Arbon
Die Stadt will mehr Platz für Industrie und Gewerbe schaffen: An diversen Orten schiebt sie dem Wohnungsbau einen Riegel

Arbon soll nicht zur Schlafgemeinde werden. Der Stadtrat hat deshalb bei der Überarbeitung des Zonenplans die Weichen teilweise nochmals neu gestellt.

Markus Schoch
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Das Gebiet Brunewies soll eine reine Arbeitszone werden.

Das Gebiet Brunewies soll eine reine Arbeitszone werden.

Bild: Reto Martin

Die Ortsplanungsrevision ist vor fünf Jahren mit dem Entwicklungsleitbild gestartet und geht in die nächste Runde. Seit Freitag liegen die Änderungen an den bisherigen Plänen öffentlich auf. Am Mittwoch und Donnerstag stellten die Verantwortlichen die überarbeiteten Grundlagen der Bevölkerung an zwei Informationsveranstaltungen vor. Dass sich die Öffentlichkeit nochmals inhaltlich zu einzelnen Punkten des Zonenplans, des Richtplans und des Baureglements äussern könne, habe verschiedene Gründe, sagte Stadtpräsident Dominik Diezi.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

Bild: Ralph Ribi

Zum einen habe die Stadt die neue Rechtssprechung im Bereich des Ortsbildschutzes berücksichtigt und teilweise auf Einsprachen und Einwendungen reagiert, die nach der öffentlichen Auflage beziehungsweise Bekanntmachung im Frühling 2019 eingegangen waren. Zum anderen hätten er und seine Kollegen vereinzelt eigene Akzente setzen wollen, sagte Diezi. Der vor zwei Jahren komplett erneuerte Stadtrat hatte das Geschäft vor zwei Jahren von den Vorgängern übernommen, die das Paket fixfertig geschnürt und der Bevölkerung ein erstes Mal unterbreitet hatten. Die Nachfolger mit Diezi an der Spitze waren nicht mit allem einverstanden.

Arbeitszonen statt Mischzonen

Stadtentwicklerin Fabienne Egloff.

Stadtentwicklerin Fabienne Egloff.

Bild: PD

«Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass Arbon nicht zur Schlafstadt wird», sagte Diezi am Donnerstagabend vor rund 30 Besuchern im Seeparksaal. Das Problem: In Mischzonen, wo grundsätzlich auch für Industrie und Gewerbe Platz ist, entstehen am Schluss meistens Wohnhäuser, wie die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt habe. Grund: Die Rendite ist besser. Diese Entwicklung möchte der Stadtrat jetzt in neue Bahnen lenken, indem er gewisse Mischzonen zu reinen Arbeitszonen erklären will.

Beispiele dafür sind die Gebiete Winzelwies/Brunewis in Steineloh oder das Rietli in Stachen, wo die Spange Süd geplant ist, deren Bau die Stadt bekanntlich wieder eine höhere Priorität einräumt. Am See in Staudershüser war es der Wunsch der AFG, das Gelände weiter ausschliesslich gewerblich nutzen zu können, wenn V-Zug die Produktion nach Sulgen verlagert hat, sagte Stadtentwicklerin Fabienne Egloff.

Baulücke schliessen

Die landwirtschaftlich genutzte Wiese gegenüber dem «Frohsinn» soll zu Siedlungsgebiet werden.

Die landwirtschaftlich genutzte Wiese gegenüber dem «Frohsinn» soll zu Siedlungsgebiet werden.

Bild: Markus Schoch

Schliessen will der Stadtrat die Baulücke an der Romanshornerstrasse zwischen der Zelg- und Werftstrasse. Die Parzelle liegt heute in der Landwirtschaftszone und soll zum Siedlungsgebiet werden. Oben ist eine Mischzone angedacht, im unteren Bereich soll es dereinst eine Wohnzone mit höherer Dichte geben, sagte Hanspeter Woodtli vom Büro Strittmatter Partner.

Der Adolph-Saurer-Quai soll in die Touristik- und Freizeitzone zu liegen kommen.

Der Adolph-Saurer-Quai soll in die Touristik- und Freizeitzone zu liegen kommen.

Bild: Donato Caspari

Der Adolph Saurer Quai soll in die Touristik- und Freizeitzone zu liegen kommen. «Das eröffnet gewisse Optionen», sagte Woodtli. Der Hafendamm ist neu im Baureglement ausdrücklich erwähnt als Ort, wo mässig störende Bauten und Anlagen beispielsweise für Gastronomie erlaubt sind.

Bessere Handhabe im Kampf gegen Steingärten

Verhindern möchte der Stadtrat ausserdem, dass Lebensraum für Pflanzen und Tiere verschwindet, weil Hauseigentümer einen (ökologisch wertlosen) Steingarten anlegen. Die Vorschrift für eine naturnahe Begrünung der Umgebung soll neu auch für Altbauten gelten.

Hanspeter Woodtli vom Büro Strittmatter Partner AG. Bild: Nana do Carmo

Hanspeter Woodtli vom Büro Strittmatter Partner AG.
Bild: Nana do Carmo

Keine Änderungen sind im Bereich des ehemaligen Hotel Metropol vorgesehen, sagte Stadtentwicklerin Egloff auf eine Frage aus dem Publikum. Die Arboner werden voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren über den überarbeiteten Rahmennutzungsplan abstimmen können.