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Interview

«Wir konnten Vertrauen schaffen», sagt der abgetretene Arboner Stadtrat Hans-Ulrich Züllig

Hans-Ulrich Züllig war acht Jahre Stadtrat in Arbon. Viel abverlangt hat ihm der Kampf gegen Vorurteile.
Interview: Tanja von Arx
Hans-Ulrich Züllig hat Ende Mai sein Amt als Stadtrat abgegeben. Bild: Reto Martin

Hans-Ulrich Züllig hat Ende Mai sein Amt als Stadtrat abgegeben. Bild: Reto Martin

Sie nannten als Grund für Ihren Abgang die Wirren um das Budget 2018, denn im Falle einer Wiederwahl hatten Sie mit dem Ressort Finanzen geliebäugelt. Tatsächlich aber hat die Rechnung mit einem satten Plus abgeschlossen. Haben Sie Ihre Entscheidung bereut?

Hans-Ulrich Züllig: In keiner Weise, zumal der Entscheid nicht in Zusammenhang mit der Finanzlage gestanden hat. Deren Wende zum Positiven war meiner Ansicht nach schon einige Zeit im Voraus erkennbar.

Ironischerweise trug in erster Linie der Soziallastenausgleich zum positiven Abschluss bei, Ihnen oblag das Ressort Soziales. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Wir haben mit viel Überzeugungsarbeit einen gewissen Ausgleich für die überproportionalen Lasten erwirkt, welche die Stadt Arbon seit Jahren gemeinwirtschaftlich und überregional stemmt. Die «Unterdeckung» beträgt immer noch gut zwei Millionen Franken jährlich. Nun kann es nicht sein, dass Arbon und zunehmend andere Zentrumsstandorte dem Kanton weiterhin scheibenweise einen angemessenen Ausgleich abringen müssen. Die Finanzierung muss auf kantonaler Ebene angegangen und den zeitgemässen Gegebenheiten angepasst werden.

Nirgendwo sonst im Kanton sind die Sozialkosten derart hoch wie in Arbon, man kann deshalb den sozialen Zuständigkeitsbereich durchaus als «Brandherd» bezeichnen. Haben Sie Ihre Aufgaben entsprechend als Last empfunden?

Zeitweise ja. Dass die Sozialhilfe zentral wird, war mir von Anfang an klar und bildete die Motivation, das Ressort zu übernehmen. Überraschend und teils irritierend war die Erkenntnis, wie tief sich die jahrelange parteipolitische Bewirtschaftung vom Bild eines «Sozialparadieses Arbon» ins Bewusstsein auch auf Kantonsebene eingeprägt hat – und wie aufwendig es war, dies zu ändern.

Abschliessend: Welche Noten geben Sie der externen Soziallasten-Analyse «Ritz»? Und könnte Jobcoaching allenfalls Abhilfe schaffen, wie es einige Parlamentarier einmal vorschlugen, sprich junge Erwachsene beim Einstieg ins Berufsleben unterstützen?

Veränderungen im Arbeitsumfeld ziehen auch interne nach sich. Für eine «lernende Organisation» ist es wichtig, sich permanent zu hinterfragen. Der Ritz hat uns, nebst einem positiven Urteil, einen Spiegel mit zusätzlichen Impulsen für einzelne Abläufe vorgehalten. Bestätigt wird dies auch durch die kantonale Revision, die dem Sozialamt eine effiziente Organisation und eine effektive Fallführung attestiert. Jobcoaching: So gut es gemeint ist, den Jungen steht schon ein umfangreiches Netzwerk zur Verfügung. Noch einen zusätzlichen Player einzusetzen, erachte ich als wenig zielführend, wenn nicht gar kontraproduktiv. Mehr Erfolg sehe ich in einer angemessenen, allenfalls kleineren Fallbelastung pro Fachperson im Sozialamt.

Was muss Ihrer Meinung nach sonst noch passieren, um langfristig weg von den roten Zahlen zu kommen?

Im Bereich Soziales und Gesundheit sehe ich zwei Schwerpunkte: Wie erwähnt die Revision des Kostenteilers für die Aufwendungen im Sozialbereich, mittelfristig eine Überprüfung der Verwaltungsstruktur auf kantonaler Ebene in Anlehnung an das Kesb-Modell und die Anpassung der verwaltungstechnischen Organisationsstrukturen in der ambulanten Versorgung.

Welches war im Bereich Gesellschaft die grösste Herausforderung?

Es zeigte sich, dass die Zeit reif war, neue Wege zu beschreiten und den Fokus auf den Sozialraum als Ganzes zu legen. Die sorgfältig und unter Einbezug breiter Schichten vorbereitete Veränderung wird ihre Wirkung erst entfalten.

Was war die positivste Erfahrung als Stadtrat?

Da gibt es eine ganze Liste. Sicher der Umstand, dass es gelungen ist, das Vertrauen in die Sozialbehörde wiederherzustellen. Und die Diskussion um die Ausgaben zu versachlichen, was Voraussetzung für den Verhandlungserfolg mit kantonalen Instanzen war. Besonders erfreulich empfand ich, wie ruhig die Bevölkerung das Thema Asylanten aufgenommen und wie Arbon trotz angespannter Finanzlage Kredite gesprochen hat, besonders in den Bereichen Bildung und Infrastruktur.

Wie geht es jetzt weiter? Im März 2018 kündigten Sie an, Sie würden beratend für Stiftungen und Non-Profit-Organisationen tätig.

Nach einem ausgiebigen Timeout beginne ich mein Engagement in einem neuen Beziehungsnetz.

Wollen Sie Ihrem Nachfolger etwas auf den Weg geben?

Ich hatte Gelegenheit, mich mit Michael Hohermuth auszutauschen. Ich bin überzeugt, dass er willens und in der Lage ist, auch ohne meine Ratschläge Schwerpunkte zu setzen.

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