Arbon
Die Stadt hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt: Sie nimmt jetzt die Wünsche der Bevölkerung für die Aufwertung der Altstadt ernst

Wie soll das historische Zentrum attraktiver werden? Im Herbst kann sich die Bevölkerung zu möglichen Massnahmen äussern. Zur Diskussion steht unter anderem eine Begegnungszone. Es gehe in die richtige Richtung, sagt Reto Gmür, der vor drei Jahren auf die Barrikaden gestiegen war.

Markus Schoch
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Der Fischmarktplatz in der Altstadt.

Der Fischmarktplatz in der Altstadt.

Bild: Ralph Ribi

Im zweiten Anlauf soll es klappen. Vor bald drei Jahren lehnten die Arboner einen Projektierungskredit über rund 2,7 Millionen Franken zur Aufwertung der Altstadt ab. Mittlerweile haben Vertreter des Schweizer Raumplanungsverbands EspaceSuisse im Auftrag der Stadt betroffene Hauseigentümer und Gewerbetreibende zu einer Umfrage eingeladen und mit beiden im Mai je einen Workshop durchgeführt. Ziel: Antworten auf die Frage finden, wie der historische Ortskern attraktiver gestaltet werden könnte. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Die neue Stossrichtung ist im wesentlichen auch die alte des Konzeptes, das 2018 an der Urne scheiterte. «Die damaligen Ideen waren zu 80 bis 90 Prozent richtig und stimmig für Arbon», sagt Paul Dominik Hasler vom Netzwerk Altstadt/EspaceSuisse. Früher wie heute heisst das Ziel: Die Arboner Altstadt soll als Begegnungszone mit Tempo 20 ein lebendiger und schön gestalteter Ort werden, wo man gerne wohnt, bummelt, einkauft und ins Restaurant geht. «Mehr Stimmung und Qualität soll spürbar werden», sagt Hasler. Es sei aber klar, dass sie nicht einfach alten Wein in neuen Schläuchen auftischen würden. Das neue Massnahmenpaket werde kein reines Bauprogramm mehr sein, sondern auch strukturelle und organisatorische Veränderungen enthalten und in einen grösseren Kontext eingebettet sein.

Arbon kann sich keinen jahrelangen Streit mehr leisten

Vor allem müsse es jetzt schnell gehen, sagt Hasler. Das Gleichgewicht in der Altstadt sei labil. Es brauche deshalb Sofortmassnahmen, die verhindern würden, dass eine Abwärtsspirale in Gang komme. Arbon könne es sich nicht leisten, nochmals drei Jahre darüber zu streiten, was der beste Weg sein könnte, wie die Altstadt zur neuen Blüte komme. Diese Einsicht habe sich bei allen Beteiligten durchgesetzt. Hasler ist zuversichtlich, in ein paar Wochen einen Katalog mit Lösungsvorschlägen zu präsentieren, mit denen die meisten leben können. «Wir haben begriffen, was gewünscht wird und machbar ist.» Heisst zum Beispiel: Es wird Schritt für Schritt vorwärts gehen müssen, sodass sich die finanzielle Belastung verteilt.

Inhaltlich lässt sich im Moment noch nichts sagen. Die Stadt und EspaceSuisse werden voraussichtlich erst im Herbst die Öffentlichkeit über die konkreten Pläne informieren. Die Bevölkerung erhalte dann die Möglichkeit, «die erarbeiteten Massnahmen zu beurteilen, zu ergänzen und zu schärfen», heisst es in einer Mitteilung der Stadt. «Ziel ist eine positive Stimmung und ein Aufbruch für ein prosperierendes Arbon und eine Perspektive in die Zukunft.»

Gmür: Es geht in die richtige Richtung

Reto Gmür.

Reto Gmür.

Bild: Andrea Stalder

Es sei zwar bei den Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten «nicht wahnsinnig viel Neues» herausgekommen, sagt Reto Gmür, der als einer der damaligen Wortführer die Vorlage zur Aufwertung der Altstadt bekämpft hat. Und trotzdem sei er zuversichtlich, «dass wir jetzt einen Schritt vorwärts kommen». Denn die Stadt habe aus den Fehlern gelernt, die dazu geführt hätten, dass die Bevölkerung vor drei Jahren Nein zum Kredit gesagt habe. Anders als 2018 liege der Fokus nicht mehr allein auf der Hauptstrasse, und die Bewohner könnten sich diesmal mit eigenen Ideen in die Diskussionen einbringen.

«Ein Vorschlag ist, dass sie die Gassen selber gestalten können sollen.»

Gmür begrüsst diese neue Offenheit sehr. Hasler ist zuversichtlich, dass Arbon die Kurve noch kriegt. «Wir haben einen guten Konsens im Moment.» Auch sei die Stadt schon jetzt hervorragend aufgestellt. Es gehe nun nicht zuletzt darum, zu klären, welche Funktionen welcher Ortsteil übernehme und wie man sich zwischen den verschiedenen Zentrumsbereichen bewege.

Die Auswertung der Umfrage bei Grundeigentümern und Gewerbetreibenden sowie weitere Informationen zur Entwicklung der Altstadt sind online unter www.arbon.ch/altstadt zu finden.