kümmern. Es blieb beim Lippenbekenntnis.

Das Problem besteht erst seit ein paar Jahren

Dieses Jahr sei der Anblick des Schilfs besonders schön gewesen, sagt Heckly. In einem satten Grün habe er sich präsentiert.

«Mein Mann und ich haben noch Vorabend beim Abendessen darüber geredet. Und ich nahm mir vor, ein Foto zu machen.»
Kein schöner Anblick.

Kein schöner Anblick.

Bild: Markus Schoch

Daraus ist nichts geworden. Am nächsten Morgen lag die ganze Pracht am Boden. Schon ganz früh hätten Männer damit begonnen, den Schilf zu mähen. Das Schnittgut ist mittlerweile weg. Die Reste haben sich braun verfärbt. Kein schöner Anblick, sagt Heckly. «Es ist so schade, vor allem auch wegen der vielen Tierli, die ihren Lebensraum verloren haben.»

Heckly wohnt seit 27 Jahren an der Seeblickstrasse. Die längste Zeit sei der Schilf im Wassergraben vor ihrem Fenster jeweils im Frühling bodeneben abgeschnitten worden, so wie es üblich sei. Etwa vor fünf Jahren sei es dem Röhricht erstmals im Sommer an den Kragen gegangen. Und seither sei das der Zeitpunkt für den Schnitt geblieben. Heckly hat sich in ihrer Verzweiflung auch schon an die Stadt gewandt. Doch dort kann man ihr nicht helfen. Der schmale Streifen mit dem Wassergraben befinde sich auf Gelände der SBB, heisst es auf Anfrage. Sie bestimme allein, wann und durch wen der Schilf geschnitten werden. «Der Stadt kommt in dieser Sache keine Rolle zu.»

Gegen den Wald im Simishözli ist der Schilf stehen geblieben.

Gegen den Wald im Simishözli ist der Schilf stehen geblieben.

Bild: Markus Schoch

Nicht weit weg wächst weiter Schilf

Bitter für Heckly: Der Schilfgürtel westlich der Haltestelle zwischen Veloständer und dem Wald im Simishölzli ist stehen geblieben. Es ist aber nicht so, dass die Mitarbeiter der Gleisbaufirma nicht zugekommen wären, weil das angrenzende Gelände eine grosse und eingezäunte Baustelle der Firma Bressan ist. Denn das Bahnbord zwischen Schilfgürtel und Gleis ist gemäht.

Warum das Schilf in diesem Bereich weiter wachsen kann, lässt sich leicht erklären: Gemäss internen Weisungen der SBB darf es nur im Winter geschnitten werden. Diese Bestimmung gilt eigentlich auch für den Schilfgürtel vor der Wohnung von Remy Heckly, teilen die SBB auf Anfrage mit. Weshalb das Mähverbot für den Sommer nicht beachtet worden ist, lässt sich nach Angaben der Bundesbahnen nicht nachvollziehen. «Wir entschuldigen uns auf jeden Fall für diesen Fehler», sagt Fabienne Egi von der SBB-Medienstelle. Heckly darf sich also trotz Ärger freuen - aufs nächste Jahr.

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