Arbon
«Alles verlief ohne Gehässigkeiten»: Gegner der geplanten Hochhäuser am Arboner Seeufer einigen sich mit HRS am runden Tisch

Das Projekt «Riva» sorgt in Arbon seit Jahren für böses Blut. Jetzt herrscht plötzlich Aufbruchstimmung: HRS konnte die Interessengruppen offenbar überzeugen, dass die über 40 Meter hohen Zwillingstürme städtebaulich die beste Lösung darstellen – ein Knackpunkt bleibt jedoch ungelöst.

Annina Flaig
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So würde die Arboner Uferlinie mit den beiden geplanten Zwillingstürmen aussehen.

So würde die Arboner Uferlinie mit den beiden geplanten Zwillingstürmen aussehen.

Bild: Visualisierung/PD

Darum geht es:

  • HRS gelingt es, die Gegnerschaft vom Projekt «Riva» zu überzeugen.
  • Alle Interessengruppen unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung.
  • Ungeklärt bleibt die Frage, ob die Hochhäuser mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) vereinbar sind.
  • Die Beurteilung bezüglich Ortsbildschutz soll im Zuge der Genehmigung des Gestaltungsplans durch den Kanton erfolgen.
  • Der Stadtrat will den Gestaltungsplan «Riva» der Bevölkerung zur Abstimmung unterbreiten.
  • Frühester Baustart ist 2024.

Nach acht Jahren herrscht plötzlich Einigkeit. Die Verhandlungen seien ein voller Erfolg geworden. Das sagt Stadtpräsident Dominik Diezi am Dienstag vor den Medien: «Alles verlief ohne Gehässigkeiten. Das ist sehr erfreulich.»

Dies ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie emotional der Streit in den letzten acht Jahren geführt worden ist. Allen voran die IG Pro Metropol aber auch der Thurgauer Heimatschutz und andere kämpften für den Erhalt des Hotel Metropol. Sie hatten sich bis jetzt immer klar gegen die über 40 Meter hohen Zwillingstürme ausgesprochen, welche HRS auf der Parzelle realisieren will. Das insgesamt über 10'000 Quadratmeter grosse Areal ist ein Filetstück, wunderbar am See gelegen.

Im November 2020 hatte der Stadtrat beschlossen, in der Debatte einen neuen Weg einzuschlagen: Seit Dezember hatten unter der Leitung von Marco Sacchetti, Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt (DBU), drei Gespräche am Runden Tisch stattgefunden.

Die verschiedenen Interessengruppen informierten am Dienstag gemeinsam über die Ergebnisse ihrer Verhandlungen.

Die verschiedenen Interessengruppen informierten am Dienstag gemeinsam über die Ergebnisse ihrer Verhandlungen.

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)

Nebst Vertretern der HRS und der Stadt Arbon brachten auch der Kantonsbaumeister, der Heimatschutz und die Denkmalpflege sowie Vertreter der IG Pro Metropol und der IG Pro Riva ihre Positionen ein.

Am Dienstag informierten die Beteiligten nun gemeinsam über die Ergebnisse der Gespräche.

Beim ersten Gespräch sei es darum gegangen, die unterschiedlichen Positionen anzuhören. Beim zweiten Treffen wurden der Ablauf des Architekturwettbewerbs von 2013 sowie das Siegerprojekt «Riva» nochmals unter die Lupe genommen. In der letzten Gesprächsrunde einigten sich die Widersacher auf eine gemeinsame Erklärung als Basis für weitere Schritte.

Das Areal, auf dem das ehemalige Hotel Metropol steht, befindet sich an bester Lage direkt am See.

Das Areal, auf dem das ehemalige Hotel Metropol steht, befindet sich an bester Lage direkt am See.

Bild: Annina Flaig (Arbon, 1. März 2021)

Zu den Spielregeln gehörte laut Sacchetti, dass alle akzeptieren, dass das «Metropol» nicht unter Schutz gestellt worden ist. Dieser Rechtsstatus wurde nämlich bereits vor über zwei Jahren geklärt.

Marco SacchettiGeneralsekretär Departement für Bau und Umwelt (DBU)

Marco Sacchetti
Generalsekretär Departement für Bau und Umwelt (DBU)

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)

HRS habe acht Modelle mit verschiedenen Höhen des Bauvorhabens präsentiert und genau erklärt, warum man sich auf die rund 40 Meter festgelegt habe. Wenn man die Gedanken der Architekten, der Jury und von HRS nachvollziehen könne, sei es einfacher, das Projekt zu verstehen. Sacchetti sagte:

«Dann verschwindet auch der Schreck, den man am Anfang vielleicht hatte.»

Auch Kurt Sonderegger, Vertreter der IG Pro Metropol, für welche das «Riva» an dieser Lage nie in Frage gekommen war, spricht sich jetzt für die Hochhäuser aus: «Die Alternative wäre eine Riegelbauweise. Das kommt für uns nicht in Frage.» Der IG Pro Metropol ist offenbar klar geworden, dass HRS in die Breite bauen wird, wenn sie nicht in die Höhe bauen kann. Er betont aber:

Kurt SondereggerVertreter der IG Pro Metropol

Kurt Sonderegger
Vertreter der IG Pro Metropol

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)
«Wir werden die weiteren Schritte mit grosser Aufmerksamkeit verfolgen.»

In der Erklärung halten die Interessengruppen unter anderem fest, dass die Überlegungen der Jury, die das «Riva» als Siegerin wählte, nachvollziehbar und überzeugend seien.

Die geplanten Gebäude sind über 40 Meter hoch.

Die geplanten Gebäude sind über 40 Meter hoch.

Visualisierung/PD

Das Projekt Riva stehe in Einklang mit den Entwicklungsabsichten der Stadt und überzeuge durch die vorgesehene gemischte Nutzung, die auch der Bedeutung des Areals als öffentlicher Ort gerecht werde.

Eine Knacknuss bleibt jedoch bestehen: Die Unterzeichnenden erwarten, dass im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens auch das Verhältnis des Vorhabens zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) von den zuständigen Fachstellen beurteilt wird. Gianni Christen, Geschäftsführer des Thurgauer Heimatschutzes, sagt dazu:

Gianni ChristenGeschäftsführer Thurgauer Heimatschutz

Gianni Christen
Geschäftsführer Thurgauer Heimatschutz

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)
«Wir wehren uns nicht gegen das Projekt Riva. Für uns ist es aber wichtig, dass die Verträglichkeit des Projekts mit dem ISOS seriös geprüft wird.»

Erfreut hat der Stadtrat zur Kenntnis genommen, dass HRS zusammen mit dem Presswerk beabsichtigt, auf der Terrasse des ehemaligen Hotels Metropol kommenden Sommer eine gastronomische Zwischennutzung zu lancieren. Zudem hat sich die HRS bereit erklärt, am Standort Riva weitere Hotelzimmer zu planen. Zusammen mit dem im WerkZwei vorgesehenen Hotel würden so in Arbon rund 90 neue Hotelzimmer entstehen. Die Fläche an öffentlichen Nutzungen (Restaurant, Saal, Hotel) im Riva werde somit grösser als im ehemaligen «Metropol». Martin Kull, CEO von HRS, betonte, dass die Entwicklerin und die Stadt Arbon seit Jahren eine sehr intensive Beziehung pflegen. «In einer so intensiven Beziehung darf es auch einmal Meinungsverschiedenheiten geben.» Wichtig sei, dass man diese ausdiskutiere. Über den Ausgang der Verhandlungen zeigte er sich hoch erfreut und sagte:

Martin KullCEO HRS

Martin Kull
CEO HRS

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)
«Jetzt steht der Realisierung des Projekts Riva eigentlich nichts mehr im Weg.»

Als Nächstes ist laut Diezi das Richtprojekt zu bereinigen und anschliessend der Gestaltungsplan zu überarbeiten. Im Planungsbericht erfolge dann die geforderte Beurteilung in Bezug auf das ISOS.

Sistiertes Gutachten wird fallen gelassen

Die sistierte Erarbeitung eines städtebaulichen Gutachtens wird nicht fortgeführt. Diezi sagt:

Dominik DieziStadtpräsident von Arbon

Dominik Diezi
Stadtpräsident von Arbon

Bild: Ralph Ribi (Arbon, 3. März 2021)
«Es hat sich gezeigt, dass ein privates Gutachten nicht zur Klärung beitragen kann, da es nicht von allen Parteien akzeptiert wird.»

Eine gutachterliche Beurteilung erfolgt durch die zuständige Fachstelle des Kantons im Zuge der Genehmigung des Gestaltungsplans durch das DBU. Weiter will der Stadtrat an der Absicht des Vorgänger-Stadtrats festhalten, den Gestaltungsplan «Riva» nach öffentlicher Auflage dem Stimmvolk zur Abstimmung zu unterbreiten. Frühester Baustart ist laut Diezi 2024.

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