Arbon
Die «Riva»-Gegner irren sich: Bei einem Nein zu den geplanten Hochhäusern ist das «Metropol»-Gelände für die Öffentlichkeit wahrscheinlich verloren

HRS als Grundstückbesitzerin müsste sich bei einem neuen Projekt nichts mehr von der Stadt vorschreiben lassen. Sie könnte einfach etwa 50 Wohnungen bauen – ohne Restaurant, Bar oder Hotelzimmer.

Markus Schoch Jetzt kommentieren
Drucken
Teilen
Visualisierung der beiden Hochhäuser am Seeufer in Arbon.

Visualisierung der beiden Hochhäuser am Seeufer in Arbon.

Bild: PD

Jürg Niggli liess kein gutes Jahr am «Riva» und dem Immobiliendienstleister HRS. Dieser sei von Spekulanten geführt, die das «Metropol» vor fünf Jahren ohne Not geschlossen hätten und mit der Bretterwand rund ums Hotel bewusst Druck auf eine Veränderung aufsetzen würden, sagte er an einer Podiumsdiskussion bei der SP am Dienstagabend. Zudem locke die Firma die Arboner mit falschen Versprechungen in die Irre. Die beiden geplanten Hochhäuser würden den Blick auf den See mehr versperren als das «Metropol» es heute tue.

Jürg Niggli.

Jürg Niggli.

Bild: Michel Canonica

Der Präsident der gegnerischen Interessengemeinschaft zitierte auch diverse namhafte Architekten und Städteplaner, die gar nichts von Hochhäusern halten. «Auch ich sehe im konkreten Fall absolut keinen Nutzen für Arbon», sagte Niggli. Im Gegenteil: Die über 40 Meter hohen Gebäude würden das geschützte Ortsbild zerstören. Das Projekt sei deshalb eigentlich gar nicht bewilligungsfähig.

«Der Bau eines solchen Kolosses in einem solch sensiblen Gebiet ist unzulässig.»

Und dieser Tatsache müsse sich früher oder später auch HRS beugen.

Vorwurf: Stadtrat lässt sich von HRS den Tarif diktieren

Dass «Riva» trotzdem immer noch ein Thema sei, habe mit dem fehlenden Rückgrat des Stadtrates und seinem «Hüst und Hott» zu tun, kritisierte Niggli. HRS sei faktisch der sechste Mann in der Arboner Regierung und diktiere der Behörde, was sie zu tun habe und was nicht. Gut könne das nicht kommen für die Allgemeinheit: «Ein Investor hat nur die eigene Rendite im Auge, und nicht das Wohl der Bevölkerung.»

Cyrill Stadler.

Cyrill Stadler.

Bild: Donato Caspari

Cyrill Stadler und Roman Buff als Befürworter des Riva warfen Niggli vor, Polemik zu betreiben. «Riva» sei als Siegerprojekt aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen, riefen die beiden in Erinnerung. Die hochkarätige Jury habe die Grundrisse der beiden Hochhäuser genau an diesem sensiblen Ort aus städtebaulichen Überlegungen für schlichtweg brillant befunden, was nicht einfach unter den Tisch gewischt werden könne. Alle anderen neun Wettbewerbsteilnehmer hätten weit weniger überzeugende Ideen eingereicht. Es stimme auch nicht, wenn Niggli behaupte, der Fussabdruck von «Riva» sei grösser als derjenige des «Metropol», sagte Stadler. Tatsächlich sei er nachweislich bedeutend kleiner und damit die optische Durchlässigkeit grösser.

HRS könnte auch einfach bloss Wohnungen bauen

Roman Buff.

Roman Buff.

Bild: Ralph Ribi

Die entscheidende Frage sei, was die Alternative zu «Riva» sei, sagte Buff. Denkbar sei beispielsweise, dass HRS zwei zwölf Meter hohe Häuser plus Attika mit 50 Wohnungen in Regelbauweise hinstelle ähnlich der Überbauung «Breeze» auf dem ehemaligen Jumbo-Gelände. Ein solches Projekt habe der Investor in der Schublade, was HRS auf Nachfrage bestätigt. «Eine öffentliche Nutzung gäbe es nicht», machte Buff klar. Also kein Restaurant, keine Bar und keine Hotelzimmer, wie sie im «Riva» vorgesehen sind. HRS könnte das Gelände sogar einzäunen. Das wäre mit Sicherheit die schlechtere Lösung für Arbon, sagte Stadler.

Ein solches Szenario sei blosse Angstmacherei, sagte Niggli.

«HRS kann nicht einfach bauen, was sie will.»

Auf dem Gelände bestehe Gestaltungsplan-Pflicht, sodass die Stadt auch bei einem neuen Projekt ein gewichtiges Wort mitreden und die öffentlichen Interessen durchsetzen könne.

Es besteht keine Gestaltungsplan-Pflicht

Dem ist tatsächlich nicht so: Es existiert aktuell keine Gestaltungsplan-Pflicht auf dem «Metropol»-Gelände, wie die Stadt auf Anfrage erklärt. Diese ist erst in der laufenden Überarbeitung der Ortsplanung vorgesehen, die frühestens in zwei bis drei Jahren in Kraft tritt. Heisst: Wenn der «Riva»-Gestaltungsplan vorher zur Abstimmung kommt und beim Volk durchfällt, hat HRS Zeit, Plan B mit der reinen Wohnüberbauung aus der Schublade zu holen und weiterzuentwickeln.

Aber selbst wenn HRS später der Gestaltungsplan-Pflicht unterliegen sollte, ist sie nicht an der kurzen Leine. «Bewegt sich die Bauherrschaft innerhalb der Regelbauweise, sind die Einflussmöglichkeiten der Stadt als zuständige Planungsbehörde geringer», sagt Kantonsbaumeister Erol Doguoglu auf Anfrage. Der Bauherr müsse nicht den Nachweis erbringen, dass sein Projekt im öffentlichen Interesse sei und ein gesamthaft besseres Siedlungsergebnis erbringe. Bedeutet: Wenn die Stadt in Form von zusätzlicher Ausnützung nichts gibt, kann sie auch nichts als Entschädigung einfordern.

Die SP-Mitglieder gingen am Dienstagabend von anderen Voraussetzungen aus und sprachen sich mit 14 gegen 3 Stimmen bei 5 Enthaltungen gegen das «Riva» aus.

Überbauung «Breeze»

Die Hälfte Zweitwohnungen

Alt-Stadtrat Peter Gubser fragte sich an der Podiumsdiskussion zum «Riva», ob die beiden Hochhäuser tatsächlich so viele gute Steuerzahler anziehen werden, wie das die Steinacher beim Hochhaus auf ihrem Gebiet erwarten. In der neuen Überbauung «Breeze» der HRS mit 63 Eigentumswohnungen auf dem ehemaligen Jumbo-Gelände direkt am See sei die Hälfte Zweitwohnungen, wie er von Bewohnern wisse. (mso)

0 Kommentare

Aktuelle Nachrichten