ARBON
Altertumsforschung nimmt Fahrt auf: Das Archäomobil bringt Fundstücke zur Ostschweizer Bevölkerung

Ohne Corona hätte am Samstag beim Schloss Arbon garantiert eine Volksfeststimmung geherrscht. Denn das kantonale Amt für Archäologie stellte mit dem «Archäomobil »eine attraktive Neuheit vor: Ein umgebauter VW-Bus, der Interessierten die Arbeit des Amtes näher bringt und regionale, teils auch lokale Funde präsentiert.

Christof Lampart
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Livia Hailer und Monika Isler präsentierten im Arboner Schlosshof das Archäomobil sowie einige Fundstücke.

Livia Hailer und Monika Isler präsentierten im Arboner Schlosshof das Archäomobil sowie einige Fundstücke.

Bild: Christof Lampart

Die Idee zum Archäomobil hatte das Amt für Archäologie des Kantons Schaffhausen. Es konzipierte im Jahr 2018 einen Bus, der vollgepackt mit archäologischen Funden Schülerinnen und Schülern, aber auch Privaten, die Archäologie des Kantons in die Schule respektive nach Hause und somit auch näherbringt.

Diese attraktive Idee der Wissensvermittlung wurde von den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Zürich aufgegriffen und gemeinsam mit dem Kanton Schaffhausen wurde das Ostschweizer Archäomobil anfangs 2021 in Verkehr gesetzt. Nun gastierte der umgebaute VW-Bus am Samstagvormittag erstmals im Thurgau. Genauer gesagt hielt das Archäomobil im Hof des Schlosses Arbon.

10 Jahre Unesco-Weltkulturerbe gefeiert

Dass das Gefährt im Beisein etlicher Thurgauer Archäologen und des Arboners Stadtpräsidenten Dominik Diezi in Arbon hielt, war kein Zufall. Wie der Thurgauer Kantonsarchäologe Hansjörg Brem erklärte, wollte man ursprünglich am Samstag nicht nur dem Archäomobil zur öffentlichen Thurgauer Premiere verhelfen, sondern auch die Möglichkeit dazu nutzen, um erstmals im Jahr 2021 aufs Jubiläum 10 Jahre «Pfahlbauten rund um die Alpen» auf der Unesco-Weltkulturerbeliste aufmerksam zu machen. Dazu sagt Brem:

Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe Thurgau.

Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe Thurgau.

Bild: Christof Lampart
«Eigentlich hätten heute gerne mit der ganzen Bevölkerung gefeiert. Aber was jetzt noch nicht sein kann, wird vielleicht später noch werden, wenn wir die Pandemie in den Griff kriegen sollten. Denn im Zusammenhang mit dem Jubiläum sind fürs 2021 noch einige Events, auch mit Einsätzen des Archäomobils, geplant.»

„Die Qualität steckt bei uns im Boden“

Die serielle transnationale Welterbestätte wurde am 27. Juni 2011 in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen. Im Thurgau sind vier Fundstellen bei Arbon, Eschenz, Gachnang und Hüttwilen auf der Liste. Dass Problem bei der öffentlichen Vermittlung dieser sehr spannenden jungstein- und bronzezeitlichen Fundorte bestehe oft darin, dass die Schätze meistens unter der Wasseroberfläche – oder wie hier im Falle Arbons – geschützt unter einer Parkplatzoberfläche lägen.

«Die Qualität steckt bei uns im Boden, weshalb wir sehr froh sind, dass wir nun mit dem Archäomobil eine Möglichkeit haben, um die Archäologie in die Schulen und zu den Menschen zu bringen», erklärte Archäologin Simone Benguerel. Und ihr Berufskollege Urs Leuzinger sagt:

«Wir können mit dem Archäomobil den Leuten die unterschiedlichsten Aspekte unserer Arbeit zeigen und dabei individuell auf ihre Fragen eingehen.»
Auch Arbons Stadtpräsident Dominik Diezi (links) folgte gespannt den Ausführungen von Livia Hailer und Monika Isler über die Einsatzmöglichkeiten des Archäomobil Ostschweiz.

Auch Arbons Stadtpräsident Dominik Diezi (links) folgte gespannt den Ausführungen von Livia Hailer und Monika Isler über die Einsatzmöglichkeiten des Archäomobil Ostschweiz.

Bild: Christof Lampart

Arbons Stadtpräsident Dominik Diezi begrüsste es, dass es nun die Möglichkeit gebe, Altertumsforschung volksnah zu erzählen und zu erleben. Auch in Arbon bestünde diesbezüglich seiner Meinung nach Nachholbedarf, denn «ich musste schon oft feststellen, dass vielen Arbonern gar nicht bewusst ist, weshalb die Stadt auf der Weltkulturerbeliste steht. Denn ich bekomme oft zu hören, dass das wohl wegen dem Schloss oder der St. Martinskirche sein müsse», sagte Diezi.

Gezielt auf den Unterricht eingehen

Wie aber genau funktioniert das Archäomobil? Das interkantonale Angebot kann über eine Webseite gebucht werden. Der Bus wird stets von zwei Altertumsforschenden betreut, die sich aus einem Pool von freiwilligen Archäologinnen und Archäologen rekrutieren. Dabei gibt es keine festen Teams, aber «wir schauen darauf, dass wir uns in den Fachgebieten ergänzen», erklärte Livia Hailer, die am Samstag mit ihrer Kollegin Monika Isler das Fahrzeug betreute. Das Archäomobil wird von Schulklassen für eine 90minütige Unterrichtseinheit vor Ort gebucht.

«Wir kommen in die Schulen und gehen auf Themen ein, welche in der Klasse gerade das Thema sind. Zudem können wir in der Zusammenarbeit mit den kantonalen Archäologieämtern auch Präsentationskisten mit regionalen oder sogar lokalen Funden vorbereiten.»

Multifunktionales Mobiliar – sogar die Bus-Aussenwand kann in den Unterricht miteinbezogen werden – und ein Witterungsschutz erlauben eine flexible Präsentation an jedem Standort. Anhand von Werkzeugen wie Schaufel und Pickel über Vermessungsgeräte bis zur digitalen Fundstellenkarte wird die Arbeitsweise der modernen Archäologie demonstriert.

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