Arbon
Die Aufregung war unnötig: Der seltene Mercedes-Benz der Feuerwehr ist in guten Händen und fahrtüchtig

Die Restaurierung des Oldtimers wird aber noch mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Feuerwehr wird das Schmuckstück bei speziellen Gelegenheiten nutzen. Zu sehen bekommt es die Öffentlichkeit möglicherweise auch sonst.

Markus Schoch
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Feuerwehrrot und bildschön: Der Mercedes-Benz Nürburg Typ 710.

Feuerwehrrot und bildschön: Der Mercedes-Benz Nürburg Typ 710.

Bild: PD

Lukas Auer und seine drei Fraktionskollegen Fabio Telatin, Cornelia Wetzel Togni und Heidi Heine haben sich unnötig Sorgen gemacht um den Mercedes-Benz Nürburg Typ 710. Vor bald drei Jahren informierte die Stadt das letzte Mal über den Verbleib des Feuerwehrautos, von dem es weltweit insgesamt nur noch drei Stück gibt. SP-Parlamentarier Auer hatte zwei mögliche Erklärungen für das lange Schweigen der Stadt: Entweder ist der über 90 Jahre alte Oldtimer ein Wrack oder er ist gar nicht mehr da. Beide Vermutungen sind falsch, wie sich jetzt zeigt. Es laufe grundsätzlich alles nach Plan, schreibt die Stadt in der Beantwortung der Einfachen Anfrage, die das Quartett Anfang Mai im Parlament eingereicht hat.

Wie vorgesehen, restaurieren Freiwillige die automobile Rarität in einer Garage in der Region Arbon. Der genau Ort ist unter anderem aus Sicherheitsgründen geheim. Der Stadtrat schreibt:

«Das Fahrzeug wurde in den vergangenen Jahren sorgsam aufbereitet und instand gestellt. Es befindet sich in einem guten Zustand und ist fahrtüchtig.»

Damit der Mercedes-Benz die Zulassung im Strassenverkehr erhalte, sei aber noch einiges zu tun. Gleiches gelte für den originalgetreuen Innenausbau.

Vielleicht bald ein Museumsstück?

Voraussichtlich Ende Jahr braucht der Oldtimer einen neuen Garagenplatz.

Voraussichtlich Ende Jahr braucht der Oldtimer einen neuen Garagenplatz.

Bild: PD

An der Zielsetzung habe sich nichts geändert, schreibt der Stadtrat. Der ehemalige Löschwagen soll im Besitz der Feuerwehr und damit der Stadt bleiben und bei speziellen Gelegenheiten aus der Garage geholt werden. «Nicht auszuschliessen wäre eine passende Unterbringung in einem Museum», schreibt der Stadtrat. Wann der Mercedes-Benz im neuen Glanz als Blickfang für Ausfahrten zur Verfügung steht, lässt sich nicht sagen. Klar ist einzig, dass die an einen klassischen Gangsterwagen aus den 1930er-Jahren erinnernde Karosse wie die von Mafiaboss Al Capone im nächsten Jahr noch nicht parat ist. Dafür würden die personellen Ressourcen fehlen, schreibt der Stadtrat.

Stadtrat Luzi Schmid.

Stadtrat Luzi Schmid.

Bild: PD

Derzeit prüft die Stadt, wie viel Zeit und Geld nötig ist, um die Arbeiten abzuschliessen. Bis jetzt kostete sie die Restaurierung und Unterbringung nicht viel. Alles in allem jährlich zwischen 2000 und 4000 Franken, sagt Stadtrat Luzi Schmid. Den Wert des Fahrzeuges kann weder er noch sonst jemand von der Stadt beziffern. Da ein Verkauf nicht zur Diskussion stehe, hätten sie keine entsprechenden Abklärungen getroffen, schreibt der Stadtrat. Eine Frau habe ihm einst einen sechsstelligen Betrag geboten, sagte der damalige Stadtrat Konrad Brühwiler vor drei Jahren. Für die Feuerwehr sei der Marktpreis zweitrangig, heisst es in der Beantwortung der Stadt.

«Es zählt der emotionale Wert, da es sich um ein Stück Arboner Feuerwehrgeschichte handelt.»

Finden muss die Stadt auf jeden Fall einen neuen Platz, wo die Freiwilligen Hand am Oldtimer anlegen können. Denn, so wie es aussieht, müssen sie Ende Jahr am heutigen Standort raus.

Auer ist zufrieden

Lukas Auer ist zufrieden mit der Antwort des Stadtrates.

SP-Parlamentarier Lukas Auer.

SP-Parlamentarier Lukas Auer.

Bild: Donato Caspari
«So ist es gut.»

Er sei gespannt, wie sich das Fahrzeug dereinst präsentieren werde. Unverständlich sei für ihn, dass die Behörde nicht von sich aus informiert habe. Das hätten sie früher oder später gemacht, sagt Stadtrat Schmid. Und wahrscheinlich hätte er zumindest seinem ehemaligen Parteikollegen Auer schon längst bei einem Bier in einem Restaurant informell Antwort auf die Fragen zum Mercedes-Benz gegeben. Weil die Beizen in den letzten Monaten zu waren, ergab sich die Gelegenheit einfach nicht. Und so ging Auer den offiziellen Weg über einen parlamentarischen Vorstoss.

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