«Apfel-Image schadet dem Oberthurgau» sagt Amriswils Alt-Nationalrat Hermann Hess

Einstimmig sprechen sich die Freisinnigen am Donnerstagabend für die Budgets der Stadt und der Volksschulgemeinde aus – und alt Nationalrat Hermann Hess hält ein flammendes Plädoyer.

Manuel Nagel
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Bevor die Freisinnigen am Metzgete-Buffet zuschlugen, ging es bei den Budgets von Stadt und Schule um die (Blut-)Wurst. (Bild: Manuel Nagel)

Bevor die Freisinnigen am Metzgete-Buffet zuschlugen, ging es bei den Budgets von Stadt und Schule um die (Blut-)Wurst. (Bild: Manuel Nagel)

Opposition gegen die beiden Budgets war auch bei der FDP nicht auszumachen. Und dennoch hatten die mehr als zwei Dutzend Anwesenden einige Fragen an die beiden Referenten Thomas Grimm, Finanzchef der Stadt und Christoph Kohler, Präsident der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri.

Insbesondere Hermann Hess warf mehrere Inputs ein. So wollte er von Thomas Grimm wissen, ob die rückläufigen Zahlen in der Sozialhilfe auch mit dem Engagement von Stadträtin Daniela Di Nicola zusammenhingen, ob deren Projekt «iSatz» Wirkung zeige – was der Finanzchef bejahte.

Eine einheitliche Immobilienverwaltung?

Um beide Gemeinden – politische und Schule – drehte sich Hess’ nächste Anfrage, als Christoph Kohler von der Stellenaufstockung in der Schulverwaltung im Bereich Liegenschaften berichtete. «Stadt und Schule haben zusammen Immobilien von rund 150 Millionen Franken», schätzte Hess. «Letztlich ist es ja dasselbe Portemonnaie, die Eigentümer sind die Steuerzahler.» Weshalb man nicht eine professionelle Verwaltung für die Immobilien von Stadt und Schule mache?

«Wir machen nichts unprofessionell mit unseren Liegenschaften»

stellte VSG-Vizepräsident Samuel Oberholzer daraufhin klar, er gab jedoch zu, dass man in den letzten zehn Jahren, seit er Mitglied der Schulbehörde sei, eine solche strategische Zusammenarbeit nicht angedacht habe.

Die Frage von Christoph Kohler an Hermann Hess, ob er in Richtung Einheitsgemeinde ziele, verneinte dieser. Kohler meinte jedoch, dass er offen für solche Anregungen sei und er einige Möglichkeiten und Stellen sehe, wo VSG und politische Gemeinde noch näher zusammenrücken könnten.

Absprache bei den Steuern

Natürlich war auch die geplante Steuersenkung der Volksschulgemeinde um zwei Prozent ein Thema. Nicht zuletzt, weil der Finanzchef der Stadt in der Finanzplanung eine Steuererhöhung in Aussicht gestellt hatte. «Ich finde es mutig, dass die Schule die Steuern senken will», sagte Hermann Hess, denn die Steuerzahler würden ja dann von Thomas Grimm von einer Steuererhöhung erfahren.

«Wir haben uns halt abgesprochen»

sagte Finanzchef Thomas Grimm mit einem Lächeln, welches verriet, dass man diese Antwort nicht ganz ernst nehmen sollte. «Ah, dann funktioniert ja die Zusammenarbeit zwischen Schule und Stadt», antwortete Hess, was Gelächter im Clubhaus der Fussballer auslöste.

Nicht zum Lachen fand Hess jedoch die Verkehrsanbindung Amriswils, als diskutierte wurde, wie man denn mehr juristische Steuerzahler anziehen könnte. «In Bern haben wir halt immer noch das Image des Apfelkantons mit schönen Landschaften», sagte er mit Bedauern. Deshalb sei man im Bundeshaus der Meinung, andere Verkehrsprojekte vorziehen zu können, obschon dort viel weniger Menschen als im Oberthurgau betroffen seien, und er nannte die «Umfahrung Saas» im Prättigau als Beispiel, wo nur 800 Leute wohnten.