Arbon
Co-Working statt leerstehende Ladenlokale: Wie die Arboner Altstadt nach Corona aussehen könnte

Arbon sucht Perspektiven fürs Städtli und hat Experten des Raumplanungsverbands EspaceSuisse ins Boot geholt. Diese sehen Corona als Chance für die Entwicklung und erklären warum.

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Die Arboner Altstadt vom Dach des Saurer Werk 1 aus fotografiert.

Die Arboner Altstadt vom Dach des Saurer Werk 1 aus fotografiert.

Donato Caspari

(red) Die Arboner Altstadt soll wieder stärker belebt werden. Deshalb hat die Stadt das «Netzwerk Altstadt» des Schweizer Raumplanungsverbands EspaceSuisse mit der Erarbeitung einer Nutzungsstrategie fürs Städtli beauftragt. Es sei noch nicht völlig klar, was nach der Krise wirklich anders sein wird, dennoch erkennen die Experten bereits erste Trends. «Die Krise bietet auch Chancen – auch für eine Kleinstadt wie Arbon», steht in der Medienmitteilung geschrieben.

Der Einkauf wandelt sich weiter

Für Paul Dominik Hasler, Netzwerk Altstadt/EspaceSuisse, steht fest: Der stationäre Handel muss sich noch mehr dem Druck aus dem Internet stellen. Zusammen mit der Coronakrise wird das für einige Läden das Ende bedeuten. Andere Geschäfte haben wegen Corona eine neue Kundschaft und Bedeutung gewonnen – und zugelegt.

«Der lokale Einkauf kann dann überzeugen, wenn er gute Produkte, eine persönliche Beratung und ein angenehmes Umfeld bietet», sagt Hasler. Gerade im Bereich Lebensmittel stelle dies eine Chance dar. Die Aufwertung des Aussenraumes in der Altstadt, verbunden mit einer Handvoll innovativer Läden, sei eine Perspektive. Umgekehrt bleibe in der Arboner Altstadt das Problem der weit entfernten Grossverteiler.

Das Arbeiten organisiert sich neu

Beim Arbeiten sieht Paul Dominik Hasler vielfältige Trends. Hier rechnet er mit einer Chance für Kleinstädte. «Statt dass die Leute zu Hause ihr Büro einrichten, entstehen gemeinsame regionale Büros, also Co-Working-Bereiche», erläutert er. Die Kombination von Arbeitsplätzen, Läden, Gastroangeboten und Kinderbetreuung sei attraktiv.

Paul Hasler von EspaceSuisse.

Paul Hasler von EspaceSuisse.

Donato Caspari
«Kleinstädte wie Arbon könnten für die Region zum Arbeitsschwerpunkt werden.»

Co-Working sei in leerstehenden Ladenlokalen möglich, was den Erdgeschossen eine neue Nutzung bescheren könnte. Es sei sogar denkbar, dass grosse Firmen regionale Büros einrichten, in denen man gemeinsam arbeitet. Auch dafür seien Regionalzentren aufgrund ihrer Erreichbarkeit gut geeignet.

Der Tourismus wird lokaler

Ein dritter Trend war in Arbon bereits deutlich spürbar: Der Tourismus erfährt derzeit einen starken Impuls durch Gäste aus dem Inland. Auch wenn das wieder abebben wird, bleibt doch für viele die Schweiz ein attraktives Reiseziel, vor allem in den Bereichen Wandern, E-Bike, Natur und Wellness. Dabei sind laut Hasler kleine, individuelle Strukturen wie Ferien auf dem Bauernhof oder Bed & Breakfasts gefragt:

«Die Altstadt Arbon eignet sich ideal, mehr sogenannte Parahotellerie anzubieten, also Übernachtungen ausserhalb von klassischen Hotels.»

Kombiniert mit lokalen Freizeitangeboten und Gastronomie liesse sich damit laut Hasler von April bis Oktober einiges an Lebendigkeit generieren.

Natürlich würden genannte Effekte nicht von alleine Früchte tragen. Man müsse sie erkennen und geschickt umsetzen. Hierzu befindet sich Arbon in diversen Strategieprozessen, in welchen die Altstadt, das attraktive Seeufer und die Neue Stadtmitte vernetzt werden sollen. Der Prozess zur Erarbeitung der Nutzungsstrategie für die Altstadt Arbon sei angelaufen und werden von der Begleitgruppe engagiert unterstützt, steht in der Mitteilung weiter geschrieben.

Im Mai werden Workshops mit Gewerbetreibenden sowie Hauseigentümern aus der Altstadt durchgeführt. Die Experten von EspaceSuisse sind zuversichtlich, im Herbst ein Set an Massnahmen für eine positive Entwicklung der Altstadt präsentieren und dieses mit der Bevölkerung diskutieren zu können.