«So können wir nicht offen halten» – nach 20 Jahren ist die Zukunft des Arboner Infocenters ungewiss

Der Stadtrat hat die Leistungsvereinbarung mit Arbon Tourismus gekündigt. Den neuen Vertrag will der Vorstand nicht unterschreiben.

Tanja von Arx
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Die Zukunft des Infocenters ist ungewiss. (Bild: Nana do Carmo)

Die Zukunft des Infocenters ist ungewiss. (Bild: Nana do Carmo)

«Das isch absurd.» Und zwar ein Ort, der eine Stadt der weiten Horizonte sein möchte, und dies ohne eigenes Infocenter. «Mer cha au mitem Holzhammer alles churz und chli schloh...», schreibt eine Anwohnerin auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Arbon, wenn...». Dort geht es zur Zeit hoch zu und her. Das Thema: Ein Aus des Infocenters Arbon Tourismus in der Altstadt.

«Wir werden uns weigern»

Das Szenario eines Niedergangs umreisst zur Zeit Arbon-Tourismus-Präsident Kaspar Hug in den Medien. Wie er auf Anfrage sagt, hat der Vorstand vor kurzem gar einstimmig entschieden, dass er den neuen Vertrag mit der Stadt per Januar 2020 nicht unterschreiben wolle. Dies, nachdem der Stadtrat die Leistungsvereinbarung von 2007 gekündigt hat. «Wir warten ab, bis wir mit der neuen Stadtregierung zusammensitzen können.» Die Einzelheiten würden an der Hauptversammlung vom 10. April besprochen, sagt Hug.

Kaspar Hug, Präsident Arbon Tourismus. Bild: Max Eichenberger

Kaspar Hug, Präsident Arbon Tourismus. Bild: Max Eichenberger

Der Grund laut dem Präsidenten: Von vormals 75'000 Franken würde der städtische Beitrag auf lediglich 25'000 Franken gekürzt, sprich auf einen Drittel.

«So können wir nicht offen halten. Es gilt drei Löhne für Teilzeitbeschäftigte zu zahlen.»

Auch Steinach hat denn in der Folge den Leistungsvertrag vorsorglich gekündigt, wie dem Amtsblatt zu entnehmen ist. Arbon Tourismus finanziert sich in erster Linie über vier Gemeinden: Neben der Stadt Arbon mit dem besagten Betrag von 75'000 Franken zahlt Steinach 7000 Franken pro Jahr, ebenso wie Roggwil, und Egnach übernimmt schliesslich 9000 Franken. Den Rest der Kosten trägt der Verein Arbon Tourismus selbst.

«Jetzt wird alles in Romanshorn abgewickelt»

Kaspar Hugs Fazit: Nur noch bis Ende 2020 sei der Betrieb somit gesichert, und das mit Einschränkungen. «Wir brauchen zwischen 160'000 und 170'000 Franken jährlich, damit die Rechnung aufgeht.» Was Hug besonders aufstösst: Seiner Auffassung nach fliessen die «restlichen» 50'000 Franken an Thurgau Tourismus.

Wie weitum bekannt ist, wurde deren Hauptsitz kürzlich von Amriswil nach Romanshorn verlegt mit dem Ziel, die Region Oberthurgau aufzuwerten. «Das ist natürlich gut. Aber was haben wir davon, wenn alles in Romanshorn abgewickelt werden soll», sagt Hug. Arbon Tourismus sei nahe bei den Leuten und erbringe wichtige Leistungen für Tagestouristen und die Bevölkerung. «Dazu kommt, dass im städtischen Budget auch noch jährliche Mitgliederbeiträge an Thurgau Tourismus von 14'000 Franken eingerechnet sind. Und dass die Beiträge schon von vormals 125'000 Franken auf 75'000 Franken gekürzt wurden.»

«Das ist eine gezielte Desinformation»

Das sieht Stadtpräsident Andreas Balg etwas anders. «Kaspar Hug liefert eine gezielte Desinformation.» Unvollständige Angaben in seiner Darstellung würden ein falsches Bild vermitteln.

«Die 50'000 Franken, von denen die Rede ist, fliessen ins Pilotprojekt eines regionalen Tourismuskonzepts.»

Das mit dem Zweck, dass die Mittel im Oberthurgau adäquat und nutzbringender verteilt würden. Balg stellt klar: «Es gehen nicht 50'000 Franken nach Romanshorn.»

Andreas Balg, Stadtpräsident. Bild: Donato Caspari

Andreas Balg, Stadtpräsident. Bild: Donato Caspari

Laut Balg würde sich dieser zweijährige Versuchsbetrieb, den Thurgau Tourismus in Romanshorn steuere und evaluiere, für Arbon im Gegenteil sogar auszahlen. «Über eine Zusammenarbeit mit Kanton und Bund stehen der Stadt letztlich vermutlich etwa doppelt so viele Mittel zur Verfügung.» Es gehe im laufenden Pilotbetrieb auch um weitere Dienstleistungen. «Diese werden gewinnorientiert koordiniert auf den Ebenen kommunal, lokal, regional und kantonal.»

«Im Städtli sind sogar drei Standorte angedacht»

Laut Adrian Braunwalder, Leiter Produktmanagement und Gästeinformation bei Thurgau Tourismus, soll auf Basis des Versuchsbetriebes ein zukunftsträchtiger Prototyp entwickelt werden. «Im sogenannten Projekt DMO 2023 stehen die Bereiche regionales Produktmanagement und Koordination von Gästeinformation im Fokus.» Für Arbon seien denn auch statt wie bisher nur einer drei Tourismus-Standorte angedacht, um den Kontakt und die Nähe zu den Gästen herzustellen. «Neben einer Kooperation mit Arbon Tourismus wird auch eine mit den Betreibern des Kiosks am Hafen und dem Möhl-Museum angestrebt.» Die Überlegungen dahinter: Auf dem Bodensee-Radweg bewegen sich jährlich rund 300'000 Velofahrer und viele Gäste kommen über den Seeweg nach Arbon. «Wir wollen zwar regional denken, uns aber lokal, mit den touristischen Leistungsträgern, für ein starkes Angebot einsetzen.»

Hug möchte ergänzen: «Balgs Aussage zu den 50'000 Franken stimmt nicht ganz.» Die Stadt zahle diesen Betrag an Thurgau Tourismus «und davon fliessen Gelder wieder zurück». Da in Arbon drei Infopoints angedacht seien, werde für Arbon Tourismus ein Betrag von logischerweise weniger als der Hälfte übrig bleiben.

«Die Frage stellt sich einfach: Was ist der Service Public von Arbon Tourismus der Stadt wert und was darf er kosten?»

Solche Erwägungen seien massgebend für einen Entscheid darüber, ob das Infocenter bestehen bleibe oder nicht.

Summerdays-Tickets und Museumsführungen

Das Infocenter in der Arboner Altstadt gibt es schon seit zwanzig Jahren. Im Büro bieten drei Angestellte Stadt- und Sonderführungen etwa für das Saurer Museum an, sie organisieren den Oster- und Christkindlimarkt sowie vier weitere Flohmärkte. Auch Badi-Abos und Tickets für Veranstaltungen wie den Lälleobig, das Summerdays oder das Sinfonische Orchester werden verkauft, ebenso Tageskarten rund um die Gemeinde. Ausserdem ist Arbon Tourismus Anlaufstelle für Tagestouristen und vor allem für die Arboner selbst. Darunter fallen Ausflugstipps oder Erläuterungen zu Schiffs- respektive SBB-Fahrplänen. (tva)

DMO 2023: Bund und Kanton unterstützen ein visionäres Projekt

Ab 2016 haben Sitzungen für eine Neuorganisation von Arbon Tourismus stattgefunden. Hintergrund: Touristische Leistungsträger fühlten sich in der überkantonalen Vermarktung nicht ausreichend vertreten und erkannten zu wenig Mehrwert. Viele stellen Beiträge an verschiedene Organisationen mit teils sich überschneidenden Aufgaben und gleichen Zielgruppen. «Vor dem Hintergrund der Frankenstärke und des Drucks auf die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Tourismus ist das kontraproduktiv», heisst es von Seiten Thurgau Tourismus. Die Regionalplanungsgruppe, die kantonale Tourismusfachstelle sowie die Städte Arbon und Romanshorn haben ihre Ideen in einem Businessplan umgesetzt. Mit dem Projekt DMO 2023 sollen nun ein regionales Produktmanagement und die inhaltliche Führung von Tourismus-Infostellen durch Thurgau Tourismus wahrgenommen werden, in einem ersten Schritt über den Aufbau eines Prototyps für den Oberthurgau. Der Kanton respektive der Bund unterstützt die Pilotphase finanziell. Nutzen versprechen sich die Verantwortlichen etwa durch Synergien bei der digitalen Gästeinformation, die Vertretung der Region auf Kantonsebene oder die Schaffung von vermarktbaren Erlebnissen um Tages- und Übernachtungsgäste zu gewinnen. (tva)

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